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Der Corona-Lockdown beutelt viele Branchen - auch den Tourismus in Rheinland-Pfalz. Kommunen und Landesregierung planen aber schon den Neustart.

Der Tourismus in Rheinland-Pfalz hat wegen der Corona-Pandemie und der staatlich verhängten Schließungen von Hotels, Pensionen, Gaststätten und Freizeiteinrichtungen einen beispiellosen Einbruch erlitten. Besonders betroffen sind Städte- und Geschäftsreisen.

Auch wenn nicht klar ist, wann die Politik die Einschränkungen wieder lockert: Die Planungen für einen Neustart laufen in den Kommunen, beim Tourismusmarketing und im Wirtschaftsministerium bereits auf vollen Touren.

"Die Tourismusverantwortlichen in unseren Städten stecken nicht den Kopf in den Sand", sagt der Geschäftsführende Direktor des Städtetags Rheinland-Pfalz, Michael Mätzig. Die Städte hätten die Zeit sinnvoll und kreativ genutzt und eine Reihe neuer Konzepte und Ideen entwickelt.


Städte in Rheinland-Pfalz planen zusammen

So gebe es jetzt beim Tagungstourismus eine "neue und so noch nicht da gewesene Zusammenarbeit" der Städte Mainz, Ludwigshafen, Koblenz, Trier, Kaiserslautern und Worms. Gemeinsam haben diese Städte das Convention Bureau Rheinland-Pfalz gegründet. Ziel ist es, Tagungen und Kongresse gemeinsam zu vermarkten und den Tagungs- und Kongressstandort Rheinland-Pfalz weiterzuentwickeln.

Mätzig ist sicher, dass sich weitere Städte in naher Zukunft an dem Projekt beteiligen werden. Hinzu kommen nach seinen Angaben neue Angebote und Kampagnen wie beispielsweise "Staycation" in Koblenz oder "Zeitreise Mainz Trier". "Staycation", das sich an Koblenzer wendet, die Urlaub in der eigenen Stadt machen wollen und mit einem vielseitigen Rahmenprogramm wirbt, werde sehr gut angenommen, sagt Mätzig.

Die Mosel neu entdecken

Alken  - Eine Burg und 1000 Jahre Geschichte. Alken gehört zu den Winzerorten, die schon die Kelten und Römer schätzten. (Foto: Christopher Arnoldi/Terroir Moselle )
Alken - Eine Burg und 1000 Jahre Geschichte. Alken gehört zu den Winzerorten, die schon die Kelten und Römer schätzten. Christopher Arnoldi/Terroir Moselle Bild in Detailansicht öffnen
Zwischen zwei Weinbergen stapelt sich ein kleines Häusermeer. Darüber thront auf einem Hügel die Ruine einer Burg. Ganz Beilstein besteht aus einer Vielfalt an blumengeschmückten Fachwerkhäusern. Christopher Arnoldi/Terroir Moselle Bild in Detailansicht öffnen
Umgeben von Rebenlandschaft präsentiert sich die Weinkellerei René Bentz in Wellenstein. Das moderne Gebäude mit seiner geradlinigen Architektur steht mitten im Weinberg. Christopher Arnoldi/Terroir Moselle Bild in Detailansicht öffnen
Die Villa Huesgen in Traben-Trarbach. Ein Meisterwerk des Berliner Architekten Bruno Möhring. Christopher Arnoldi/Terroir Moselle Bild in Detailansicht öffnen
Weingut und Gästehaus Cantzheim in Kanzem: Ein spätbarockes Gutshaus wird in respektvollem Abstand von zwei modernen Gebäuden flankiert. Auf der einen Seite entstand die monolithische Remise, gefertigt aus Stampfbeton. Das Gegenstück dazu ist die Orangerie aus Stahl und Glas auf der anderen Seite. Christopher Arnoldi/Terroir Moselle Bild in Detailansicht öffnen
Die Manufaktur des Weinguts Van Volxem gilt als architektonische Ausnahmeerscheinung. Dort werden die Riesling-Trauben von bekannten Lagen der Saar gekeltert. Christopher Arnoldi/Terroir Moselle Bild in Detailansicht öffnen
Toul und seine Weindörfer - Bischofsstadt und seltener Wein. Einst mächtige Bischofsstadt, heute ein optisches Glanzlicht am Moselbogen. Christopher Arnoldi/Terroir Moselle Bild in Detailansicht öffnen
Remerschen - das kleine Weindorf ist Teil der Gemeinde Schengen in Luxemburg. Berühmtester Einwohner ist Architekt François Valentiny. In dem Gebäude ist die "Valentiny Foundation“ - eine Stiftung untergebracht. Christopher Arnoldi/Terroir Moselle Bild in Detailansicht öffnen
Weinbau an der französischen Mosel. - hier die Domaine les Béliers in Ancy-Dornot. terroir moselle Bild in Detailansicht öffnen

Urlauber werden kurzfristig buchen

Doch klar ist auch: Alle Aktionen liegen momentan an der Corona-Kette. "Leider lassen sich unsere Städte aufgrund der aktuellen Situation zurzeit nicht so erleben, wie wir es gewohnt sind. Wir freuen uns jedoch auf bessere Zeiten!", heißt es auf dem "Zeitreise"-Portal. Bewerbungen für das in Form eines Gewinnspiels angelegte Projekt sind schon möglich.

Die Marketinggesellschaft Rheinland-Pfalz Tourismus (RPT) geht davon aus, dass Urlauber aufgrund von Lockdown und Pandemie kurzfristig buchen. Daher sei es notwendig, vorab auf Möglichkeiten aufmerksam zu machen, erklärt RPT-Geschäftsführer Stefan Zindler. Das könne sowohl über Marketing-Kampagnen als auch über digitale Angebote wie virtuelle Stadtführungen, Videos oder neue Apps erreicht werden.

Schlösser und Burgen in Rheinland-Pfalz

Das Burgmassiv im Dahner Felsenland (Foto: Imago, Imago)
Im Dahner Felsenland kommen alle Burgenfans voll auf ihre Kosten. Mitten im Biosphärenreservat Pfälzerwald/Nordvogesen liegen mehrere Burgen nah beieinander. Geheimnisvolle Felsengänge führen in unterirdische Kammern und Verliese. Und der fleißige Wanderer wird auf den Zinnen der Burgen mit grandiosen Ausblicken belohnt. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Mit ihrer einzigartigen Architektur und ihrer einmalig schönen Lage in einem Seitental der Mosel ist die Burg Eltz für viele der Inbegriff einer deutschen Ritterburg. Seit mehr als 850 Jahren wurde sie nie erobert oder zerstört. Und zu D-Mark-Zeiten zierte sie den 500-DM-Schein. Bild in Detailansicht öffnen
Hoch über Sayn bei Bendorf am Rhein thront die 800 Jahre alte Stammburg der Fürsten zu Sayn-Wittgenstein, die Burg Sayn. Oben angekommen, bietet sich ein sagenhafter Blick über die Rheinebene bis hin zu den Vulkanbergen der Eifel. Bild in Detailansicht öffnen
Mitten im Rhein thront seit dem 15. Jahrhundert die Burg Pfalzgrafenstein. Für viele Jahrhunderte war sie als Zollburg eine gute Einnahmequelle verschiedener Adelsherren. Sie ist ein wahrhafter Besuchermagnet und seit 2002 auch Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Unterhalb der Burg liegt das malerische Schloss Sayn. Erbaut wurde es im 14. Jahrhundert. Dass es noch heute aussieht wie ein Märchenschloss, ist auf die aufwändige Sanierung von 1995 bis 2000 zurückzuführen. Denn im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss erheblich beschädigt. Bild in Detailansicht öffnen
Die im 13. Jahrhundert erbaute Hardenburg bei Bad Dürkheim ist eine der größten Festungsruinen des Landes. Ihre zahlreichen Türme, Treppen und Gänge bieten viele Möglichkeiten zum Entdecken und Erkunden. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Die Burg Rheinstein in Trechtingshausen ist der Inbegriff preußischer Rheinromantik und Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal. Die Burg befindet sich in Privatbesitz, kann aber besichtigt werden. Beim Flanieren durch die Anlage begeistern die historischen Architekturmalereien, die restaurierten Glasfenster und draußen der Burgundergarten. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Hoch über Braubach am Rhein thront die im 13. Jahrhundert erstmals erwähnte Marksburg. Hier erlebt jeder Besucher eine beeindruckende Reise ins Mittelalter und findet vielleicht im mittelalterlichen Kräutergarten mit rund 160 Heilpflanzen ein außergewöhnliches Zauberkraut. Pressestelle Rheinland-Pfalz Tourismus Bild in Detailansicht öffnen
Hoch oben über dem Zusammenfluss von Rhein und Mosel thront die im 16. Jahrhundert erbaute Festung Ehrenbreitstein. Nicht nur der Besuch der Festung, auch die Seilbahnfahrt von den Rheinanlagen über den Rhein bis nach oben, ist ein wirklich einmaliges Erlebnis. Pressestelle Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH Bild in Detailansicht öffnen
Die Bergkette Trifels, Anebos, Münz ist ein herrlicher Anblick. Burg Trifels, die 310 Meter über Annweiler liegt, war während der Stauferzeit das Staatsgefängnis. Hier wurde einst König Richard Löwenherz gefangen gehalten. imageBROKER Bild in Detailansicht öffnen
Das erst Anfang des 19. Jahrhunderts erbaute Schloss Stolzenfels gilt als Sinnbild der Rheinromantik. Besucher werden in Filzpantoffeln durch die imposanten Wohnräume geführt. Zu bestaunen gibt es außerdem den Rittersaal, den ovalen Reitplatz, den üppigen Pergolagarten und eine Lavagrotte. Pressestelle Generaldirektion Kulturelles Erbe/ Ulrich Pfeuffer Bild in Detailansicht öffnen
Oberhalb von Bacharach thront die Burg Stahleck, die nach ihrer Zerstörung im späten 17. Jahrhundert erst 1925 wieder aufgebaut wurde. Das Besondere an dieser Burg: man kann hier übernachten. Sie ist bekannt als eine der schönsten Jugendherbergen Europas. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Besuch der beeindruckenden Burg Rheinfels in St. Goar ist ein Muss für alle Burgenfans. Die Dimension der größten Burg am Rhein ist umwerfend und wer eine Taschenlampe mitbringt, kann auf eigene Faust unterirdische Gänge erkunden. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Die Burg Thurant in Alken an der Mosel ist eine der ältesten Burgen des Mosellandes. Eine ihrer Besonderheiten sind die steilen Weingärten auf der Sonnenseite. In den Weinkellern kann man viel über das alte Handwerk der Weinherstellung erfahren. Bild in Detailansicht öffnen
Wer den Pfälzer Höhenweg bei Falkenstein im Donnersberg wandert, kommt an dieser malerischen Ruine aus dem Mittelalter vorbei. In der Burgruine Falkenstein gibt es viel auf eigene Faust zu entdecken: zum Beispiel ein Amphitheater, den Wachturm oder die Zisterne. Pressestelle Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH Bild in Detailansicht öffnen
Filmkulisse und Ritterwerkstatt: Schloss Bürresheim bei Mayen ist einer der wenigen Herrschafts-Bauten in der Eifel, die niemals erobert oder verwüstet wurden. Hier kann man Geschichte so richtig erleben. Auch für Kinder gibt es ein kulturpädagogisches Angebot. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Die Burg Lichtenberg in Thallichtenberg bei Kusel ist eine der längsten Burgruinen Deutschlands. Besucher finden in den alten Gemäuern drei Museen, eine Jugendherberge und ein Restaurant. Abenteuerlustige können auf eigene Faust auf Entdeckungstour gehen, aber auch Kostümführungen werden angeboten. Bild in Detailansicht öffnen
Das Hambacher Schloss bei Neustadt ist ein Wahrzeichen der deutschen Demokratiebewegung und ein attraktives Ausflugsziel. Vom Kindertheater, über klassische Konzerte bis hin zum politischen Kabarett findet hier außerdem ein vielfältiges Kultur- und Bildungsprogramm statt. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen

Diese Möglichkeiten hätten bereits im vergangenen Jahr einen enormen Schub erhalten. Darüber hinaus weiteten einige Städte ihre Angebote auch inhaltlich aus, um neue Zielgruppen anzusprechen, sagt Zindler. So werde die Verbindung zwischen Stadt und der Natur im Umland verstärkt in den Mittelpunkt gestellt. "Viele Städte in Rheinland-Pfalz sind hervorragend an die vielfach ausgezeichneten Premium-Wanderwege wie den Rhein- oder den Moselsteig angebunden, liegen entlang der Strecke von Radrouten und können so eine attraktive Verknüpfung von Städte- und Aktivurlaub anbieten wie kaum ein anderes Bundesland", erklärt er.

Mit der neuen Jahreskampagne "Schatzkammer Rheinland-Pfalz - Wege zu den Ursprüngen" will die Marketingagentur Urlauber für einen Aufenthalt in Rheinland-Pfalz gewinnen, sobald touristisches Reisen in Deutschland wieder möglich wird.

Städte- und Geschäftstourismus ins Schaufenster stellen

"Dazu zählt auch ganz explizit der Städteurlaub, den wir über unsere kulturellen Schaufensterthemen in den Fokus rücken", betont Zindler. Darüber hinaus wollen die Marketing-Experten das Thema Geschäftstourismus stärker ins Blickfeld nehmen. Dieser solle im Sinne eines "Tagungsgenusses" weiterentwickelt werden, kündigte Zindler an. "Gemeint sind genussvolles Tagen in Städten und auf dem Land mit hochwertigen Rahmen- und Anschlussprogrammen."

Wirtschaftsministerium: "Tourismus breiter denken"

Unterstützt wird die Marketing-Gesellschaft dabei vom Wirtschaftsministerium. "Die Tourismusstrategie Rheinland-Pfalz 2025 verfolgt das Ziel, stärker auf Kooperationen im Tourismus wie im touristischen Marketing zu setzen", erklärt Sprecherin Nicola Diehl. Dabei gehe es darum, Tourismus breiter zu denken und örtliche oder regionale Betriebe stärker in touristische Konzepte und Marketing einzubinden.

Wichtig sei zudem die gemeinsame Vermarktung von Städten, benachbarten Ortschaften und Regionen sowie die Verknüpfung von Angeboten in der Stadt und im ländlichen Raum - auch über Landesgrenzen hinweg. Die Förderung von Marketing und Kampagnen spiele gerade in der aktuellen Situation eine wesentliche Rolle, um die Gästebindung und die Sichtbarkeit der Reiseziele in Rheinland-Pfalz aufrechtzuerhalten. Dass die Bemühungen dabei nicht an den Landesgrenzen halt machen dürfen, darin sind sich Wirtschaftsministerium und Rheinland-Pfalz Tourismus einig. "Die Gästeströme orientieren sich nicht an Länder- oder Stadtgrenzen."

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