In einer vierteiligen Serie "Mensch & Natur - Neuanfang an der Ahr" stellt der SWR Projekte vor, die beispielhaft für den Klimaschutz beim Wiederaufbau an der Ahr stehen. (Foto: SWR)

Nach Flutkatastrophe

Winzer im Ahrtal warten auf Entschädigungen und Jungpflanzen

STAND

Die Welle der Solidarität hat die Winzer im Ahrtal durch die schwerste Zeit nach der Flutkatastrophe 2021 getragen. Doch neue Rebstöcke konnten bislang die wenigsten pflanzen.

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Winzer Alexander Stodden ist sauer, vor ihm liegt ein Hektar Land und außer Gras wächst darauf wenig. Sein Weinbaugebiet liegt zu nah an der Ahr, sagt die Aufsichtsbehörde SGD Nord. Dabei will er endlich loslegen, doch bislang ist nicht klar, wieviel Entschädigung er bekommt. Für 50 Cent den Quadratmeter will er sein Eigentum bestimmt nicht an das Land Rheinland-Pfalz abgeben, sagt der Recher Winzer entschieden.

In den Flachlagen ist das Wirtschaften leichter als in den Steilhängen - Winzer Alexander Stodden hat einen Teil seiner Anbauflächen durch das Hochwasser verloren. (Foto: SWR)
In den Flachlagen ist das Wirtschaften leichter als in den Steilhängen - Winzer Alexander Stodden hat einen Teil seiner lukrativen Anbauflächen durch das Hochwasser verloren.

Ausgleichsflächen für verlorene Weinlagen gesucht

Mit der Entschädigungssumme sollen die Winzer sich Ausgleichsgebiete kaufen können und neue Rebflächen erschließen. Aber "gucken Sie sich das Tal an, wo wollen Sie denn hin?", fragt Stodden empört. Im Norden wachse nichts, alles andere brauche man zum Wohnen oder sei schon bepflanzt.

Neuanfang an der Ahr - Neu pflanzen. So verändert sich die Weinbranche nach der Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal. Ein Mann begutachtet neue Weinstöcke. (Foto: SWR)
Junge Weinpflanzen sind begehrt und die Nachfrage ist groß.

Die wenigsten Winzer, die in der Flutnacht im Juli 2021 ihre Rebflächen verloren haben, konnten bislang wieder neu pflanzen. Selbst da, wo Flächen wieder für den Weinbau nutzbar waren, fehlten Jungpflanzen. Denn wie Baumaterialien und viele andere Dinge ist auch Pflanzgut derzeit knapp. Auf wieviel Hektar nach der Flut Wein neu angepflanzt wurde, dazu liegen dem Winzerverband im Kreis Ahrweiler keine Informationen vor. Noch nicht mal zehn Hektar dürften es sein, sagt Geschäftsführer Knut Schubert.

Ende Juni Infotermin zu Entschädigungen für Landwirte in Dernau

40 Hektar Rebfläche wurden nach dem Hochwasser so stark zerstört, dass eine Weinlese auch in diesem Jahr nicht möglich ist. Davon werden zehn Hektar Rebfläche aus Gründen des Hochwasserschutzes für immer wegfallen. Doch bei den Entschädigungen sei "die Tür noch nicht zu", heißt es vom Winzerverband. Man erwarte einen Marktwert, der einer Weinbergsfläche entspricht. Am 29. Juni wird es mit dem Wirtschaftsministerium für Landwirte in Dernau eine Informationsveranstaltung zur Erstattung von Flächen und Schäden geben, kündigte Schubert an.

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Vielerorts steht noch die Flurbereinigung an

Vielerorts steht im Ahrtal noch die Flurbereinigung an: Flächen müssen vermessen, neue Wege festgelegt werden. Doch bis das getan ist und bis dann Jungpflanzen für die Gebiete bestellt werden können, dürfte es noch dauern. Frühestens im Jahr 2024 wird er pflanzen, erwartet Winzer Adolf Schreiner aus Rech. Dann noch mal drei Jahre bis zur ersten Ernte.

Schreiner kann zurzeit etwa ein Viertel seiner Anbaufläche von insgesamt drei Hektar wegen Hochwasserschäden und ausstehender Entscheidungen nicht bewirtschaften. Er hofft, dass er auf seinen alten Gebieten wieder voll anpflanzen kann. Sorge bereitet ihm die neue Vorschrift für den größeren Zeilenabstand von 2,20 Meter. "Was für unsere Region zu viel ist. Da müssen wir mit unseren Gerätschaften jede Zeile zweimal fahren." Auch hierzu will der Winzerverband noch das Gespräch mit der SGD suchen.

Aufhören sei für Schreiner nie eine Option gewesen. Sein Sohn hat am 14. Juli 2021, dem Tag der Sturzflut, seine Abschlussprüfung zum Winzer gemacht. Er wird voraussichtlich in fünfter Generation den Betrieb weiterführen.

"Wir haben ein ganz hohes Potenzial junger Leute."

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Fast alle Weinbau-Betriebe im Ahrtal hatten Verluste

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Einer der Jungen im Ahrtal ist Lukas Sermann aus Altenahr. Er hat Gebäude- und Geräteschäden am Weingut in einer Höhe von 1,4 Millionen Euro, tausende Dinge seien noch zu erledigen, viele Baustellen warteten. Immerhin hat er am Altenahrer Eck, einem sehr alten Weinberg, wo der Boden bis auf den Fels weg war, erste Spätburgunder-Pflänzchen nach der Zerstörung gesetzt. Er hofft, dass sie 50 bis 60 Jahre im Boden bleiben.

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