Hausfronten in Mainz (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Andreas Arnold/dpa | Andreas Arnold)

Ukraine-Krieg treibt Energiepreise in die Höhe

Teures Wohnen - Worauf man sich bei den Nebenkosten einstellen muss

STAND

Der Ukraine-Krieg treibt die Energiepreise in die Höhe. Auch in weiteren Lebensbereichen drohen Preissteigerungen. In der Nebenkostenabrechnung wird dies mit Verzögerung durchschlagen, doch dann wohl umso heftiger.

Verbraucherschützer warnen, der eigentliche drastische Anstieg bei den Nebenkosten werde erst im nächsten Jahr bei den Haushalten ankommen. Denn für die Nebenkostenabrechnung 2022 können sich Vermieter bis Ende 2023 Zeit lassen.

Im vergangenen Jahr seien viele Preiserhöhungen noch vergleichsweise moderat gewesen, so die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die große Preiswende bei Strom und Gas habe es erst zum Jahreswechsel gegeben. Auch Vermieter, die ihren Öltank in diesem Jahr gefüllt hätten, gäben die Mehrkosten erst mit der Abrechnung im kommenden Jahr weiter. Das bestätigte auch die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz auf SWR-Anfrage.

Deren Energieexperte Hans Weinreuter ergänzte, da es keinen festen Turnus für die Erstellung von Heizkostenabrechnungen gebe, werde es jedoch auch in diesem Jahr schon Heizkostenabrechnungen geben, die einen Teil der Preiserhöhungen widerspiegeln. Viele Abrechnungen werden im ersten Quartal für das zurückliegende Kalenderjahr erstellt, viele aber auch erst ab Sommer für die zurückliegende Heizperiode.

Abrechnungszeitraum ist entscheidend

Das gesamte Ausmaß werde aber sicher erst im nächsten Jahr deutlich werden, so Weinreuter gegenüber dem SWR. Es sei ein schleichender Prozess. Ähnlich sei es bei Strom und Gas. Auch hier gebe es keine festen Stichtage für die Abrechnungen.

Mieter begleichen ihre Nebenkosten gewöhnlich mit monatlich fixen Vorauszahlungen. In normalen Jahren entsprechen diese ungefähr den tatsächlichen Kosten. Falls nicht, wird eine Nachzahlung fällig. Aufgrund des starken Anstiegs bei den Energiepreisen ist in diesem Jahr alles anders. Mieter und Vermieter sind gleichermaßen besorgt, was auf sie zukommen könnte. Wie hoch die Rechnung schließlich ausfallen wird, lässt sich kaum vorhersagen.

Höhere Abschläge drohen: Bereits Rücklagen bilden

Derzeit sind die Vermieter noch mit der Abrechnung 2021 beschäftigt, die ab Sommer verschickt werden soll. Auch in dieser sind im Vergleich zum Vorjahr bei allen Energieträgern schon hohe Kostenanstiege zu verzeichnen. Dann werden oft auch die monatlichen Abschlagszahlungen angepasst. Mieterbünde raten, schon jetzt Rücklagen zu bilden, etwas auf die Seite zu legen, um für hohe Nachzahlungen gewappnet zu sein.

Rechtlich nicht zulässig ist, dass Vermieter einseitig die Vorauszahlung der Nebenkosten vor dem Versenden der Jahresabrechnung erhöhen, etwa weil sie nicht in Vorleistung gehen möchten. Man könne das jedoch einvernehmlich vereinbaren, so mehrere Mietervereine in deutschen Großstädten. Das könne für den Mieter auch sinnvoll sein. Man solle das Gespräch mit dem Vermieter suchen.

Abschlagszahlungen nur im Einvernehmen vorzeitig erhöhbar

Wer mit seinem Vermieter oder seiner Vermieterin übereinkommt, die Nebenkosten schon jetzt anzupassen, der könne zumindest das Risiko einer kräftigen Nachzahlung im kommenden Jahr verringern.

Grundsätzlich ist aber eine Erhöhung der monatlichen Abschlagszahlungen nur dann möglich, wenn zuvor eine Nebenkostenabrechnung erstellt worden ist. Die Verpflichtung, alljährlich eine Abrechnung der Betriebskosten zu erstellen, ergibt sich aus § 556 Absatz 3 BGB.

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Erste Versorger, etwa E.ON, kündigten bereits an, die Preise für Strom und Gas in diesem Jahr erhöhen zu wollen.

Auch der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Viele Haushalte werden erst bei der Heizabrechnung im nächsten Jahr bemerken, wie stark der Preis gestiegen ist und die Nachzahlungen nicht stemmen können." Er schlägt vor, dass Verbraucher schon jetzt höhere monatliche Abschläge auf ihren Verbrauch zahlen.

Viele haben bereits begonnen, Energie zu sparen

Beim Verbrauch Sparen ist natürlich auch eine Möglichkeit. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) rief dazu bereits Ende März die Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmer auf. Sollte der Ukraine-Krieg weiter andauern, bereitet sich die Bundesregierung auf eine erhebliche Verschlechterung der Gasversorgung in Deutschland vor.

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Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zeigt, dass viele Verbraucher ihr Verhalten angepasst haben. Demnach hat jeder Zehnte seit Beginn des Ukraine-Kriegs damit begonnen, seinen Energieverbrauch zu reduzieren. Sogar fast jeder Fünfte (19 Prozent) spart seit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine im Februar mehr Energie als vorher. Die Umfrage wurde zwischen dem 1. und 4. April unter mehr als 2.000 Menschen in Deutschland durchgeführt.

Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia rechnet 2023 wegen der stark gestiegenen Energiepreise mit erheblichen Problemen für viele Mieter bei den Nebenkosten. Er mache sich "extreme Sorgen" über die Abrechnungen für 2022, die 2023 fällig werden, sagte Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch.

Unter den Vonovia-Mietern seien Familien, Senioren, Alleinerziehende und Berufsanfänger, "die finanziell oft wenig Spielraum haben". Deshalb sei es Aufgabe als Vermieter, auf das Problem hinzuweisen. Den Mietern habe man dringend empfohlen, die monatlichen Vorauszahlungen anzupassen.

Das Display einer Tankuhr für die Heizöllieferung ist in einem Tankfahrzeug bei der Lieferung an einen Kunden in einem Mehrfamilienhaus zu sehen.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christian Charisius)
Das Display einer Tankuhr für die Heizöllieferung ist in einem Tankfahrzeug bei der Lieferung an einen Kunden in einem Mehrfamilienhaus zu sehen. Die Energiepreise steigen nicht nur für Heizöl. picture alliance/dpa | Christian Charisius

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Mehr als zwei Millionen Bürger in Deutschland bekommen wegen der hohen Energiepreise staatliche Hilfe bei den Heizkosten. Der Bundestag beschloss Mitte März eine Unterstützung für Wohngeldbezieher sowie viele Studenten und Auszubildende. Das Geld soll einmalig im Sommer ausgezahlt werden und möglichst auf dem Konto sein, bevor die Nebenkostenabrechnung beglichen werden muss. Der Bundesrat stimmte dem Zuschuss am vergangenen Freitag zu.

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