STAND

Jeder Rheinland-Pfälzer produziert im Schnitt rund 500 Kilo Müll pro Jahr. Schaut man genauer hin, sind die Zahlen im Land recht unterschiedlich. Doch wieso ist das so?

Wie überall in Deutschland wird auch in Rheinland-Pfalz Müll in vielen farbigen Tonnen und Säcken getrennt, entsorgt und recycelt. Doch dieser Vorgang ist im Land eine komplizierte und sehr unterschiedliche Angelegenheit.

Denn die Abfallentsorgung ist ein kommunales Geschäft. Nicht überall gelten die gleichen Regeln. Während in Stadtteilen von Mainz der Restmüll alle zwei Wochen geholt wird, leert die Region Trier seit Januar die Restmülltonne nur noch einmal im Monat. Extra-Leerungen müssen bezahlt werden. Und auch beim Biomüll herrschen in der Region Trier andere Bedingungen: Statt der Biotonne vor dem Haus stehen für Speisereste und Küchenabfälle Sammelcontainer bereit.

Doch oft sind die aufgestellten Biocontainer für die tatsächlich anfallenden Mengen an Abfällen nicht groß genug. Und so stellt sich die Frage, ob durch das Sammelcontainer-Prinzip nicht genau das Gegenteil erzielt wird?

Städte nachlässiger beim Sortieren

Nicht nur die unterschiedlichen Systeme sorgen für unterschiedliche Mengen an Restmüllabfällen. Laut Abfallexperte Henning Wilts wird in Städten viel schlechter sortiert als in ländlichen Gegenden. "Das liegt an den vielen großen Mehrfamilienhäusern", erklärt der Abteilungsleiter für Kreislaufwirtschaft beim Wuppertal-Institut für Klima, Energie und Umwelt. Oft verfügen solche Häuser über riesige Abfallcontainer. "Da weiß jeder: Da ist Platz, da schmeiß' ich einfach alles rein." In Einfamilienhausgegenden stehe die Mülltonne in der Regel vor dem Haus und Nachbarn hätten oft ein Auge auf die richtige Sortierung, erläutert Wilts im SWR-Interview.

Trennsystem muss logischer werden

Hinzu kommt die Frage: Wie trennt man richtig? Beantworten kann sie nicht mal Abfallexperte Wilts. "Ich beschäftige mich viel mit dem Thema, könnte aber nicht genau sagen, was gehört jetzt in welche Tonne." Es gehöre besser erklärt und einfacher gemacht. Wilts fordert, das System müsse logischer sein, ansonsten würden sich die Menschen weiterhin nicht daran halten.

Dauer

Ein klassisches Beispiel: "Sie kaufen eine Pflanze mit einem schwarzen Blumentopf. Der Blumentopf zählt als Verpackung und gehört somit in den gelben Sack. Sie kaufen das gleiche schwarze Töpfchen im Baumarkt, allerdings ohne Pflanze. Dann ist es ein Produkt und gehört in die schwarze Tonne. Das kann kein Mensch verstehen", erklärt Wilts.

Warum ist das so? Die schwarze Tonne zahlen private Haushalte über die Restmüllgebühr. Die gelbe/n Tonne/Säcke zahlen Unternehmen, die Verpackungen auf den Markt bringen, erklärt der Abfallexperte. Natürlich wolle jede Seite so wenig wie möglich zahlen, deswegen achte man viel zu sehr darauf, "wessen Marktanteil ist das, in welche Tonne geht das?" Zu wenig überlege man, was würde Sinn machen, sagt Wilts.

Private Haushalte müssen belohnt werden

Im Schnitt werde der Müll zu rund 50 Prozent falsch sortiert - seiner Meinung nach, viel zu viel. Das liege daran, dass Menschen sich nicht wirklich damit beschäftigen. Es fehle die "Belohnung", warum solle man sich die Mühe machen und richtig trennen?

Genau diesen Anreiz bietet die Südwestpfalz. Laut Torsten Höh, Pressesprecher des Landkreises, versucht der Kreis eine ordentliche Mülltrennung zu honorieren: Vier Leerungen der Restmülltonne im Jahr sind im Grundpreis der Müllgebühren enthalten. Wer mehr braucht, zahlt drauf. Auch Zweibrücken setzt seit 2018 auf diesen finanziellen Anreiz, mit positivem Ergebnis: Laut dem Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken haben sich die abgefahrenen Haushaltsabfälle um fast die Hälfte reduziert. Gleichzeitig seien die eingesammelten Bioabfälle um etwa 42 Prozent gestiegen.

In Europa gibt es laut Wilts einige Länder, die nach einem anderen System handeln. Dort wird darauf geschaut, was man gut recyclen kann und was nicht. "Und da müssen wir hinkommen."

STAND
AUTOR/IN