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Seit dem vergangenen Sommer können Jugendliche schon mit 15 Jahren den Moped-Führerschein machen - offenbar ein Verkaufsschlager. Doch wie sicher ist das Ganze?

Franziska Litz klingt richtig happy. "Ich kann mal eben zu den Großeltern oder zu Freunden fahren, oder nächstes Jahr auch zur Oberstufe", sprudelt es aus der 15-Jährigen heraus. Litz hat im Oktober den Moped-Führerschein gemacht und kann jetzt mit maximal 45 km/h ihre Ausflüge unternehmen. Bis zum vergangenen Jahr mussten Jugendliche dafür noch 16 Jahre alt sein. Doch seit dem Sommer ist in Rheinland-Pfalz eine Verordnung in Kraft, die den sogenannten AM-Führerschein fürs Mopedfahren bereits mit 15 Jahren ermöglicht.

Wissing: "Fast 1.000 Anmeldungen seit Sommer"

Der Gesetzgeber kam Litz gerade recht. Sie lebt in einem 300-Seelen-Dorf in der Verbandsgemeinde Loreley: "Kein Zug, und Busverbindungen gibt es auch nicht viele." Eigentlich wollte die junge Frau zuerst den einfacheren Mofa-Führerschein machen, mit dem man bis zu 25 km/h fahren darf. "Dann wurde darüber geredet, dass da eine Änderung kommt. Und da habe ich noch ein bisschen gewartet."

Bund überlässt Ländern die Entscheidung über den "AM 15"

Den Verkehrsminister in Mainz freut es. Fast 1.000 Fahrschüler hätten sich seit dem vergangenen Sommer für den Moped-Führerschein mit 15 angemeldet, sagt Volker Wissing (FDP). "Gerade für die Jugendlichen auf dem Land bedeutet das ein Stück weit mehr Unabhängigkeit." Die Länder können selbst entscheiden, ob sie den "AM 15" anbieten möchten oder nicht. Der Bund hatte Ende 2019 die Möglikchkeit zur Einführung geschaffen.

Fahrlehrer: "Moped-Führerschein war eigentlich schon tot"

"Die Leute haben darauf gewartet", sagt Rüdiger Klos von der Fahrschule Klos im Rhein-Lahn-Kreis. Seine Schule habe gleich in den ersten Monaten der Verordnung zwölf 15-Jährige für den Moped-Führerschein ausgebildet. Der AM-Führerschein sei "eigentlich tot" gewesen. Statt diesen Führerschein wie früher mit 16 Jahren zu machen, hätten viele noch ein Jahr gewartet und dann mit 17 Jahren gleich den Autoführerschein gemacht. "Denn da ist der AM-Führerschein sowieso mit drin", erklärt Klos. Wer nun mit 15 den Führerschein fürs Moped mache und später mit 17 den fürs Auto, der habe dann tatsächlich auch schon Fahrpraxis auf dem Roller.

"Mit 45 km/h sicherer durch den Verkehr als mit 25 km/h"

Dass Mopedfahren für 15-Jährige zu waghalsig sein könnte, glauben Klos und seine Kollegen nicht. "Wenn sie mit 15 Jahren mit 45 km/h im Verkehr mitschwimmen können, ist das oft sicherer, als wenn sie mit 25 km/h auf dem Mofa unterwegs sind. Und von Autos überholt oder als zu langsam gesehen werden", sagt Fahrschulleiter Michael Kampmann aus Neustadt/Weinstraße. "Von der Befähigung her ist das überhaupt kein Thema", meint Jo Einig vom Fahrlehrerverband Rheinland.

Deutsche Verkehrswacht vor zwei Jahren noch mit Bedenken

Die Deutsche Verkehrswacht hatte vor zwei Jahren noch Bedenken angemeldet. Zwar könne ein Moped-Führerschein mit 15 Jahren die individuelle Mobilität von Jugendlichen bereichern. Jugendliche seien durch fehlende Erfahrung und einer höheren Risikofreude jedoch auch besonders gefährdet. "Keine einfache Frage", sagt heute Andreas Opfermann, Geschäftsführer der rheinland-pfälzischen Verkehrswacht. Er erwarte nicht, "dass die Unfallzahlen explodieren." Opfermann teilt vielmehr die Ansicht, dass man mit dem Tempo eines Mopeds sicherer im Verkehr unterwegs sein könne als mit dem langsameren Mofa. Zudem verweist er auf die Erkenntnisse aus Pilot-Projekten in den ostdeutschen Bundesländern.

Positive Erkenntnisse aus den ostdeutschen Bundesländern

Auf deren Erkenntnisse beruft sich auch das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium. Demnach "verlief das Modellprojekt zum AM 15 positiv", heißt es auf SWR-Nachfrage. Eine "echte" Fahrerlaubnis wie der AM-Schein trage mit seiner fundierteren Ausbildung auch der Verkehrssicherheit Rechnung, gerade im Vergleich zum gängigen Mofa-Führerschein. Nicht zuletzt nimmt das Ministerium die Eltern in die Verantwortung. "Ihnen sollte man durchaus zutrauen zu entscheiden, ob der junge Fahrer, die junge Fahrerin, gefestigt genug ist, um ein Fahrzeug der Klasse AM zu führen."

Innenministerium sieht keine auffälligen Unfallzahlen

Das rheinland-pfälzische Innenministerium sieht in der Unfallstatistik keine Auffälligkeiten mit Blick auf junge Moped- bzw. Mofafahrer (siehe Info-Kasten). Im Jahr 2019 habe es im Land keinen tödlichen Unfall mit Mofas oder Kleinkrafträdern unter Beteiligung von Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren gegeben. Bei rund 65 Prozent der Unfälle seien Menschen verletzt worden. Das sei vergleichbar mit dem Anteil bei den Unfällen mit den leistungsstärkeren Motorrädern. Bei den meisten Unfällen der leichteren Maschinen seien die Verletzungen nur leicht - und nicht schwer ausgefallen. Klar sei, dass bei Zweirädern generell das Verletzungsrisiko vielfach höher sei als bei anderen Fahrzeugen.

"Man spürt die Verantwortung"

Franziska Litz will erst gar nicht in so einer Statistik auftauchen. In der Fahrschule habe alles geklappt, sie sei gut mitgekommen. "Man spürt die Verantwortung", sagt sie. "Man fährt halt nicht mehr nur mit Mama oder Papa mit, sondern ist selbst aktiver Verkehrsteilnehmer." Man müsse wirklich gut aufpassen, auch wenn man andere mitnimmt: "Denn man will einfach nicht, dass etwas schief geht."

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