Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald in Rheinland-Pfalz. (Foto: IMAGO, Beautiful Sports Raphael Schmitt)

Moore machen's möglich

So helfen Moore in Rheinland-Pfalz beim Klimaschutz

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Johanna Stein

In Rheinland-Pfalz gibt es rund 7.000 Hektar Moor. Die einzelnen Moore spielen für den Klimaschutz eine essenzielle Rolle: Ausgetrocknete Moore verschlechtern das Klima. Ihre Renaturierung hingegen ermöglicht Artenvielfalt, CO₂-Verarbeitung und das Speichern von Wasser.

Im Westerwald, in der Eifel, im Hunsrück sowie im Pfälzerwald einschließlich der Kaiserslauterer Senke kommen sie vor: seltene Hoch- und Zwischenmoore. Insgesamt existieren in Rheinland-Pfalz rund 7.000 Hektar (ha) Moor, das entspricht knapp 10.000 Fußballfeldern. Davon sind rund 5.000 ha in einem Zustand, der eine Renaturierung zulassen könnte. Doch warum ist die Renaturierung von Mooren so wichtig für den Klimaschutz?

Moore können der Umwelt schaden, oder helfen

Seit dem 19. Jahrhundert wurden Moore oft als Feinde der Menschen angesehen. Viele wurden trockengelegt oder landwirtschaftlich umgenutzt. Was man früher jedoch nicht wusste: so kam es auch zu einer Freisetzung der klimaschädlichen Gase Kohlendioxid und Lachgas. Im Jahr 2019 machten trockengelegte Moore mit einem Ausstoß von rund 53 Millionen Tonnen Treibhausgasen zuletzt fast sieben Prozent aller Emissionen in Deutschland aus.

Das Moor im Originalzustand ist ein sehr besonderes Ökosystem. Es leistet gleich dreifach einen Beitrag für den Klimaschutz: Zum einen bietet das Moor durch den Torf einen effektiven CO₂-Speicher, der sogar noch deutlich effektiver als unsere Wälder ist. "Ein Kubikmeter Torf speichert etwa anderthalb Tonnen CO₂", erklärt Jan Hoffmann, Förster und Projektleiter eines Renaturierungsprogramms im Nationalpark Hunsrück-Hochwald.

Moore bestehen außerdem zu 95 Prozent aus Wasser. Als Wasserspeicher sind sie somit wichtig für den Wasserrückhalt bei Starkregen. Auch für den Artenschutz sind sie von zentraler Bedeutung: Moore bieten einen besonderen Lebensraum für eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Diese Arten sind so besonders, weil sie an die sauren und nährstoffreichen Bedingungen und an das kühle und äußerst nasse Klima angepasst sind.

Bei der Renaturierung von Mooren geht es nicht darum, die Flächen unter Wasser zu setzen. Ziel ist es, einen Wasserspiegel von fünf bis 15 cm unter der Oberfläche zu erreichen, auch in den Sommermonaten. Moore sind insgesamt die effektivsten CO₂- und Wasser-Speicher, die die Natur zu bieten hat. Bis sie sich komplett erholt haben, wird es jedoch noch Jahrtausende dauern.

Das plant die Regierung für den Moorschutz

Nach einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz aus dem Jahr 2013 stellt eine Renaturierung der Moore einen sehr kostengünstigen Beitrag zum Klimaschutz dar. Die ökonomischen Berechnungen aller zur Verfügung stehenden Kostenbereiche ergaben je nach Gebiet Vermeidungskosten von 27 bis 107 Euro pro Tonne Kohlendioxid (CO₂).

Die neue Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) hat ein Aktionsprogramm angekündigt, um unter anderem Moore zu schützen und wieder zu vernässen. "Ich würde mir wünschen, dass wir bei der Wiedervernässung und Renaturierung von Moorlandschaften schneller vorankommen", sagt Lemke. Sie sei von der letzten Bundesregierung enttäuscht. Im Oktober haben Bund und Länder eine Vereinbarung zum Moorschutz getroffen. Ihr Ziel ist es, die jährlichen Emissionen, die von entwässerten Mooren ausgehen, bis 2030 um fünf Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid zu reduzieren. Die Bundesregierung fördert konkrete Projekte bis 2025 mit rund 330 Millionen Euro.

In Rheinland-Pfalz gab es im vergangenen Jahr mehrere Projekte für den Moorschutz, beispielsweise im Nationalpark Hunsrück-Hochwald und in den Eifelmaaren. Dafür zuständig war die Stiftung Natur und Umwelt mit ihren Projektpartnern Bergwaldprojekt e. V., Landesforsten RLP, Landesamt für Geologie und Bergbau und Nationalparkamt Hunsrück-Hochwald im Rahmen der EU Life-Projekte Moore und Hochwald. Die Aktion Grün des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz sieht vor, dass bald weitere ausgewählte Moorflächen folgen. Dafür müssen jedoch erst einmal geeignete Standorte und Konzepte ermittelt werden.

Auch auf Bundesebene will das Bundesumweltministerium die genaue Projektausgestaltung erst noch in Pilotvorhaben überprüfen. Derzeit entwickelt das Ministerium in Bonn ein Sofortprogramm "Natürlicher Klimaschutz", dessen Eckpunkte bis Ostern stehen sollen. Die Grünen wollen grundsätzlich Umweltleistungen, die dem Gemeinwohl dienen, auch als solche honorieren. Wenn man also durch Moorschutz das Klima schützt, könnte man dafür auch bezahlt werden.

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