Die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz hat Straßen, wie hier eine Bundesstraße im Ahrtal bei Altenahr, hinter einem Tunnel weggerissen  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)

Höhere Temperaturen lassen Pegel steigen

Rheinland-Pfalz muss mit mehr Hochwasserkatastrophen durch Klimawandel rechnen

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Der Klimawandel erhöht laut einer Studie die Wahrscheinlichkeit extremer Regenfälle auch in Deutschland und damit von Hochwasserkatastrophen wie im Juli im rheinland-pfälzischen Ahrtal.

Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Team von Wissenschaftlern. Unter den derzeitigen Klimabedingungen ist demnach zu erwarten, dass eine bestimmte Region in Westeuropa etwa einmal in 400 Jahren von einem solch verheerenden Ereignis heimgesucht wird.

Weitere Klimaerwärmung führt zu mehr Starkregen

Mit weiter steigenden Durchschnittstemperaturen werde derart extremer Starkregen häufiger, erklären die Experten. Werde es nochmals 0,8 Grad wärmer, erhöhe sich die Häufigkeit auf alle 300 Jahre, auch die Intensität des Starkregens steige weiter, hieß es. Ohne den menschengemachten Klimawandel wären solche Katastrophen nur etwa alle 2.000 Jahre aufgetreten, so die Fachleute.

Die Wissenschaftler - unter anderem vom Deutschen Wetterdienst - betrachteten als Region Frankreich, Westdeutschland, den östlichen Teil von Belgien, die Niederlande, Luxemburg und den Norden der Schweiz und fragten, wie wahrscheinlich extremer Starkregen hier ist und inwiefern dies durch weltweit steigende Temperaturen beeinflusst wird.

Wahrscheinlichkeit von Flutkastrophen neun Mal höher

Die Eintrittswahrscheinlichkeit solcher Katastrophen hat sich demnach im Vergleich zum Ende des 19. Jahrhunderts um einen Faktor zwischen 1,2 und 9 erhöht, die maximale Regenmenge ist zwischen drei und 19 Prozent größer. Die Arbeit entstand im Rahmen der World Weather Atrribution Initiative, die mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf extreme Wetterereignisse untersucht.

Rekorde an Hochwasserpegeln in Europa

Vom 12. bis zum 15. Juli hatte das Tief "Bernd" in verschiedenen Teilen Westeuropas extreme Regenfälle mit sich gebracht. In der Gegend rund um die Ahr in Rheinland-Pfalz und die Erft in Nordrhein-Westfalen fiel an einem einzigen Tag mehr als 90 Millimeter Regen pro Quadratmeter. An der Maas in Belgien waren es binnen zwei Tagen 106 Millimeter. Das seien Rekordwerte für diese Regionen, die noch nie zuvor gemessen wurden, hieß es.

Allein in Rheinland-Pfalz starben mindestens 133 Menschen, noch immer gibt es Vermisste. Tausende Menschen sind obdachlos, hunderte Gebäude wurden weggerissen.

Vorsorge von Behörden gefordert

Studien-Co-Autor Frank Kreienkamp, der das Regionale Klimabüro Potsdam vom Deutschen Wetterdienst leitet, sieht nun die lokalen und nationalen Behörden in Westeuropa in der Pflicht. Sie müssten sich der wachsenden Risiken durch Starkregen bewusst sein und entsprechend vorsorgen.

Hochwassergemeinschaft will Frühwarnsysteme überprüfen

Die Hochwassergemeinschaft Rhein forderte unterdessen bereits die Überprüfung der Frühwarnsysteme und Schutznmaßnahmen vor Hochwasser. Auch die Nebenflüsse müssten beachtet werden. Außerdem müsse die Bevölkerung mehr für das Thema sensibilisiert werden, schreibt die Gemeinschaft in einer Mitteilung. Zudem sei die Einführung einer Pflichtversicherung bei Elementarschäden wichtig.

Klimawandel Starkregen bis zu neun Mal wahrscheinlicher

Der Klimawandel hat bereits die Wahrscheinlichkeit für extreme Regenfälle wie zuletzt an Ahr und Erft erhöht. Eine internationale Forschergruppe hat das für Grenzgebiete berechnet.

Ahrweiler, Antweiler, Altenahr, Schuld, Insul, Bad Neuenahr-Ahrweiler

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