Ein Apotheker stellt am Computer einen digitalen Impfnachweis aus. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sven Hoppe)

Belastende Situation für Apotheker

Zahl der gefälschten Impfpässe in Rheinland-Pfalz steigt stetig

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Mal ist es ein falscher Aufkleber, ein falscher Stempel oder ein falscher Arzt-Name. Immer häufiger werden in Rheinland-Pfalz gefälschte Impfpässe entdeckt - oft in Apotheken.

"In den letzten drei bis vier Wochen hat das extrem zugenommen", berichtet zum Beispiel Apotheker Volker Fehst aus Ludwigshafen. Er stellt in seiner Apotheke digitale Impfzertifikate auf Grundlage der gelben Impfpässe her. QR-Codes, die dann unter anderem in der Corona-Warnapp gespeichert und als Impfnachweis dienen können.

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"Es waren auch Tage dabei, da konnten wir kein einziges Zertifikat ausstellen, weil alle vorgelegten Impfpässe gefälscht waren oder wir zumindest einen Fälschungsverdacht hatten", so Fehst.

Apotheken in ganz RLP entdecken gefälschte Impfpässe

Apotheker aus anderen Regionen in Rheinland-Pfalz machen ähnliche Erfahrungen. Anne Gatzen aus Landau berichtet, dass auch nach ihrem Eindruck in ihrer Apotheke mehr Fälschungen auftauchen. Sie schaue bei jedem Impfpass ganz genau hin. So geht auch Apotheker Sebastian Schmidt aus Koblenz vor. Allerdings sei es gar nicht so einfach, Fälschungen zu erkennen. Sobald sich ein Verdacht ergebe, werde das Impfzertifikat nicht ausgestellt und die Polizei eingeschaltet.

Das, so der Landesapothekerverband, sei schon mehrfach vorgekommen. Um den Apothekern die Arbeit zu erleichtern, können sie seit einigen Tagen ein Formular nutzen. Darin werden die Kunden gebeten, dass ihre Angaben überprüft werden dürfen und gegebenenfalls die Polizei informiert werden könnte. Gleichzeitig lassen sich die Apotheker damit von ihrer Schweigepflicht entbinden. Die Hoffnung des Apothekerverbandes: Potenzielle Betrüger abschrecken.

LKA Rheinland-Pfalz: Fälschungen nehmen stetig zu

Apotheken seien in Rheinland-Pfalz der Ort, an dem derzeit die meisten gefälschten Impfpässe auffielen, heißt es vom Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz. Viele Fälle würden vor allem im städtischen Bereich auftreten, da es dort auch mehr Apotheken gebe als auf dem Land. Aber auch bei zufälligen Personenkontrollen oder Durchsuchungen seien bereits Fälschungen entdeckt worden.

Seit Ende September steigt die Zahl der Fälle von gefälschten Impfpässen deutlich an, erklärt Pressesprecher Pascal Widder auf SWR-Anfrage. Anfangs habe es sich nur um Einzelfälle gehandelt, doch seit Ende September gebe es eine merkliche Zunahme auf mittlerweile insgesamt 483 Fälle, teilte das LKA mit. Dabei werden aktuell die meisten Fälle aus dem Polizeipräsidium Koblenz gemeldet, die wenigsten aus Trier. Das LKA rechnet aber damit, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt.

Das LKA rät, keine Bilder seines Impfausweises mit Chargennummer der Impfstoffe in den Sozialen Medien zu veröffentlichen. Betrüger würden diese Daten für ihre Fälschungen nutzen.

Fälschungen "nicht im großen Stil"

Vertrieben würden die Fälschungen größtenteils über die sozialen Medien, Messengerdienste wie Telegram oder im Darknet.

In Rheinland-Pfalz seien das aber eher Einzelfälle und Einzeltäter, vermutet das LKA. Eine organisierte Struktur mit größeren Fälscherwerkstätten oder größer angelegtem Handel von gefälschten Impfpässen - so wie in anderen Bundesländern - sei bisher für Rheinland-Pfalz nicht feststellbar.

Darum werden Impfpässe gefälscht

Die Erklärung für die gestiegene Anzahl an Betrügereien dürften insbesondere die Einschränkungen für nicht-geimpfte Personen sowie der zeitweise Wegfall der kostenlosen Bürgertests für große Teile der Bevölkerung sein, heißt es Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz. Letztendlich geht es darum, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu wollen, etwa in Bars, Restaurants oder Kinos zu gehen.

Staatsanwaltschaften ermitteln gegen Betrüger

Auch die Staatsanwaltschaften im Land beschäftigen sich inzwischen zunehmend mit falschen Impf-Dokumenten. In Koblenz, Bad Kreuznach oder Mainz etwa laufen diverse Ermittlungsverfahren.

Dabei geht es um Einzelpersonen, die gefälschte Impfpässe benutzt haben. Die Staatsanwaltschaften ermitteln aber auch in mehreren Fällen wegen des Verdachts des regelrechten Handels mit gefälschten Impfdokumenten.

Apotheker: Situation ist "belastend"

Viele Apotheker im Land sind verunsichert, einige wollten auch auf SWR-Anfrage nicht darüber sprechen. Apotheker Fehst aus Ludwigshafen empfindet die Situation als belastend. "In der Regel ist jahreszeitbedingt sowieso viel los in der Apotheke und dann noch diese Aufgabe zusätzlich, auf die wir ja gar nicht vorbereitet waren, das ist schon anstrengend."

Apotheker Schmidt ist sich im Klaren darüber, dass er nicht hundertprozentig sagen könne, ob nicht auch bei ihm schon ein falscher Impfausweis ausgestellt wurde. "Das hat alles seine Grenzen. Wir sind nicht die Polizei und können alles herausfischen. Wir tun unser Bestes und das, was möglich ist."

Betrügerein stoppen - aber wie?

Die Verantwortung, die auf den Apothekern lastet, ist groß. Denn an ihrer Theke entscheidet sich letztlich häufig, ob ein Betrüger mit seiner Masche durchkommt. Fehst sagt: "Im Prinzip wäre mein Vorschlag, die Digitalisierung im Moment zu unterbrechen, bis eine andere Lösung gefunden ist. Weil wir sind die letzte Stelle, die entscheiden muss, ob jemand aus einem gefälschten Impfpass ein echtes Impfzertifikat bekommt."

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