Vor einem Laden weist ein Schild mit der Aufschrift "Maskenpflicht!!! Ohne Nicht" auf das Tragen einer Nasen-Mund-Bedeckung hin.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Britta Pedersen)

Verkäufer aggressiv angegangen

Maskenverweigerer drohen mit Nachahmung der Tankstellen-Tat

STAND

Die Tat in Idar-Oberstein könne sich wiederholen - das drohen Maskenverweigerer immer wieder Verkäufern in Rheinland-Pfalz, wenn sie auf die Maskenpflicht hingewiesen werden.

Mehrere Fälle hat die Polizei im Land in den vergangenen Tagen aufgenommen. Allein im Bereich des Polizeipräsidiums Trier habe es mehrere Bedrohungen gegeben, die im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Mord in der Tankstelle in Idar-Oberstein stehen. Demnach seien Verkäuferinnen und Verkäufer bedroht worden, nachdem sie Kundinnen und Kunden auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes hingewiesen hatten.

Bäckerei-Verkäuferin bedroht

In einer Bäckerei in der Großraumregion Trier habe ein Mann der Verkäuferin gesagt, dass er auch eine Waffe herausholen könne. Dann habe er in seiner Jackentasche gekramt und doch eine Schutzmaske herausgeholt und aufgesetzt.

Verständigte Polizisten konnten eine sogenannte "Gefährderansprache" machen. Er musste sich vor den Beamten bei der Frau entschuldigen. Ihm sei die "verheerende Wirkung seiner Aussage nicht bewusst gewesen", teilte die Polizei mit.

Supermarkt-Mitarbeiter wegen Maskenpflicht bedroht

Einen ähnlichen Vorfall gab es in einem Supermarkt in Schweich. Auch hier konnte die Polizei den Tatverdächtigen ausfindig und eine "Gefährderansprache" machen.

Der Trierer Polizeipräsident Friedel Durben kündigte an, dass jede Bedrohung überprüft werde. "Diese Bedrohungen erscheinen gerade nach dieser verstörenden Tat von Idar-Oberstein in einem besonders perfiden Licht und werden von uns sehr ernst genommen. Wir setzen alles daran, die Ernsthaftigkeit der Bedrohung zu prüfen und den Tatverdächtigen schnellstmöglich habhaft zu werden."

Polizei: Bislang keine radikalisierten Coronaleugner

Er verwies darauf, dass diese Bedrohungen Straftatbestände erfüllten und in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft verfolgt würden. Bislang gibt es seinen Angaben zufolge aber keine Anzeichen, dass es sich um radikalisierte Coronaleugner oder sogenannte Querdenker gehandelt hat. Allerdings seien die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Verkäuferin in Landau von 82-Jährigem bedroht

Nicht nur in Trier meldet die Polizei Bedrohungsfälle: Die Polizei Landau durchsuchte am Freitag die Wohnung eines 82-jährigen Mannes, der zuvor eine Verkäuferin in einem Bekleidungsgeschäft in der Innenstadt bedroht hatte.

Sie hatte ihn auf die Abstands- und Maskenpflicht hingewiesen. Woraufhin er andeutete, es könne etwas Ähnliches geschehen, wie bei den tödlichen Schüssen an einer Tankstelle in Idar-Oberstein, so ein Polizeisprecher. Danach habe der 82-Jährige den Laden verlassen.

Allerdings hatte die Verkäuferin offenbar seine Adresse und so wurde der Mann von der Polizei zu Hause aufgesucht und kontrolliert. Abschließend konnten jedoch keine eindeutigen Hinweise darauf gefunden werden, dass er seine Drohung wahr machen wollte.

Ein Paar steht vor einem mit Blumen und Kerzen geschmückten Tosch an der Tankstelle in Idar-Oberstein (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)
In Idar-Oberstein wurde ein 20-jähriger Tankwart erschossen, nachdem er auf die Maskenpflicht hingewiesen hatte. picture alliance/dpa | Thomas Frey

Frau bedroht Mitreisenden im Zug

In Bad Kreuznach ist es am Donnerstag zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Im Zug hatte eine unbekannte Frau den Mitreisenden mit dem Tod gedroht, als diese sie auf ihre fehlende Schutzmaske aufmerksam machten.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) äußerte sich in einer Landtagsdebatte zur Bluttat in Idar-Oberstein und sagte, die Zahl der Straftaten im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Corona-Pandemie sei gestiegen. Im Jahr 2021 seien bereits fünf Gewalttaten registriert worden.

Wie mit Aufrufen zur Nachahmung umgehen?

Die Kriminologin Britta Bannenberg von der Universität Gießen beobachtet, dass es gerade im Internet seit der Tat am vergangenen Samstag vermehrt zu Aufrufen komme, diese nachzuahmen. Im Umgang mit diesen Aufrufen seien Sachlichkeit und eine konsequente Strafverfolgung wichtig, so Bannenberg. "Da reicht oft schon die Einleitung eines Strafverfahrens, mit der die Schreihälse nicht gerechnet haben, auch wenn dieses gegen eine Geldbuße wieder eingestellt wird."

Schutzmaßnahmen für Beschäftigte müssen besprochen sein

Bei Beschäftigten, die allein hinter der Kasse stehen, seien die Zweifel an ihrem Job sicherlich gestiegen, meint die Kriminologin. Das Personal in kleineren Einrichtungen wie etwa Fitnessstudios stehe auch ganz schön unter dem Druck der Ordnungsämter, auf die Einhaltung der Corona-Regeln zu achten. Daher sieht Bannenberg auch Geschäftsinhaber, Unternehmer und Behördenleitungen in der Pflicht über Schutzmaßnahmen und Konzepte mit ihren Beschäftigten zu sprechen oder diese zu schulen.

Nicht unnötig in Gefahr bringen

Gerade wo Menschen auf sich alleine gestellt sind und Solidarität gar nicht möglich ist, solle man sich nicht unnötig in Gefahr bringen, so Bannenberg. Auch ein Busfahrer solle lieber still die Polizei verständigen, "und zwar nicht nur, weil der Mann die Maske nicht trägt, sondern weil er aggressiv aufgetreten ist, auch schon durch Körpersprache."

Insgesamt, meint die Kriminologin, müsse die Gesellschaft an sich sensibler für diese Dinge werden. Mit Plakat-Aktionen erreiche man zwar kaum die Extremen, jedoch bedeuteten diese für die Mehrheit eine Vergewisserung der Regeln.

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