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Maren Kroymann wurde am Samstag für ihre Verdienste um die deutsche Sprache und das künstlerische Wort mit der Carl-Zuckmayer-Medaille geehrt. Während sich andere mit 70 zur Ruhe setzen, ist die Schauspielerin in diesem Alter in ihrer Karriere erst so richtig angekommen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Bei der Feierstunde im Mainzer Staatstheater würdigte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) die Künstlerin und ihr Werk: "Maren Kroymann steht seit fast 40 Jahren auf der Bühne und jongliert in einer scheinbar großen Leichtigkeit mit der deutschen Sprache so, dass wir manchmal erst lachen und dann verstehen, dass es vielleicht auch zum Weinen wäre." In ihren Texten habe sie eine ganz eigene Sprache für sich gefunden. Elegant und sprachbewusst, ganz leise, aber gestochen präzise seien ihre Pointen.

Kroymann: Blick auf Geschlechterrollen müsse sich ändern

Bekannt ist die Unterhaltungskünstlerin für ihren scharfen Blick auf gesellschaftliche Schieflagen, Rollenklischees und Populismus. "Angeblich sind Frauen ja gleichberechtigt", sagt Kroymann im SWR-Interview. "Ich habe im Fernsehen die Möglichkeit, für alle Frauen etwas zu tun - für die mit Hauptschulabschluss und die mit Hochschulabschluss", ergänzt die 70-jährige Schauspielerin und Kabarettistin. Sie mache aufmerksam auf die Ungereimtheiten in der Gesellschaft.

Malu Dreyer (li.) und Maren Kroymann (Foto: SWR)
Malu Dreyer (li.) und Maren Kroymann an der Preisverleihung im Mainzer Staatstheater

Vor allem der Blick auf die Geschlechterrollen müsse sich ändern. "Männer, die den Haushalt machen, dürfen nicht länger belächelt werden", fordert sie. Und genau das fasziniert auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD): "Ganz besonders beeindruckt mich ihre Thematisierung von Geschlechterrollen und Homosexualität aus einer selbstironischen und feministischen Perspektive", so Dreyer. Ihre Sprache sei scharf wie ein Skalpell und es gelinge ihr, die sprachlichen Strategien derer zu durchschauen, die Diskurse von Ungleichheit und Spaltung verfestigen.

"Ich möchte den Weg gehen, nicht zu belehren, sondern zu unterhalten. Die Leute durch einen unerwarteten Gedanken, einen Witz, zum Nachdenken zu bringen."

Maren Kroymann

Für Kroymann verbindet die Carl-Zuckmayer-Medaille Volkstümlichkeit, eine politische Haltung und Witz. Diese drei Sachen zusammenzubringen sei, was ihr am Herzen liege, erklärt sie im SWR-Interview. "Ich möchte den Weg gehen, nicht zu belehren, sondern zu unterhalten. Die Leute durch einen unerwarteten Gedanken, einen Witz, zum Nachdenken zu bringen", ergänzt die 70-Jährige. Das sei für die Schauspielerin die höchste Kunst.

Vom Grimme-Preis bis zur Carl-Zuckmayer-Medaille

Kroymann hat 1993 als erste Frau im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ihre eigene Satire-Sendung "Nachtschwester Kroymann" bekommen. Sie gilt als Pionierin des Menstruationswitzes. Große Bekanntheit bekam sie in der Rolle der Pfarrersfrau in der Serie "Oh Gott, Herr Pfarrer". Seit 2017 ist sie für ihre Satiresendung "Kroymann" vor der Kamera, für die sie gleich zwei Mal den Grimme-Preis erhielt.

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Rund 750 Gäste aus Politik, Medien, Wirtschaft und Kultur sowie 120 Schülerinnen und Schüler aus Mainzer Schulen waren zur diesjährigen Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille ins Mainzer Staatstheater gekommen. Für die Preisträgerin gibt es traditionell eine Medaille aus Bronze, die von dem Künstler Otto Kallenbach gestaltet wurde. Zur Auszeichnung gehört außerdem ein Fass des von Zuckmayer geschätzten Nackenheimer Riesling-Weines. Die Verleihung findet jährlich am Todestag des großen rheinhessischen Dramatikers statt.

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