Ein Mann lässt sich bei der Verbraucherzentrale Mainz wegen zu hoher Strom- und Gaspreise beraten (Foto: SWR)

Tipps von Verbraucherzentrale in Mainz

Was kann ich tun bei hohen Strom- und Gaspreisen?

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Bei vielen Menschen flattern gerade Briefe von Strom- oder Gasanbietern ins Haus - mit saftigen Preiserhöhungen. Beratung gibt es bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Dass sein Gasanbieter die Preise erhöhen würde, damit hatte Ulrich Mittag aus Mainz schon gerechnet. Aber dass er künftig fast doppelt so viel bezahlen muss, das konnte er zunächst nicht fassen. "Der Gasversorger hat mir mitgeteilt, dass der Preis um über 80 Prozent angehoben wird. Das erschien mir so abenteuerlich, dass ich dachte: Das kann doch gar nicht sein", sagt Ulrich Mittag. Deshalb vereinbarte er einen Termin bei der Verbraucherzentrale in Mainz.

Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung

Ulrich Mittag wollte vor allem wissen: Ist diese Anhebung tatsächlich marktgerecht, also deckt sich das mit den Preisen anderer Anbieter? Als erstes checkt Sonja Guettat von der Verbraucherzentrale in solchen Fällen immer, ob die Preiserhöhung überhaupt erlaubt ist. "Meistens ist das jedoch so und der Anbieter darf, rein rechtlich, tatsächlich die Preise anheben", sagt die Expertin von der Verbraucherzentrale in Mainz. Im Gegenzug haben die Kunden dann aber auch ein Sonderkündigungsrecht und dürfen den Anbieter direkt wechseln. Die große Herausforderung sei derzeit jedoch, überhaupt einen günstigeren Anbieter zu finden, sagt Sonja Guettat.

Ein Mann lässt sich bei der Verbraucherzentrale Mainz wegen zu hoher Strom- und Gaspreise beraten (Foto: SWR)
Ulrich Mittag muss künftig fast doppelt so viel bei seinem Gasanbieter bezahlen wie bisher.

Anbietersuche ist schwierig

Zusammen mit Ulrich Mittag durchforstet Sonja Guettat die Vergleichsportale im Internet. Wichtig sei es hier, die richtigen Filter bei der Suchfunktion einzustellen. "Wir empfehlen zum Beispiel, sich nur Angebote für Verträge mit Mindestvertragslaufzeiten von höchstens 12 Monaten anzeigen zu lassen." Außerdem sollte man von vornherein auf Boni verzichten, mit denen die Anbieter locken, denn häufig würden die am Ende gar nicht ausbezahlt, erklärt Guettat.

Keine Alternative in Sicht

Das Ergebnis der Internet-Suche ist ernüchternd: Sonja Guettat und Ulrich Mittag finden keinen Anbieter, der günstiger ist. Ein Wechsel des Gasversorgers ist für den Mainzer somit vom Tisch. Seine Frage ist beantwortet: Der hohe Preis, den sein Anbieter aufruft, entspricht tatsächlich der aktuellen Marktsituation. Mit seinem jetzigen Vertrag kann Ulrich Mittag der Recherche zufolge sogar zufrieden sein – trotz der Erhöhung von über 80 Prozent. Sonja Guettat berichtet, dass die Situation im Moment völlig neu ist. Eigentlich habe sie Kundinnen und Kunden am Ende eines solchen Beratungsgesprächs eine ganze Liste mit günstigeren Anbietern mitgeben können. Außerdem habe man immer dazu geraten, einen Vertrag beim Grundversorger zu kündigen, da es anderswo günstiger war. Auch das stimme so nicht mehr.

Warum sind die Energie-Preise so hoch?

Die Gründe seien vielschichtig, erklärt die Expertin. Zum Beispiel sei die Wirtschaft nach zwei Jahren Corona-Pandemie wieder im Aufschwung. Die hohe Nachfrage am Weltmarkt treibe die Preise nach oben. Durch den Russland-Ukraine-Krieg werden sie wohl noch weiter steigen.

Spar-Tipps von der Verbraucherzentrale

Die hohen Energiepreise wirken sich nicht nur auf die eigene Strom- oder Gasrechnung aus, sondern auch auf die Verbrauchskosten allgemein, indem zum Beispiel Lebensmittel teurer werden. Um grundsätzlich zu sparen, rät Sonja Guettat dazu, alle Ausgaben genau zu überprüfen, um Kostenfresser zu entlarven. Nicht nur die Energieverträge, sondern auch alle anderen sollten überprüft werden, zum Beispiel die Handyverträge. Außerdem sei es natürlich sinnvoll, im Haushalt so wenig Energie zu verbrauchen wie möglich. Hier bietet die Verbraucherzentrale auch kostenlose Energieberatungen an. Ratsam sei es auch, sich wenn möglich, Rücklagen zu bilden - für mögliche Strom- oder Nebenkostennachzahlungen. Sollte eine Forderung zu hoch sein, könnte man mit dem Anbieter auch über Ratenzahlung verhandeln.  

Hoffnung auf Preissenkungen

Viele Anbieter hätten bereits angekündigt, dass sie die Preise wieder senken werden, wenn sich die Situation am Weltmarkt verbessere, so Guettat. Darauf sollten Verbraucher und Verbraucherinnen warten. "Die Hoffnung besteht. Man sollte den Markt weiter beobachten, um dann, wenn man ein besseres Angebot findet, den Anbieter zu wechseln."

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