Eine Schilf-Glasflügelzikade sitzt auf dem Blatt einer Zuckerrübe.  (Foto: Verband der Hessisch- Pfälzischen Zuckerrübenanbauer )

Ernteeinbußen bis zu 50 Prozent

Zikaden schädigen Zuckerrüben in Rheinhessen

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Sie ist klein, ein Neuankömmling in Rheinhessen und ziemlich gefräßig: Die Schilf-Glasflügelzikade. Weil ihr Lieblingsgericht mittlerweile das Grün von Zuckerrüben ist, sorgt sie für Verdruss bei den Landwirten.

Deshalb untersucht der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer in Worms, wie die heimischen Rüben vor Zikadenbefall geschützt werden können. Die Insekten saugen den Saft aus dem Grün der Pflanzen. Das bereits schädigt die Zuckerrüben. Schlimmer noch, die Zikaden bringen einen tückischen Feind mit, den sie an die Pflanzen weitergeben: das Bakterium "Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus", das die Rüben krank macht.

Rekordernten hier - Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent da

SBR heißt die Krankheit. Die Abkürzung steht für "Syndrom Basses Richesses," das Symptom niedriger Zuckergehalte. Durch das allmähliche Absterben ihrer Blätter lässt das Wachstum der Rüben nach - und damit auch der Zuckergehalt.

Eigentlich gab es in der Region in dieser Saison eine sehr gute Rübenernte. Etwa 85 Tonnen pro Hektar haben die Landwirte im Durchschnitt aus dem Boden geholt. Dieser Wert wurde allerdings nur deshalb erreicht, weil auf vielen Äckern Rekordergebnisse erzielt wurden. Im rheinhessischen Altrheingebiet und in Teilen der Pfalz hingegen sah es anders aus. Die Zikaden sorgten dort für Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent.

Biologische Pflanzenschutzmittel gegen Zikaden-Befall?

Beim Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer in Worms arbeiten seit vielen Jahren Wissenschaftler, die sich mit Zuckerrüben-Schädlingen beschäftigen. Die Schilf-Glasflügelzikade ist eine neue Herausforderung für sie. Mit Chemie sei ihr nicht beizukommen, sagt Sprecher Christian Lang. Stattdessen sollen resistente Sorten und biologische Wirkstoffe erprobt werden, wie dies auch in anderen Anbaugebieten bereits geschieht. In Rheinhessen war 2021 das erste Jahr, in dem die Zikaden in großer Zahl Rübenäcker befallen haben. Sie kommen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und sind mittlerweile unter anderem im französischen Burgund, Teilen der Schweiz und in Baden-Württemberg heimisch.

"Dass die Zikaden jetzt an die Zuckerrüben gehen, das ist einfach Evolution."

Zikaden schädigen auch Winterweizen

Die Schilf-Glasflügelzikade war - daher auch ihr Name - ursprünglich in Schilfgebieten zuhause. Mittlerweile hat sie sich umgestellt. Deshalb müsste man sie eigentlich "Rüben-Zikade" nennen, so Lang. Die Entwicklung - weg vom Schilf, hin zur Rübe - sei "einfach Evolution". Und das im zweifachen Sinne: Denn im Winter wächst Weizen auf vielen Rübenäckern. Die Zikaden bleiben da und legen ihre Eier im Erdboden ab. Ihre Larven überleben dort und ernähren sich von dem Getreide. Bis wieder die Zuckerrüben wachsen. Wie im Schlaraffenland.

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