Muster eines Zensusbogen 2022 (Foto: SWR)

Volksbefragung hat begonnen

Auch Mainzer werden beim Zensus gezählt

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Vor elf Jahren wurden die Mainzer zuletzt gezählt. Jetzt ist es wieder soweit. Die Datenerhebung hat begonnen.

Etwa 19.000 Menschen in Mainz werden Besuch bekommen. Die Angaben, die die abgefragt werden, sind wichtig für die Stadt.

Wer befragt die Bürgerinnen und Bürger?

In der Stadt Mainz wurde im vergangenen Herbst eine eigene Erhebungsstelle gegründet. Geleitet wird sie von Benedikt Husse. Der 39-Jährige arbeitet normalerweise beim Bürgeramt der Stadt und bearbeitet Statistiken. Bis Herbst nächsten Jahres wird er quasi ausgegliedert, denn die Erhebungsstelle des Zensus 2022 muss aus Datenschutzgründen räumlich und personell unabhängig von der Stadt sein.

Benedikt Husse, Projektleiter Mainz Zensus 2022 (Foto: SWR)
Benedikt Husse, Projektleiter Mainz Zensus 2022

Benedikt Husse und sein Team haben zuletzt 200 Freiwillige angeheuert und geschult, die so genannten Erhebungsbeauftragten. Sie führen ab dem 16. Mai die Befragungen durch. Unter ihnen sind städtische Mitarbeiter, Wahlhelfer sowie Studentinnen und Studenten. Für die Arbeit bekommen sie eine Aufwandsentschädigung.

Was wird gezählt?

Der Zensus ist neben einer Volks- auch eine Gebäude- und Wohnungszählung. Für die Gebäude- und Wohnungszählung werden alle privaten Eigentümerinnen und Eigentümer befragt. Sie erhalten per Post einen Brief und müssen an einer online-Befragung teilnehmen.

Für die Volkszählung wurden Haushalte nach einem Zufallsprinzip ausgewählt. Die Zählung soll nur eine Stichprobe sein, die später hochgerechnet wird. Insgesamt geht die Stadt von 19.000 Bewohnerinnen und Bewohner aus, die befragt werden.

Die ausgewählten Haushalte wurden per Brief informiert. In den Briefen steht, dass rund eine Woche später ein Haustürbesuch erfolgt, bei dem die ersten Daten erhoben werden. Die Erhebungsbeauftragten können sich ausweisen und sind zur Geheimhaltung verpflichtet.

Danach bekommen die Bürgerinnen und Bürger die Zugangsdaten für einen ausführlicheren Online-Fragebogen, den sie selbstständig zu Hause ausfüllen können. Darin müssen sie beispielsweise Auskunft geben, wie viele Menschen im Haushalt leben, wie alt sie sind, welchen Bildungsstand sie haben und wo sie arbeiten.

Muster eines Zensusbogen 2022 (Foto: SWR)
Muster eines Zensusbogen 2022

Auch die Bewohnerinnen und Bewohner von Gemeinschaftsunterkünften und Wohnheimen in Mainz werden komplett befragt. Auf diese Weise soll beispielsweise ermittelt werden, wie viele Studierende in Mainz leben. Denn bei Studierenden wie auch bei ausländischen Bürgerinnen und Bürgern gibt es immer wieder falsche Zahlen, weil sie dem Einwohnermeldeamt nicht bekannt sind.

Wie unsicher die Datenlage ist, stellt die Stadt häufig bei der Wahl zum Beirat für Migration und Integration fest: Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) berichtet, dass mitunter tausende Wahlaufrufe zurückkämen, weil die Empfänger inzwischen ohne Abmeldung weggezogen seien.

Muss ich an der Befragung teilnehmen?

Ja. Wer zu den Ausgewählten gehört, der muss Auskunft geben. Ansonsten drohen ein Mahnverfahren und 300 Euro Zwangsgeld. Nach Angaben der Stadt Mainz werden die Betreffenden zunächst mit einem Brief daran erinnert, am Zensus teilzunehmen. Erst dann beginne das Mahnverfahren.

Wann gibt es die Ergebnisse?

Die Befragungen des Zensus 2022 dauern vom 16. Mai bis zum 7. August. Die Auswertung der Daten ist eine Mammutaufgabe, die voraussichtlich fast eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen werde, heißt es vom Statistischen Bundesamt. Erst Ende 2023 würden alle Ergebnisse feststehen.

Dabei kann es immer wieder Überraschungen geben. Laut der Stadt Mainz hatten beim letzten Zensus mehrere Großstädte erhebliche Abweichungen zu ihren Meldedaten. Tatsächlich war die Einwohnerzahl Deutschlands um insgesamt 1,5 Millionen niedriger als erwartet. In Mainz habe es aber kaum Abweichungen gegeben. Hier wohnten nur 237 Menschen weniger als angenommen.

Was hat die Stadt Mainz von dem Zensus?

Die Stadt bekommt elf Jahre nach dem jüngsten Zensus 2011 wieder verlässliche Informationen darüber, wie viele Menschen in Mainz leben. Damit kann die Stadtentwicklung besser geplant werden. Als Beispiele nennt Ebling die Suche nach idealen Standorten von Kindergärten und Schulen oder die Linienführung von Bussen und Straßenbahnen.

Auch finanziell kann der Zensus für die Stadt Auswirkungen haben: Anhand der aktualisierten Einwohnerzahl entscheidet sich, wie viele Zuwendungen sie im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs vom Land erhält.

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