Flugzeuge der Fluggesellschaft Lufthansa, darunter solche des Typs Boeing 747, stehen geparkt auf dem Flughafen auf der Landebahn Nordwest mit der Skyline der Innenstadt im Hintergrund. (Foto: dpa Bildfunk,  Vasco Garcia)

Proteste gehen weiter

Zehn Jahre Landebahn Nordwest am Flughafen Frankfurt

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Seit zehn Jahren ist die Landebahn Nordwest in Frankfurt in Betrieb. Bei der Frage, ob es sich um eine Fehlplanung oder um Standortsicherung handelt, sind sich viele Menschen im Rhein-Main-Gebiet bis heute uneins.

Ein Jahr lang herrschte auch am Frankfurter Flughafen der Corona-Lockdown. Die Landebahn Nordwest wurde mangels Flugbewegungen für Monate geschlossen. Es wurde ruhig am Himmel - auch in Rheinhessen. Inzwischen sind die Flugzeuge wieder zu sehen und zu hören - vor allem bei Ostwind. Los geht es dann morgens ab 5 Uhr. Nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport zählte der Flughafen Frankfurt im September etwa 3,1 Millionen Fluggäste. Es folgten die Herbstferien - beliebte Reiseziele: die Balearen, die Kanaren, Griechenland, Portugal, die Türkei und die Karibik. Der eine oder andere Reiserückkehrer landet auf der Nordwestlandebahn.

Kritiker sprechen von Fehlplanung

Die Initiative Zukunft Rhein-Main (ZRM) blickt von Anfang an kritisch auf den Bau der Landebahn Nordwest und die Erweiterung des Flughafens Frankfurt. Zu der Initiative gehören unter anderem Städte wie Mainz, Wiesbaden und Frankfurt. Aber auch Kommunen wie Budenheim im Kreis Mainz-Bingen oder der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sind dabei. Ihr gemeinsames Ziel: Keine weitere Zunahme des Fluglärms im Rhein-Main-Gebiet. In einer gemeinsamen Erklärung schreiben sie:

"Die Landebahn Nordwest brachte nicht den Erfolg, mit dem Fraport kalkuliert hatte. Von einer vom damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) prognostizierten 'Standortsicherung für die Zukunft' kann angesichts der Zahlen keine Rede sein."

Der Flughafenbetreiber Fraport habe sich mit dem Bau der Landebahn Nordwest eine Kapazitätssteigerung auf über 700.000 Flugbewegungen pro Jahr und die Abfertigung von 88 Millionen Passagieren im Jahr 2020 erhofft. Diese Marke sei jedoch nie erreicht worden, so die ZRM.

Zwei Demonstranten gehen mit einem Plakat "Stop Nachtflugverbot" 2016 in Mainz über die Theodor-Heuss-Brücke. Die Nordwestlandebahn am Flughafen Frankfurt wurde am 21. Oktober 2011 eröffnet.  (Foto: dpa Bildfunk, Andreas Arnold (Archiv))
Demonstranten gehen im Jahr 2016 in Mainz über die Theodor-Heuss-Brücke. Am Frankfurter Flughafen gilt ein Nachtflugverbot zwischen 23 Uhr und 5 Uhr. Diese Zeitspanne sei zu kurz, sagen Kritiker. Andreas Arnold (Archiv)

"Die Landebahn hat uns mehr Lärm und Dreck wie Feinstaub gebracht", sagt Karsten Jacobs, er ist der Vorsitzende des Vereins Initiative gegen Fluglärm in Rheinhessen. Zusammen mit seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern fordert er seit Jahren eine Deckelung der Flugbewegungen von 380.000 Starts und Landungen im Jahr. Vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019 lag die Zahl bei knapp 514.000. Wichtig sei auch eine gerechtere Verteilung des verbleibenden Rest-Fluglärms. "In Flughafennähe ist das sicherlich schwer, aber in größerer Entfernung gibt es Möglichkeiten, den Lärm auf ein für alle ertragbares Niveau zu senken", sagt Jacobs.

Fraport geht von Wachstum aus

Beim Unternehmen Fraport steht man auch zehn Jahre nach Eröffnung der Landebahn Nordwest am 21. Oktober 2011 hinter dem Ausbau. Neben der Schaffung von mehr Kapazitäten sei es auch darum gegangen, einen reibungslosen Betriebsablauf zu ermöglichen, sagt Pressesprecher Dieter Hulick. Er gehe davon aus, dass der Luftverkehr nach der Corona-Pandemie langfristig wieder wachse. Das hätten andere Krisen bereits gezeigt, beispielsweise die Ölkrise oder der 11. September.

"Wir nehmen den Lärmschutz ernst"

In Sachen Lärmschutz sei man am Frankfurter Flughafen weiter aktiv. So seien die Lärmentgelte, die Fluggesellschaften entrichten müssen, zwischen den Jahren 2012 und 2020 um 150 Prozent gestiegen. Für laute Maschinen muss demnach mehr bezahlt werden als für leisere Flugzeuge. Und auch das Nachtflugverbot zwischen 23 Uhr und 5 Uhr sei ein scharfes und wirksames Instrument, sagt Dieter Hulick.

Gesundheit Lärmkrieg am Frankfurter Flughafen

Seit Jahren kämpfen Anwohner rund um den Frankfurter Flughafen für einen besseren Lärmschutz - bislang vergebens. Besonders nachts ist Fluglärm eine Gefahr für die Gesundheit.  mehr...

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