Ein Mitarbeiter von Mercedes-Benz befestigt im Werk "Factory 56" ein Mercedes Stern an einer S-Klasse. In der neuen komplett digitalisierten und vernetzten Fabrik wird die neue S-Klasse gebaut. (Foto: dpa Bildfunk, Silas Stein)

Hohe Gewerbesteuereinnahmen

BioNTech-Milliarde: Tipps für Mainz aus Sindelfingen

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BioNTech verhilft Mainz gerade zu Reichtum. Das Glück hat auch Sindelfingen in Baden-Württemberg mit dem Autobauer Daimler. Hat Sindelfingen Tipps für Mainz?

Als Sinnbild für den Sindelfinger Reichtum müssen immer die Zebrastreifen aus Marmor herhalten, die einst in der Stadt auf gepflasterten Straßen verbaut wurden. Für den Oberbürgermeister der Kreisstadt, Bernd Vöhringer (CDU), ist es nichts Neues, dass er darauf angesprochen wird.

Der berühmte Sindelfinger Zebrastreifen aus italienischem Carrara-Marmor. (Foto: dpa Bildfunk, Harry Melchert)
Der berühmte Sindelfinger Zebrastreifen aus italienischem Carrara-Marmor. Harry Melchert

Und jedes Mal erklärt er geduldig, dass diese Zebrastreifen eigentlich sogar eine sinnvolle und weitsichtige Investition gewesen seien. Das Pflaster immer wieder mit weißer Farbe anzustreichen, wäre der Stadt über die Jahre teurer gekommen als das einmalige Verlegen der Marmorsteine, sagt Vöhringer.

Sindelfingens Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer (Foto: Pressestelle, Stadt Sindelfingen)
Der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer (CDU) Pressestelle Stadt Sindelfingen

Brötchen so backen, dass man sie sich später auch leisten kann

Dennoch hätten seine Vorgänger so manchen Fehler im Umgang mit dem Daimler-Reichtum gemacht. Für eine Stadt in der Größe von Sindelfingen, mit aktuell 65.000 Einwohnern, sei viel zu groß geplant worden. Ein schönes Schwimmbad, eine große, repräsentative Veranstaltungshalle, genannt Glaspalast – diese Infrastruktur zu erhalten sei sehr schwierig, sagt Vöhringer. Aus dieser Erfahrung heraus würde er Mainz raten, „die Brötchen immer nur so groß zu backen, dass man sie sich später auch noch leisten kann“.

38. Junior-Cup im Sindelfinger Glaspalast (Foto: SWR)
Die große Sindelfinger Veranstaltungshalle: der Glaspalast

Tipp aus Sindelfingen: Vorsichtig planen!

Ansonsten hält sich der Sindelfinger OB mit Tipps an seinen Mainzer Amtskollegen Michael Ebling (SPD) jedoch vornehm zurück.

Ebling habe sicherlich genug Erfahrung, um zu wissen, auf was es jetzt ankomme: Schulden zu begleichen, Geld auf die hohe Kante zu legen und generell sorgfältig mit den Finanzen umzugehen. Denn eins sei klar: die Dinge könnten sich schnell wieder verändern.

Die Gewerbesteuer schwankt

Das habe er in Sindelfingen selbst häufig erleben müssen: Ein Auf und Ab der Gewerbesteuern. Auf dem Höhepunkt des Reichtums, in den 60er und 70er Jahren, habe man in Sindelfingen angenommen, dass es mit dem Daimler-Geldfluss immer so weitergehen würde.

Doch es gab massive Schwankungen und immer wieder schwierige Jahre. Insofern sei es gut, dass die Mainzer Stadtspitze sich schon damit auskenne, wie es als Kommune ist, wenig Geld zu haben.

Problem ist die Abhängigkeit von BioNTech

In Mainz soll zum kommenden Jahr die Gewerbesteuer deutlich gesenkt werden – es wird gemunkelt, dass die Stadtspitze damit auch einer "Bitte" von BioNTech folgt. Doch wie sehr sollte eine Stadt einem Unternehmen entgegenkommen?

Auch damit hat der Sindelfinger OB Erfahrung. Natürlich sei Sindelfingen auf Daimler als größtes Unternehmen am Standort angewiesen – aber Daimler sei genauso auf die Stadt angewiesen. Im Laufe der Jahre habe es immer mal Interessenskonflikte gegeben, erzählt Vöhringer. Es sei wichtig, eine gute Vertrauensbasis aufzubauen.

Chance oder Herausforderung?

Tolle Arbeitsplatzversorgung, gute Zukunftsaussichten - in der Regel werde er von Amtskollegen beneidet, sagt Vöhringer. Er sieht die Situation der Stadt gleichzeitig als Herausforderung und als Chance.

So sei es zum Beispiel nicht immer einfach mit der langen Wunschliste von Bürgerinnen und Bürgern und auch von eigenen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen umzugehen. Aber Sindelfingen habe ganz andere Gestaltungsmöglichkeiten als andere, vergleichbare Städte. Deshalb sehe er die hohen Gewerbesteuereinnahmen vor allem als Chance.

Eine Chance, mit der man laut Vöhringer verantwortungsvoll und durchaus vorsichtig umgehen sollte. Seinem Mainzer Amtskollegen Ebling wünscht er dabei alles Gute und viel Erfolg.

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