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Das Thema Recycling steht im Fokus des deutschen Verpackungskongresses, der gerade virtuell stattfindet. Der Mainzer Hersteller Werner & Mertz geht bereits heute neue Wege in Richtung Nachhaltigkeit.

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Es ist laut in der großen Produktionshalle beim Reinigungs- und Pflegemittelhersteller Werner & Mertz in Mainz. Meterhohe Roboter flankieren lange Förderbänder und sind unentwegt in Bewegung. 30 Sekunden braucht ein Roboterarm, um eine leere Plastikflasche aufzustellen, sie zu etikettieren, mit Spülmittel zu befüllen und in einen Karton zu stellen.

Seit dieser Woche ist eine neue Produktionsstraße in Betrieb, am Montag liefen die ersten Spülmittelflaschen der Marke "Frosch" dort vom Band - für den deutschen und den französischen Markt. Es sind die ersten Flaschen, die zu 50 Prozent aus Plastik aus dem Gelben Sack bestehen. Das Mainzer Unternehmen, ausgezeichnet mit dem deutschen Umweltpreis 2019, bezeichnet sich selbst als Vorreiter in puncto Nachhaltigkeit.

Blick in die Produktionshalle bei der Firma Frosch (Foto: SWR)
Das sind die ersten Flaschen, die zu 50 Prozent aus Plastik aus dem Gelben Sack bestehen.

50 Prozent Material aus dem Gelben Sack

Bereits seit 2012 nutzt das Unternehmen sogenanntes “Post-Consumer-Recyclat" (PCR), also Verpackungsmaterial, das der Endverbraucher weggeworfen hat und das als Wertstoff wieder aufbereitet wurde. 2014 stellte die Firma alle Plastikflaschen der Marke "Frosch" auf 100 Prozent PCR um. 20 Prozent davon kamen aus der Quelle Gelber Sack, die restlichen 80 Prozent aus der europäischen Getränkeflaschensammlung "Bottle to Bottle". Nun geht das Unternehmen einen Schritt weiter und erhöht den Anteil an Rezyklat aus dem Gelben Sack auf 50 Prozent.

Forderungen nach gesetzlichen Anreizen

"Wir wollen zeigen, dass Kreislaufwirtschaft auch da möglich ist, wo noch am meisten verbrannt wird, nämlich beim Gelben Sack", sagt der Inhaber des Unternehmens, Reinhard Schneider. Er wünscht sich, dass auch andere, größere Unternehmen den gleichen Weg gehen, aber "die scheuen leider die Mehrkosten, die das Recycling noch hat". Neu-Pastik sei, auch aufgrund der sinkenden Rohölpreise, schlicht günstiger, so Schneider. "Dabei wird Recycling wirtschaftlicher, je mehr mitmachen."

Reinhard Schneider, Inhaber von Werner und Mertz aus Mainz, (Foto: SWR)
Reinhard Schneider, Inhaber von Werner & Mertz aus Mainz, bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises 2019

Der Werner & Mertz-Inhaber fordert finanzielle Anreize durch den Gesetzgeber für den Einsatz von PCR. Denn: Kein Land der EU exportiert so viel Plastikmüll wie Deutschland - im vergangenen Jahr war es rund eine Million Tonnen. Nachdem China, das noch bis 2017 einen großen Teil der deutschen Gelben Säcke angenommen hatte, die Müll-Grenzen geschlossen hat, geht viel Abfall aus der Bundesrepublik nun vor allem in südostasiatische Länder wie Malaysia, aber auch in die Türkei.

Einzige Möglichkeit, die Müllberge zu verkleinern: Wiederverwertung. Auch andere Unternehmen aus der Branche haben sich das Thema Nachhaltigkeit längst auf die Fahnen geschrieben. Die Henkel AG zum Beispiel, weltweit agierender Hersteller von Wasch- und Pflegeprodukten. Auch Procter&Gamble will den Anteil an Neuplastik reduzieren. Und zwar um 300.000 Tonnen pro Jahr, bis zum Jahr 2030.

Eine der großen Barrieren für einen funktionierenden Kunststoffkreislauf sei die Abnahme von recyceltem Kunststoff.

NABU: Verbot von Plastikmüll-Export außerhalb EU

Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) fordert, Deutschland müsse seine Abfälle regional verwerten können - und zwar möglichst nah am Entstehungsort der Verpackungen. "Wir wollen nicht, dass der Plastikmüll tausende Kilometer weit durch die Welt transportiert wird und am Ende auf einer Deponie in Malaysia landet", sagt Michael Jedelhauser vom NABU. Bundesweit müsse es viel mehr regionale Sortier- und Recyclinganlagen für diese Art von Müll geben, fordert der Naturschutzbund.

Doch Jedelhauser ist noch ein anderer Aspekt wichtig: Recycling beginne schon viel früher, sagt er. Nämlich beim Design von Verpackungen. "Schon bei der Planung einer Verpackung entscheidet sich, wie recyclingfähig sie ist." Denn bestehe eine Verpackung beispielsweise aus mehreren Kunststoff-Schichten, sei sie deutlich schwieriger oder sogar gar nicht recycelbar.

Verbraucherzentrale warnt vor "Mogelpackungen"

Susanne Umbach von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz sagt, es seien immer mehr Kunststoff-Verpackungen auf dem Markt, die besonders umweltfreundlich erscheinen wollten, aber es nicht seien. Die Bio-Milch im vermeintlichen Pappkarton in Altpapier-Optik zum Beispiel oder das vegane Trinkpäckchen mit der Aufschrift "leicht recycelbar".

Diese Öko-Anmutung suggeriere, dass es sich um recyceltes Material handele, doch Vorsicht: "Das ist nicht garantiert, nur weil das Produkt so aussieht", warnt Umbach. Ein Check von 33 Drogerieartikeln und 27 Lebensmittelprodukten sowie eine Begutachtung ausgewählter Beispiele durch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ergab: Die Mehrzahl der betrachteten Produkte wurde von den potentiellen Käufern aufgrund ihrer Aufmachung deutlich nachhaltiger bewertet als von den Fachleuten der Verbraucherzentrale.

Besser Nachfüllpackung kaufen

Verbraucher sollten beim Kauf also genau hinschauen, rät Umbach. Vor allem sollten sie sich nicht blenden lassen von Aufschriften wie diesen: "Ökologisch verantwortungsvoll" oder "75 Prozent weniger Kunststoff". Solche Aussagen seien ohne genaue Erläuterung sehr schwer einzuordnen, sagt Umbach – und dienten häufig dazu, ein Produkt "grüner" darzustellen, als es sei.

Firmen versuchten so, Kunden mit ihrem ökologischen Gewissen zu ködern, doch häufig sei mit diesen Produkten kein Umweltvorteil verbunden. Solange es noch kein unabhängiges Siegel gebe, das die Umweltverträglichkeit von Verpackungen einordne, rät die Verbraucherzentrale dem umweltbewussten Kunden, offensichtlich unnötig oder aufwendig Verpacktes nicht zu kaufen. Und Umbach fügt an: "Eine Nachfüllpackung ist immer besser als ein neues Original-Produkt."

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