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Weihnachten im Gefängnis klingt nach einer traurigen Zeit. Wegen der Corona-Pandemie sind die Regeln in der JVA Rohrbach in Wöllstein (Landkreis Alzey-Worms) auch strenger als sonst. Und dennoch sind manche Gefangene erstaunlich gelassen.

"Ich denke, es ist die beste Zeit, inhaftiert zu sein. Das öffentliche Leben draußen liegt brach und es passiert sowieso nicht viel. In Sachen Ansteckungsgefahr ist man hier tatsächlich auf der sicheren Seite." Dieses Fazit zieht eine 34-jährige Gefangene aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rohrbach in der Nähe von Wöllstein (Kreis Alzey-Worms). Seit Mai sitzt sie hier wegen Trunkenheit im Straßenverkehr ein.

Auch wenn sich die Gefangenen in der JVA Rohrbach sicher fühlen, müssen auch sie wegen der verschärften Regeln weitere Abstriche machen. Um das Infektionsrisiko von außen zu verringern, dürfen in der Weihnachtswoche keine Besucher mehr ins Gefängnis kommen.

JVA Rohrbach (Foto: SWR, Karin Pezold)
Für Besucher bleiben die Türen in der Weihnachtswoche geschlossen. Karin Pezold

Weihnachten feiern auf dem Gefängnisflur

Neben all den anderen Corona-Vorschriften sei das Besuchsverbot schon eine harte Einschränkung, sagt ein 26-jähriger Gefangener. Er sitzt wegen Drogendelikten ein. Seine Mutter oder seine Schwester hätte er schon gerne noch vor Weihnachten gesehen.

Das eigentliche Fest ist für ihn in der JVA nichts Besonderes. Es ist bereits sein drittes Weihnachten hier. Beim ersten sei es allein in der Zelle noch schwer gewesen. Jetzt sei er aber meistens mit seinen Jungs auf dem Flur. "Ich bin auf der offenen Abteilung. Da können wir Karten spielen, Kaffee trinken, ein bisschen reden, auch über die Vergangenheit und über das, was passiert ist. Oder auch das, was man sich noch vorstellt für die Zukunft."

Gottesdienstmarathon für die Seelsorger

Andere Inhaftierte vermissen das Weihnachtsgefühl mehr als der 26-Jährige und nehmen deshalb an einem der sechs Weihnachtsgottesdienste teil, die die beiden Seelsorger in der JVA anbieten. Die haben dieses Jahr alle Hände voll zu tun:

Ganz unterschiedliche Weihnachtswünsche

Die Gefängnisleiterin Annabel Franzen hofft, dass die JVA weiter gut durch die Corona-Krise kommt. Sie sagt, das Gefängnis habe bisher relativ viel Glück gehabt, dass es keine Ausbrüche gegeben habe. "Das ist natürlich mein größter Wunsch, dass die Gefangenen gesund bleiben, aber natürlich auch die Bediensteten."

Der 26-jährige Gefangene hat nur einen Wunsch: Dass Corona genauso schnell vorbeigeht wie seine Haft. Und dass er am nächsten Weihnachtsfest bei seiner Mutter sitzen und mit ihr einen Glühwein trinken kann.

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