Mainz will Rückstände im Wasser besser ausfiltern (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Claus Voelker)

Treibstoff für Busse und Müllautos

Viertes Becken für Mainzer Kläranlage soll Energiewende voranbringen

STAND

Im rheinland-pfälzischen Abwasser sind immer wieder Rückstände von Medikamenten zu finden. Bis 2026 soll die Kläranlage in Mainz diese ausfiltern können - und nebenbei die Energiewende beschleunigen.

"Wir haben pro Tag mehr als 100 Tuben Diclofenac im gereinigten Abwasser", klagt der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). Der Wirkstoff ist in Arzneimitteln gegen Schmerzen und Entzündungen enthalten und ist nur ein Beispiel, warum Kommunen in Rheinland-Pfalz bei der Abwasserbehandlung derzeit vor einem Kraftakt stehen.

Laut Ebling, der auch Vorsitzender des Städtetags Rheinland-Pfalz ist, gibt es überall die Aufgabe, "Arzneimittelrückstände und Mikroplastik besser auszufiltern als bisher." Unter anderem deshalb will Mainz im nächsten Jahr den Antrag für einen Ausbau der Kläranlage mit einer vierten Reinigungsstufe einreichen.

Wasserstoff aus der Kläranlage für Busse und Müllfahrzeuge

Mit dem Vorhaben sei aber noch ein weiterer Vorteil verbunden: "Wir kombinieren die vierte Reinigungsstufe mit einer innovativen Elektrolyse-Technik, die uns zusätzlich in der Wasserstoffstrategie weiter voranbringt", sagt Ebling. Er spricht von einem "Meilenstein", denn mit der Aufspaltung von Wasser werde Wasserstoff für die Brennstoffzellen von Bussen oder Müllfahrzeugen gewonnen. Der entstehende Sauerstoff kann zur Erzeugung von Ozon genutzt werden, womit die weitergehende Reinigung des Abwassers vor der Ableitung in den Rhein möglich wird. Das Ozon-Verfahren ergänzt die gängige Reinigung mit Aktivkohle.

Die Stadt rechnet damit, dass die neue Anlage bis 2026 in Betrieb gehen kann. Die Kosten belaufen sich auf 33 Millionen Euro. Davon trägt die Stadt 19,8 Millionen. Bund und Land haben nach Angaben Eblings jeweils 6,6 Millionen Euro zugesagt. Die Kläranlage in Mainz ist die größte der 672 kommunalen Anlagen in Rheinland-Pfalz und wird die erste derartige Anlage im Land sein.

Unterstützung im Klimaschutzministerium

Im neuen Klimaschutzministerium freut man sich über das Mainzer Projekt. "Kläranlagen sind ideal für die Sektorkopplung, hier werden Energie- und Wasserwirtschaft miteinander verknüpft", sagt etwa der Staatssekretär Erwin Manz (Grüne). Doch er sieht auch an anderen Stellen Potenzial: "Über die Kopplung unterschiedlicher Sektoren lässt sich immer ein Pfad öffnen, damit keine Energie verloren geht und entweder genutzt oder gespeichert werden kann."

Besonders interessant seien Konzepte, in denen in Kläranlagen überschüssiger Strom aus Wind oder Sonne verwendet werde. So könne bei der energieintensiven Elektrolyse der Sauerstoff nicht nur in Ozon umgewandelt werden, sondern auch sinnvoll für weitere Reinigungsprozesse in der Kläranlage verwendet werden. Wenn der konzentrierte Sauerstoff in die Becken eingebracht werde, "kann die Energie für Gebläse und Lüftungen gespart werden, die bisher über die Luft Sauerstoff ins Klärwasser bringen", sagt Manz.

Pirmasens

Umstrittene Anlage bleibt stillgelegt In Pirmasens-Fehrbach stinkt es vorerst nicht mehr

Die Klärschlammtrocknungsanlage in Pirmasens-Fehrbach wird vorerst nicht wieder in Betrieb genommen. Der Betreiber verzichtet auf eine Beschwerde gegen das Gerichtsurteil.  mehr...

Am Nachmittag SWR4 Rheinland-Pfalz

STAND
AUTOR/IN