Viele Ämter und Verwaltungen in Rheinhessen und an der Nahe suchen Personal. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)

Ämter und Verwaltungen suchen weiter Mitarbeitende

Rund 450 Stellen bei der Stadt Mainz wegen Personalmangels unbesetzt

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Für die Verwaltungen und Ämter in der Region Rheinhessen/Nahe wird es immer schwieriger, ausreichend Mitarbeitende zu finden. Nach Angaben der Stadt Mainz sind derzeit rund 450 Stellen in den Ämtern und Dezernaten unbesetzt.

Die meisten offenen Stellen in Mainz, über 100, gebe es derzeit bei den Kindertagesstätten. Die Gründe für den Personalmangel im öffentlichen Dienst seien vielfältig. Der allgemeine Fachkräftemangel, Ruhestände, Elternzeit aber auch die Nähe zum stark umkämpften Arbeitsmarkt im Rhein-Main-Gebiet seien einige Beispiele, so eine Stadtsprecherin.

Bei den derzeit rund 450 unbesetzten Stellen handele es sich um weniger als zehn Prozent der gesamten städtischen Stellen. Mit Blick auf Fluktuation und geplante sowie bereits unterschriebene Nachbesetzungen sei die Anzahl der noch offenen Arbeitsplätze allerdings verhältnismäßig eher gering, so die Sprecherin weiter.

Was bedeutet das für die Bürger?

Auch einige Bürger und Bürgerinnen bekommen den Personalmangel bereits zu spüren. So sei in Bad Kreuznach beispielsweise derzeit Geduld beim Einwohnermeldeamt gefragt. Wie eine Stadtsprecherin mitteilt, müssen die Menschen für einen Termin dort aktuell zwischen fünf und sechs Wochen warten. Als Grund nannte sie, dass einige Mitarbeitende erkrankt, andere wiederum im Urlaub seien.

Die längeren Wartezeiten würden auch diejenigen betreffen, die für ihren Urlaub einen neuen Reisepass benötigten. Wie die Sprecherin weiter mitteilt, wird die Stadt hier zwar personell aufstocken. Allerdings gibt sie zu bedenken, dass bald die Hauptreisezeit beginne und nach zwei Jahren Corona-Pandemie mehr Dokumente beantragt würden als in normalen Jahren.

Auszahlungen für Asylbewerber verzögern sich wegen Arbeitsüberlastung

In Worms kritisierte der Helferkreis Asyl erst vor wenigen Tagen das Sozialamt der Stadt wegen des Umgangs mit Geldern für Asylbewerberinnen und Asylbewerber. Gesetzlich festgelegte Nachzahlungen würden sich wegen Arbeitsüberlastung seit Wochen verzögern. Die Stadt bestätigte die Arbeitsüberlastung im Sozialamt und die Verzögerung bei den Auszahlungen und bat um Verständnis.

Bereits Ende April hatte die Kreisverwaltung Mainz-Bingen bekannt gegeben, dass es der Ausländerbehörde an qualifiziertem Personal fehle. In einer Mitteilung hieß es damals, dass 3,5 Stellen unbesetzt seien. Neue Mitarbeitende auf dem Arbeitsmarkt zu finden sei aber außerordentlich schwierig.

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Übernahmen, Kampagnen und Weiterbildungen sollen Mitarbeitende halten

Um die Berufsfelder in der Verwaltung und in den Ämtern wieder attraktiver zu machen, habe die Stadt Mainz verschiedene Initiativen gestartet. So gebe es speziell für Erzieherinnen und Erzieher eine Kampagne mit dem Namen "Du fehlst uns!". Auch in den Berufsfeldern Handwerk, Ingenieurswesen und Technik habe die Stadt eine Kampagne gestartet, um die offenen Stellen im Bauamt, der Gebäudewirtschaft und im Grün- und Umweltamt schneller besetzen zu können.

Die Stadt Bad Kreuznach versucht hingegen nach eigenen Angaben unter anderem mit Hilfe von Übernahmen und Weiterbildungen die Mitarbeitenden zu halten. In Worms setze man dagegen auf ein stärkeres Personalmanagement, sodass man hoffentlich schnell neue Mitarbeitende finde.

Personal fehlt vor allem im Sozial- und Erziehungsdienst

In Bad Kreuznach und Worms ist der Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst ebenfalls seit einigen Jahren spürbar. Nach Angaben der beiden Stadtsprecher macht sich dies bei den Verwaltungen insbesondere in den technischen Berufen sowie im Sozial- und Erziehungsdienst bemerkbar.

Zusätzlich von Bund und Land übertragene Aufgaben würden die Personalsituation weiter verschärfen. So würde beispielsweise die Corona-Pandemie ebenso wie die Flüchtlingssituation infolge des Ukraine-Krieges die Verwaltung zusätzlich fordern.

Verwaltungen konkurrieren mit Nachbarkommunen

Ähnlich wie in Mainz bestätigt auch die Stadt Worms die Konkurrenzsituation zu anderen Kommunen. Worms bewege sich in einem härter werdenden Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte mit anderen Kommunen in der Rhein-Neckar-Region, beschreibt Oberbürgermeister Adolf Kessel (CDU) die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt. Hinzu würden attraktive Angebote aus der Privatwirtschaft kommen.

Auch die Landrätin des Kreises Mainz-Bingen, Dorothea Schäfer (CDU), schildert, dass die Kreisverwaltung unter anderem Probleme mit Abwanderungen habe. Einige Mitarbeitende würden lieber Stellen bei den Ministerien in Mainz annehmen, da diese meist besser bezahlt wären.

Fachkräftemangel auch im öffentlichen Dienst angekommen

Die Agenturen für Arbeit in Bad Kreuznach und Mainz bestätigen ebenfalls, dass der Fachkräftemangel auch im öffentlichen Dienst angekommen ist. Petra Bürkle von der Agentur für Arbeit in Bad Kreuznach betont, dass man beim Thema Personalmangel aber auch zwischen regionalen Unterschieden und verschiedenen Berufsbildern unterscheiden müsse. So sei es in ländlichen Regionen wie beispielsweise in Kirn meist leichter Personal zu finden, da die Lebenshaltungskosten hier geringer wären.

Fachkräftemangel kein alleiniges Problem von Verwaltungen

Bürkle gibt allerdings auch zu bedenken, dass der Fachkräftemangel kein alleiniges Problem der Verwaltungen und Ämter sei. In nahezu allen Branchen, wie beispielsweise auch in der Gastronomie, der IT und im Handwerk, würden aktuell Arbeitskräfte gesucht. Viele Bürgerinnern und Bürger würden den Personalmangel bei den Verwaltungen oft nur deutlicher merken als beispielsweise in der IT-Branche.

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