Grablicht auf Rasen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa | Robert Schlesinger)

Toter lag elf Tage im Andachtsraum

Leichnam in Bad Kreuznacher Seniorenheim vergessen

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In einem Bad Kreuznacher Seniorenheim ist ein toter Mann in einem Andachtsraum aufgebahrt und vergessen worden. Erst nach elf Tagen wurde er durch Zufall entdeckt.

Der alleinstehende Mann starb im März 2020. Sein Schicksal wurde erst jetzt bekannt. Elf Tage, nachdem der Mann im Seniorenheim gestorben war, wurde der Bad Kreuznacher Bestatter Mark Grünewald beauftragt, sich um den Leichnam zu kümmern. Als er ihn im Andachtsraum fand, war er schockiert. "Ich hab' gedacht, das gibt es doch nicht", sagte Grünewald jetzt dem SWR. "Er war angeschimmelt", und damit übertreibe er nicht, so der Bestatter. Die Kühlung, die normalerweise in dem Raum laufe, habe nicht richtig funktioniert.

Ordnungsamt wurde nicht informiert

Normalerweise muss ein Seniorenheim den Tod eines Bewohners beim Standesamt anzeigen und das Ordnungsamt informieren, wenn sich keine Angehörigen um die Beisetzung kümmern. Das Ordnungsamt beauftragt dann einen Bestatter. Im konkreten Fall des alleinstehenden Mannes hat das Heim das Ordnungsamt nicht informiert. Das hat das Seniorenheim auf SWR-Anfrage bestätigt.

"Die Pietät war jederzeit gewährleistet."

Der Betreiber des Heims schildert den Vorfall in einer schriftlichen Stellungnahme. Der Leichnam des Verstorbenen sei im Andachtsraum ehrenvoll aufgebahrt worden. "Fatalerweise ist der zuständige Sachbearbeiter einen Tag später kurzfristig erkrankt. Eine korrekte Übergabe der Akten konnte daher nicht stattfinden." Der Leichnam des Mannes wurde schlicht im Andachtsraum vergessen.

Die Pietät sei aber jederzeit gewährleistet gewesen, der Andachtsraum werde von vielen Angehörigen sehr geschätzt. Der Leichnam sei Tage später bei einer Routinekontrolle entdeckt worden. Nach dem Vorfall habe das Seniorenheim die Abläufe in der Verwaltung geändert, um krankheitsbedingte Fehler bei der Informationsweitergabe zu vermeiden.

Standesbeamtin soll mit Polizei gedroht haben

Der Bestatter Grünewald schildert den Fund anders. Demnach hat eine Standesbeamtin, die den Vorgang bearbeitet hatte, beim Seniorenheim nachgehakt. Man habe ihr zunächst versichert, der Leichnam sei längst abgeholt. Die Standesbeamtin habe aber nicht locker gelassen und sogar mit der Polizei gedroht. Dann erst habe endlich jemand nachgeschaut und den Toten gefunden, so Grünewald.

Heimaufsicht: bedauerlicher Einzelfall

Die zuständige Heimaufsicht, das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Mainz, wurde nach eigenen Angaben vom Rechtsamt der Stadt Bad Kreuznach informiert und ist der Sache nachgegangen. In einer Stellungnahme schreibt die Behörde: "Es handelt sich hier um einen besonders tragischen Einzelfall, aus welchem die Einrichtung die notwendigen Konsequenzen für die Zukunft gezogen und auch hinreichende Vorkehrungen zur Vermeidung ähnlicher Vorkommnisse getroffen hat."

Auch der Bundesverband der Bestatter spricht von einem absoluten Einzelfall. Eine Sprecherin des Verbands sagte, so etwas könne normalerweise nicht passieren. Es gebe Routinen, die greifen und eine lückenlose Dokumentationspflicht.

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