Ein schwarzer Hund steht in seinem Zwinger im Tierheim in Mainz. (Foto: dpa Bildfunk, Andreas Arnold)

Tierschützer in Sorge

Tierheime in Worms und Mainz: zu viele schwierige Hunde

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Sie kennen keine Regeln, beißen, bellen und sind schwer vermittelbar: Immer mehr Hunde mit Verhaltensstörungen landen in Tierheimen. In Worms gibt es nun einen Aufnahmestopp.

"Wir nehmen keine bissigen oder verhaltensauffälligen Hunde mehr an. Dieses Problem ist seit Jahren massiv gewachsen, wir haben immer wieder darauf aufmerksam gemacht. Es ist aber nichts passiert und jetzt haben wir den Salat." Das schreibt die Vorsitzende des Wormser Tierheims, Christiane Gumpert, auf SWR-Nachfrage. 80 Prozent aller Hunde in dem Wormser Tierheim hätten schon mal gebissen oder andere "special effects", wie sie es nennt.

Das größte Problem ist aus ihrer Sicht, dass sich jeder, ob geeignet oder nicht, mit wenigen Klicks im Internet einen Hund zulegen kann. Das müsste verboten werden, sagt sie. Ganz besonders schwierige Fälle gebe man weg in ein spezielles Hundezentrum im Norden Deutschlands, das sich auf die Resozialisierung der "Problemfälle" spezialisiert hat. Diese Unterbringung koste Geld, Geld das ein spendenfinanziertes Tierheim jedoch nicht habe.

Hund bei Wormser Tierheim ausgesetzt

Trotz Aufnahme-Stopp ist erst am Mittwoch ein Hund nahe des Wormser Tierheims ausgesetzt worden. Die Vorsitzende des Tierheims weist in einem Facebook Post darauf hin, dass das Aussetzen eines Hundes auch vor einem Tierheim nicht in Ordnung sei: "Wer Tiere hat, hat Verantwortung und das Aussetzen eines Tieres ist eine Straftat! Punkt!"

Wer kennt diesen Hund und kann Hinweise geben? Gestern Vormittag wurden wir von einem Passanten darauf aufmerksam...Posted by Tierheim Worms on Wednesday, January 5, 2022

Oft geht viel schief zwischen Mensch und Hund

Auch im Tierheim Mainz ist das Problem mit verhaltensauffälligen Hunden seit Jahren bekannt. Das habe es schon vor Corona gegeben, sagt die Vorsitzende Christine Plank. Auch im Mainzer Tierheim landen Hunde, die nicht erzogen wurden und keine Regeln kennen. Bei einigen sei das Verhältnis zum Menschen komplett gestört, sie seien völlig verkorkst.

"Viele wollen Welpen. Wenn die dann an den Pantoffeln und den Waden knabbern, sagen alle: ach wie süß. Wenn die Hunde später knurrend ihren Platz auf der Couch verteidigen, werden sie abgegeben."

Hunde, die verhaltensauffällig sind, sind schwer vermittelbar. Manche verbringen den Rest ihres Lebens im Tierheim. Für andere bleibt dann weniger Platz. Hunde mit Problemen binden zudem auch Personal in den Heimen. Da brauche man mehr Zeit, um sich kennenzulernen, sagt Christine Plank. Man müsse erst einmal herausfinden, was schief gelaufen ist. Die früheren Besitzer erzählten ja oft nicht die ganze Geschichte.

In Worms würde die Vorsitzende des Tierheims, Christiane Gumpert, gerne mehr gut ausgebildetes Personal einstellen und einen Hundetrainer. Doch auch dafür fehle das Geld, sagt sie.

Hunde aus der Zucht kosten Geld

Andrea Christ aus Flonheim (Kreis Alzey-Worms) züchtet Rauhaardackel. Wer bei ihr einen Welpen kaufen möchte, muss tief in die Tasche greifen: Ein Tier beim Züchter kostet um die 1.000 Euro. Wer das aber für einen Hund ausgebe, beschäftige sich vorher mit der Idee, einen Hund anzuschaffen, sagt sie. Welpen aus dem Ausland seien zwar günstiger, könnten aber krank sein und Papiere gebe es oft auch nicht.

Die Züchterin sieht es kritisch, wenn sich Menschen einen Hund anschaffen, ohne darüber nachzudenken, dass er auch mal krank werden kann. Dass Tierarztbesuche Geld kosten, der Hund erzogen werden muss und dass er lange leben kann. Rauhaardackel sagt sie, könnten weit über zehn Jahre alt werden.

Ein Mann geht mit einem Rauhaardackel im Wald spazieren. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christophe Gateau)
Ein Rauhaardackel vom Züchter kostet um die 1.000 Euro. picture alliance/dpa | Christophe Gateau

Schon Kinder sollten lernen, was Tiere brauchen

Im Tierheim in Mainz fordert man, dass schon Kinder in der Schule lernen sollten, wie man mit Hunden oder Katzen umgeht und was Tiere brauchen. Und Erwachsene sollten sich besser informieren, bevor sie sich einen Hund anschafften. Wer ein Tier aus dem Mainzer Tierheim haben möchte, muss ein Vermittlungsgespräch führen. Außerdem wird bei der Übernahme eines Tieres ein sogenannter Schutzvertrag abgeschlossen.

Volkshochschulkurse für neue Hundehalter

Wer sich zum ersten Mal einen Hund anschaffen möchte, kann sich bei speziellen Volkshochschulkursen informieren und vorbereiten. Hundetrainer Stefan Weisbach aus Ober-Olm bietet in Rheinhessen diese Kurse unter dem Motto "Erst der Kurs, dann der Hund" an. Mitte Januar startet ein solcher Kurs an der Kreisvolkshochschule Alzey-Worms.

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