Labradormischling Luna an der Stelle, an der die gefährlichen Köder lagen. (Foto: SWR, Ilona Hartmann)

Präparierte Leckerli an Spazierwegen

Hundeköder mit Rasierklingen in Argenschwang entdeckt

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Für Hundebesitzer ist das der Albtraum schlechthin: Ein mutmaßlicher Tierhasser legt mit Rasierklingen gespickte Leckerli aus. In Argenschwang gab es jetzt offenbar gleich mehrere Fälle.

Zwei Wochen ist es her, dass Jessi Hysenaj mit ihrem schwarzen Labrador-Mischling Luna an den Kleingärten in Argenschwang (Kreis Bad Kreuznach) spazieren geht. Plötzlich bleibt der Hund an ein paar Brennnesseln stehen, schnüffelt an einem kleinen braunen Brocken, kaut kurz darauf herum, aber spuckt ihn gleich wieder aus.

Rasierklingen hätten innere Organe verletzen können

Zum Glück, sagt die 28-Jährige, denn als sie sich den Brocken näher anschaut, kann sie nicht fassen, was sie sieht: Das Ding ist ein Hunde-Leckerli, wie man sie im Laden kaufen kann, aber darin stecken messerscharfe Rasierklingen. Hätte Luna den Klumpen heruntergeschluckt, hätten die Klingen sie tödlich verletzen können.

Zwei Köder mit Rasierklingen liegen in der Hand einer Hundebesitzerin. (Foto: Jessi Hysenaj, Argenschwang)
Diese Köder mit Rasierklingen entdeckte eine Hundebesitzerin in Argenschwang beim Gassigehen. Jessi Hysenaj, Argenschwang

Zwei Wochen später, am vergangenen Sonntag, findet eine andere Hundebesitzerin ganz in der Nähe erneut zwei solche Köder - auf die gleiche Weise präpariert. Auch in diesem Fall passiert dem Tier glücklicherweise nichts.

Brand in Kleingarten mit Hühnern und Kaninchen gelegt

Und es bleibt nicht bei den Ködern. Kurz nach dem Vorfall mit Luna brennt es in Jessis Kleingarten, wo sie Hühner, Kaninchen und zwei Lämmer hält. Jemand hat den Zaun aufgeschnitten, mehrere Holzbalken in den Garten geschleppt und angezündet. Jessi Hysenaj löscht das Feuer und informiert die Polizei. Sie selbst und die Tiere kommen mit dem Schrecken davon.

Rätseln über unbekannten Täter

Für Jessi Hysenaj ist es unvorstellbar, wer so etwas tun könnte. Ein Nachbar? Womöglich jemand, den sie gut kennt und mag? Nur eines scheint ihr sicher: Es muss jemand sein, der Tiere hasst. Und es fällt ihr schwer, im Ort noch jemandem zu vertrauen.

Auch die Ortsbürgermeisterin von Argenschwang, Petra Ender (CDU), kann es nicht fassen, dass so etwas in ihrem Dorf passiert. 350 Einwohner leben in dem beschaulichen Ort am Rande des Sonnwalds, viele haben Hunde. "Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass jemand aus dem Ort so etwas macht", sagt sie, fügt aber gleich hinzu: "Aber, dass es jemand von außerhalb war, ist doch auch total unwahrscheinlich."

"Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass jemand aus dem Ort so etwas macht."

Tatsächlich gab es in den vergangenen Wochen ähnliche Vorfälle in der gesamten Region. Auf der Facebook-Seite "Giftköderwarnungen Rheinhessen" ist von Ködern mit Rasierklingen die Rede, die bei Dalheim (Kreis Mainz-Bingen) gefunden wurden. Bei Kirn wurden kürzlich Hundeköder entdeckt, die mit Nadeln gespickt waren. In Wiesbaden starb ein Chihuahua, nachdem er mit Gift präparierte Fleischköder gefressen hatte.

Aufruf zur Vorsicht und Wachsamkeit

Petra Ender hofft von ganzem Herzen, dass der Tierhasser bald gefunden wird. Sonst könnten sich die Hundebesitzer in Argenschwang ja gar nicht mehr auf die Straße wagen. Bis dahin bleibt ihr nichts übrig, als die Menschen zu warnen und an alle zu appellieren, Augen und Ohren offenzuhalten. Im Dorf gebe es derzeit kaum ein anderes Thema, sagt die Ortsbürgermeisterin.

Gassigehen jetzt außerhalb von Argenschwang

Jessi Hysenaj und die anderen Hundehalterinnen fahren jetzt mit ihren Hunden aus Argenschwang raus, wenn sie spazierengehen wollen. Aber, sagt sie, das kann ja nicht die Lösung auf Dauer sein. Die junge Frau hat bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet und hofft, dass sie irgendwann das Vertrauen in ihre Nachbarschaft zurückgewinnen kann.

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