Ein Mann macht einen Corona-Selbsttest. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Matthias Balk)

Gesundheitsministerium entschärft Regel

Corona-Testpflicht sorgt in Mainzer Arztpraxen für Chaos

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Das neue Infektionsschutzgesetz sieht eine tägliche Testpflicht auch für geimpftes oder genesenes Personal in den Hausarztpraxen vor. Der Aufschrei ist groß - das Gesundheitsministerium rudert deshalb zurück.

Seit Mittwoch ist das neue Infektionsschutzgesetz in Kraft. Auch geimpfte oder genesene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Hausarztpraxen sollten sich nun täglich auf das Corona-Virus testen lassen. Ebenso Patientinnen und Patienten sowie ihre Begleitpersonen - unabhängig davon, ob sie geimpft oder genesen sind. "Das hat ein organisatorisches Superchaos hervorgerufen", sagt der Mainzer Hausarzt Christoph Lembens.

Es sei ein Riesenaufwand gewesen, die 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich zu testen. Außerdem hätten sie bei keiner Mainzer Apotheke weitere Corona-Tests bestellen können. "Wir wissen nicht, wie wir es stemmen sollen", sagt Lembens. Außerdem hätten Begleitpersonen von hilfsbedürftigen Menschen mit großem Unverständnis auf die Testpflicht reagiert.

"Das ist wieder mal ein gutes Beispiel dafür, dass Personen Gesetze erlassen, die von der Realität in den Praxen keine Ahnung haben."

"Das ist wieder mal ein gutes Beispiel dafür, dass Personen Gesetze erlassen, die von der Realität in den Praxen keine Ahnung haben", schreibt Burkhard Schappert, Mainzer Hausarzt, auf SWR-Anfrage. "Wir testen schon seit einem Jahr zwei Mal wöchentlich unser Personal. Jetzt das noch auszuweiten und auch noch eine zeitaufwendige Dokumentation einzuführen, ist kontraproduktiv. Wir gehen schon jetzt auf dem Zahnfleisch." 

Hausärzteverband kritisiert Regel, Gesundheitsministerium reagiert

Auch der Hausärzteverband Rheinland-Pfalz hatte das neue Infektionsschutzgesetz kritisiert. "Diese neue Vorgabe gefährdet flächendeckend die Patientenversorgung“, so die Landesvorsitzende und Saulheimer Hausärztin Barbara Römer.

Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium hat am Donnerstag auf die Kritik reagiert. "Uns haben zahlreiche Hinweise aus den Einrichtungen und vom medizinischen Fachpersonal erreicht, dass die (seit Mittwoch, Anm. d. Red.) geltende bundesrechtlich geregelte, tägliche Testpflicht für geimpftes und genesenes Personal in der Praxis über das Ziel hinausschießt", sagte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD).

Geimpftes oder genesenes Personal muss sich nur zwei Mal in der Woche testen

So hätten sich die Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsminister der Länder darauf geeinigt, dass sich geimpftes oder genesenes Personal in den Arztpraxen nur noch zwei Mal pro Woche auf Corona testen muss. Zudem sind nach Angaben einer Ministeriumssprecherin Patientinnen und Patienten und Eltern als Begleitpersonen von der Testpflicht ausgenommen. Für Begleitpersonen von hilfsbedürftigen, älteren Menschen gelte die Testpflicht allerdings noch.

Virologe Plachter sieht regelmäßige Tests bei medizinischem Personal kritisch

Der Mainzer Virologe Bodo Plachter sieht allgemein die Testpflicht im medizinischen Bereich kritisch. "Die Regel hat bei meinen Kollegen und mir für etwas Stirnrunzeln gesorgt." So sollten sich jetzt Menschen, die geimpft sind und in den vergangenen zwei Jahren Pandemie im medizinischen Bereich viel geleistet haben, nun regelmäßig testen lassen.

"Das ist das falsche Signal."

"Das ist das falsche Signal," sagt Plachter. "Man sollte lieber dorthin gucken, wo die Infektionen ablaufen." Als Beispiel nennt Plachter die Weihnachtsmärkte, Clubs, aber auch Restaurants - Orte, wo viele Menschen zusammenkämen. Denn die Kliniken seien beispielsweise durch die Hygienemaßnahmen in der Corona-Pandemie sehr gut aufgestellt.

Virologe Plachter: Informationsgewinn durch Schnelltests ist überschaubar

Zusätzlich sei der Informationsgewinn durch regelmäßige Corona-Schnelltests bei geimpften und genesenen Menschen überschaubar, sagt Plachter. "Die Tests sind wenig sensitiv." So würden die Tests gerade bei Geimpften und Genesenen spät anschlagen. "Im Zweifel sind sie dann schon zwei, drei Tage infiziert und haben vorher auch noch gearbeitet." Deshalb sollte man von dieser Regel "lieber die Finger lassen", so Plachter.

Der Mainzer Hausarzt Christoph Lembens freut sich, dass zumindest die tägliche Testpflicht seines Personals vom Tisch ist. Zwei Mal in der Woche habe sich sein Team sowieso getestet. Aber: "Wir wissen nicht, was sie sich nächste Woche einfallen lassen. Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt und müssen danach planen."

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