In Ingelheim gibt es Streit um den Notarztstandort (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Stephan Jansen/dpa | Stephan Jansen)

Monatelanger Streit um medizinische Versorgung

Kreis reagiert auf Notärzte-Vorwürfe in Ingelheim

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Es war ein seit Monaten schwelender Streit zwischen den Notärzten und der Kreisverwaltung Mainz-Bingen. Dort hat man sich jetzt geäußert.

Mindestens drei der rund 20 Notärzte, die derzeit noch die medizinische Versorgung in Ingelheim übernehmen, werden nicht weitermachen, weitere könnten folgen. Das geht aus Stellungnahmen hervor, die die Mediziner jetzt veröffentlicht haben. Als Grund wird vor allem das schlechte Verhältnis zur Kreisverwaltung Mainz-Bingen genannt.

Notärzte: "Vertrauensverhältnis zerrüttet"

In einer der Stellungnahmen heißt es wörtlich:

Kreis Mainz-Bingen: Standort bis Ende des Jahres besetzt

Ein Sprecher des Kreises sagte auf SWR-Anfrage, man habe das Schreiben der Ärzte nicht erhalten. Schon vergangene Woche habe der Kreis in einer Pressemitteilung einigen der Vorwürfe widersprochen.

In einer Pressemitteilung vom 15. Oktober 2021 heißt es jetzt, der Standort Ingelheim könne über den Oktober hinaus besetzt werden. Die Rettungsdienstbehörde Rheinhessen habe mit einem der bisher schon im Dienst befindlichen Notärzte eine Vereinbarung getroffen. Demnach übernehme dieser zukünftig die Erstellung und Organisation des Dienstplanes, heißt es.

Derzeit führe man Gespräche mit bereits in Ingelheim tätigen Notärzten und Notärztinnen. Sie hätten bereits Verträge mit Gültigkeit bis zum Ende des Jahres zugeschickt bekommen.

Auch die Finanzierung der Wache, zumindest bis Jahresende, sei gesichert. Dazu seien extra 70.000 Euro zur Verfügung gestellt worden.

"Fast alle Kollegen wollen aufhören!"

Notarzt Merk hatte zuvor gesagt, kurzfristig könne es jetzt aber passieren, dass die Ingelheimerinnen und Ingelheimer ab dem 1. November vorerst keine notärztliche Versorgung mehr haben. Denn, sagt Merk, ein Großteil der Kollegen habe gesagt, dass sie unter diesen Bedingungen nicht weitermachen wollten. Letztlich würden wohl nur zwei oder drei Ärzte und Ärztinnen aus dem derzeitigen Pool übrig bleiben, so  Merk. Im Ernstfall müssten dann Notärzte aus Bad Kreuznach, Bingen oder Mainz aushelfen.

Seit Monaten Differenzen zwischen Kreis und Notärzten

Die Stimmung zwischen den Ärzten und dem Kreis war schon seit Monaten schlecht. Begonnen hatte alles, als das Ingelheimer Krankenhaus Ende vergangenen Jahres wegen Insolvenz schließen musste. Es war bis dahin Träger der Notarztwache in Ingelheim.

Die Krankenkassen kündigten dann an, die Wache weiter zu finanzieren, allerdings nur bis zum 30. September. Die Kreisverwaltung musste nun eine Lösung finden, um die medizinische Notfall-Versorgung auch weiterhin zu garantieren. Daraufhin schloss der Kreis selbst Verträge mit den rund 20 Ärzten.

Streit um Verträge

Allerdings erhielten die Ärzte ihren Angaben zufolge immer nur sehr kurzfristige Verträge, an denen es ihrer Meinung nach mehrere Kritikpunkte gab.

Das Hauptproblem sei vor allem die sogenannte Sicherstellung in den Verträgen gewesen, erklärt der Notarzt Philipp Merk, der bislang die Besetzung der Ingelheimer Wache koordiniert hatte. Das bedeute nämlich, dass die Ärzte quasi den Betrieb der Notarztwache garantieren und auch dafür haften müssten. Das, so Merk, sei aber eindeutig eine kommunale Aufgabe und somit im Verantwortungsbereich des Kreises.

Kreis Mainz-Bingen: Notarztstandort Ingelheim erhalten

Die Landrätin des Kreises Mainz-Bingen, Dorothea Schäfer (CDU), kündigte bereits vor einer Woche an, den Notarztstandort Ingelheim erhalten zu wollen. Man tue alles Mögliche, um eine nachhaltige Zukunft ab dem Jahr 2022 zu sichern. Aktuell werde ein entsprechendes Konzept erarbeitet. Eine Idee wäre eine Kooperation mit dem Binger Heilig-Geist-Hospital. Dies sehen die Binger aber bislang skeptisch, weil erst die Finanzierung geklärt werden müsse.

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