Neue kommunale Verkehrsgesellschaft startet in einem Jahr

Busse in der Rhein-Nahe-Region sollen öfter und länger fahren

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In einem Jahr betreiben die Kreise Mainz-Bingen und Bad Kreuznach sowie die Stadt Bad Kreuznach den Busverkehr in der Region in Eigenregie. Bis dahin ist allerdings noch viel zu tun. Ein Mammutprojekt für die Region.

Am 17. Oktober 2022 soll es soweit sein: Dann sollen alle Busse in der Naheregion und auch in Teilen von Rheinhessen durch eine neue Gesellschaft organisiert werden. Nach Angaben von Uwe Hiltmann, dem Geschäftsführer der neuen Kommunalverkehr Rhein-Nahe Gesellschaft (KRN), ist das Projekt bundesweit die größte Kommunalisierung im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) - mit jährlich 14 Millionen gefahrenen Buskilometern. Nirgendwo in Rheinland-Pfalz hat eine Kommune oder eine Stadt ein so großes Gebiet, in dem sie für den ÖPNV zuständig ist.

Fast 200 Busfahrerinnen und Busfahrer gesucht

Von Null auf Hundert ist die Devise, denn noch hat die neue Busgesellschaft nichts: keine Busse, keine Betriebshöfe, kein Logo, kein Computersystem. Aber immerhin: Der erste Busfahrer hat bereits seinen Vertrag unterschrieben. Jetzt fehlen nur noch 199 weitere.

Die neue Kommunalverkehr Rhein-Nahe Gesellschaft (Foto: SWR)
Noch 199 Busfahrerinnen und Busfahrer werden gesucht

Im Flur zwischen den Büros der KRN ist die magische Zahl "199" immer deutlich zu sehen: In Form von drei Ziffern, die auf blauen Papierzetteln an die Wand gepinnt sind. Man wolle das Ziel jeden Tag vor Augen haben, sagt Hiltmann. Und es sei natürlich ein schönes Gefühl, wenn ein weiterer Vertrag unterschrieben sei und der Zähler langsam runtergehe.

"Ich habe den spannendsten Job im ÖPNV in Deutschland."

Jährlich 14 Millionen gefahrene Buskilometer

Das Startteam der neuen Gesellschaft besteht gerade mal aus einer Handvoll Menschen. An ihrer Spitze steht Geschäftsführer Uwe Hiltmann. Er und sein Team sind ambitioniert, aber alles wirkt momentan noch etwas provisorisch. 14 Millionen Fahrplankilometer pro Jahr wollen organisiert sein.

Busse fahren öfter und abends länger

Mit Start des kommunalen Verkehrs am 17. Oktober 2022 werden die neuen ÖPNV-Konzepte umgesetzt und damit der Linienverkehr deutlich erweitert. Nach Angaben von Hiltmann sollen die Busse dann nicht nur öfter fahren. Auch sei geplant, dass einige Linien abends länger unterwegs seien.

Hiltmann geht jedoch nicht so weit zu versprechen, dass es dann keine überfüllten Busse mehr gibt. Aber es gebe eine viel größere Flexibilität. Anders als bisher sind Kreise und Stadt nicht mehr an Verträge mit privaten Busunternehmen mit 10-jähriger Laufzeit gebunden. Die neue kommunale Gesellschaft will in der Anfangszeit vor allem Erfahrungen sammeln und dann gegebenenfalls nachbessern.

120 zusätzliche Busse

60 neue Busse und ebenso viele gebrauchte Fahrzeuge sind bereits europaweit ausgeschrieben worden. Elektrobusse soll es zunächst keine geben. Dafür, sagt Hiltmann, sei zu wenig Zeit und es fehlten Ladekonzepte. Wenn nach etwa fünf Jahren die gebrauchten Busse ausgetauscht werden müssen, seien aber sicher auch Elektrobusse ein Thema.

Sechs Betriebshöfe in der Region geplant

Die neue Kommunalverkehr Rhein-Nahe Gesellschaft plant sechs Betriebshöfe - zwei größere und vier kleinere. Die beiden großen Betriebshöfe sollen in Bad Kreuznach und in Rheinhessen bei Dexheim/Undenheim stationiert sein. Hinzu kommen vier kleinere Standorte in Mainz, Bingen, Kirn und Albig.

Die KRN möchte zukünftig 51 Prozent des ÖPNV-Netzes selbst übernehmen. Die restlichen 49 Prozent sollen durch private Busanbieter als Subunternehmen abgedeckt werden. Dafür möchte die kommunale Gesellschaft auch private Busbetriebe, die momentan noch in den Kreisen unterwegs sind, unter Vertrag nehmen.

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SWR