STAND
AUTOR/IN

In jedem Sommer kommt es in Rheinland-Pfalz zu Badeunfällen. Die Rettungsschwimmer der DLRG warnen eindringlich. Mit einem Selbstversuch demonstrieren sie die Gefahren beim Schwimmen im Rhein.

Samstagmittag auf der Sandaue zwischen Heidesheim und Ingelheim am Rhein: Wir sind verabredet mit dem Pressesprecher der DLRG Rheinhessen, Malte Senska, und Mitgliedern der DLRG-Ortsgruppe Ingelheim. Mit einem Selbstversuch demonstrieren sie die Gefahren beim Schwimmen im Rhein.

Mehr Schwimmer am Rhein durch Corona?

Die Ehrenämtler fürchten, dass in diesem Jahr wegen der Corona-Auflagen noch viel mehr Menschen zum Baden an den Rhein kommen als normalerweise.

"Die Schwimmbäder sind geschlossen oder lassen nur wenige Gäste rein, die Leute zieht es aber ans Wasser. Und da kommen sie halt an den Rhein. Leider", sagt der Vorsitzende der Ingelheimer DLRG-Orstgruppe Christian Virnich.

Die Gefahren werden unterschätzt

Viele würden die Strömungen im Rhein völlig unterschätzen, sagt sein Kollege Senska. Mit einem Boot und einem Jetski fahren wir gemeinsam raus auf den Rhein zu einer der breitesten Stellen im ganzen Flussverlauf.

Zwischen der Insel Mariannenaue und der rheinland-pfälzischen Rheinseite fahren keine großen Schiffe. Die Strömung ist relativ geradlinig und vergleichsweise langsam. Doch wenn Christian Virnich den Motor des DLRG-Bootes für einen Moment abstellt, merkt man sofort, wie das Wasser uns wegträgt.

"Der Rhein fließt hier mit knapp zwölf Stundenkilometer", sagt Senska. "Das entspricht einem ziemlich strammen Jogging-Tempo. Dagegen schwimmt ein untrainierter Mensch nicht an. Zumindest nicht lange." Luca Virnich, der Sohn von Christian, will uns das demonstrieren. Gut gesichert mit Neoprenanzug, Schwimmweste und Helm geht er für uns vom Ufer aus in den Rhein.

Strömung ist nicht die einzige Gefahr

Schon nach wenigen Metern treibt Luca sichtlich ab. Für uns versucht er, gegen die Strömung anzuschwimmen. In Ufernähe geht das noch teilweise, in der Flussmitte kommt er gegen den Strom aber kaum an.

Die Strömung ist aber nur eine von vielen Gefahren, erzählt uns Senska. Auch die Temperatur sei ein großes Problem. "Eigentlich ist der Rhein zu kalt zum Schwimmen". Zwar fühle sich das Wasser oft relativ warm an und der Schwimmer sei von der Sonne aufgeheizt, gerät man in die Strömung könne der Körper aber schlagartig auskühlen und verkrampfen.

Keine überwachten Badestellen in Rheinhessen

In Rheinhessen gibt es einige Stellen am Rhein, die zum Baden einladen. Davon sei jedoch aktuell keine einzige überwacht, sagt Senska. Auch nicht die sogenannten Strandbäder in Oppenheim und Ingelheim oder der Heidenfahrt Strand.

Zwar sei das Baden dort nicht verboten, wer ins Wasser gehe, tue das aber auf eigene Gefahr. Im gesamten Mainzer Stadtgebiet dagegen ist das Baden generell verboten.

In der jetzigen Situation würde er sich ohnehin ein generelles Badeverbot im Rhein wünschen, sagt Malte Senska. Wenn im Rhein gebadet werden soll, müssten auch Stellen geschaffen werden, wo das gefahrlos möglich ist und die überwacht werden. Die gebe es aber im Moment nicht.

Keine Chance gegen den Rhein

Nun will ich selbst wissen, wie sich das anfühlt. Mit Rettungsweste und Neoprenanzug springe ich mitten im Fluss vom Boot. Der Plan: Fünf Meter treiben lassen und dann versuchen, zurück zum Boot zu schwimmen.

Kurz hatte ich das Gefühl, ich käme an das Boot ran. Sehr kurz. Doch das Wasser schiebt mich unerbittlich stromabwärts. Ich schaffe es noch eine Weile, zumindest auf der Stelle zu schwimmen, dann gebe ich auf und bin froh, dass mich ein Rettungsschwimmer mit einem Jetski wieder einsammelt.

Wie sollte ich mich verhalten?

Wieder im Boot frage ich die Männer vom DLRG, wie ich hätte reagieren sollen. Die einstimmige Antwort: Treiben lassen und hoffen. Das Wichtigste sei, Ruhe zu bewahren. Man solle Kraft sparen und abwarten, wo man von der Strömung hingetrieben wird und dann langsam versuchen, in Richtung Ufer zu schwimmen.

Badeunfälle in Rheinland-Pfalz Warum Schwimmen im Rhein nicht verboten ist

Der tödliche Unfall bei Trebur am Wochenende hat es erneut gezeigt: Das Schwimmen im Rhein, wie in vielen anderen Naturgewässern, ist eine tückische Angelegenheit. Ein grundsätzliches Badeverbot gibt es allerdings nicht.  mehr...

Baden im Schwimmbad, Flüssen und Seen Darauf sollten Sie beim Baden immer achten

Baden macht auch den heißesten Sommer erträglich. Ob im Freibad oder am Badesee, im Dorfweiher oder einem Fluss: Überall gelten die Baderegeln. Wir sagen Ihnen worauf Sie beim Baden achten müssen, um weder sich noch andere zu gefährden.  mehr...

Tödlicher Badeunfall im Rhein bei Trebur Mutter und fünfjähriges Kind konnten nicht schwimmen

Der fünfjährige Junge und seine Mutter, die am Samstagabend im Rhein ertrunken sind, konnten nach ersten Erkenntnissen nicht schwimmen, das teilte ein Sprecher der Polizei Südhessen heute mit. Die Ermittlungen dauern an.  mehr...

DLRG-Expertin im SWR1-Interview "Die Situation an Flüssen wird unterschätzt"

Bei der Konstellation von zum Teil geschlossenen Schwimmbädern, 30 Grad und dem großen Wunsch nach Abkühlung, weichen viele Menschen an die Flüsse aus. Das dortige Badevergnügen ist aber mit bestimmten Gefahren verbunden.  mehr...

STAND
AUTOR/IN