Das Rückepferd Polly wird im Ober-Olmer Wald zum Holztransport eingesetzt. (Foto: SWR, Sarina Fischer)

Förster setzt auf Pferdestärke

Kaltblut Polly hilft beim Holztransport in Ober-Olm

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In Ober-Olm (Kreis Mainz-Bingen) ist mit der Kaltblut-Stute Polly diese Woche eine vierbeinige Waldarbeiterin im Einsatz. Das sogenannte Rückepferd hilft beim Holztransport - und schont ganz nebenbei den Waldboden.

Polly ist ein 750 Kilogramm schweres Kaltblut mit braun-grauem, zotteligem Fell. Das Rückepferd trägt ein spezielles Geschirr aus Seilen und einer langen Metallkette, an dem ein Baumstamm befestigt wird. Den zieht die Stute unter dem Kommando ihres Besitzers Patrick Thomas über den Waldboden. "Polly ist sehr sensibel. Die reagiert sehr fein auf die Zügel und die Stimme. Man hat ein Kommando kaum ausgesprochen, da macht sie es schon", erklärt Thomas.

Thomas hat die 12-jährige Polly selbst ausgebildet. Sie sei eine fleißige Stute, erzählt er stolz. Ungefähr 40 Tonnen Holz könne sie an einem Arbeitstag aus dem Wald ziehen. Das entspreche zwischen 150 und 200 Baumstämmen. Harte Arbeit, die Mensch und Tier aber auch Freude bereitet, versichert Thomas: "Ich denke, es tut ihr ganz gut, dass sie arbeitet. Sie ist dann ausgeglichener." Denn Kaltblut-Pferde seien speziell für die Arbeit gezüchtet worden.

"Wenn sie es nicht gerne machen würde, dann würden wir hier nichts geschafft bekommen."

Professionelle Pferderücker sind selten

Dass Polly und ihr Besitzer im Ober-Olmer Wald im Einsatz sind, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn das Handwerk ist sehr selten geworden. Deutschlandweit gibt es keine zehn Gespanne mehr, schätzt Revierförster Jan Hoffmann. Polly und ihr Besitzer sind auf seinen Wunsch extra aus der Nähe von Düren in Nordrhein-Westfalen angereist.

Pferdehufe entlasten Waldboden

Für den Ober-OImer Wald bringt das einige Vorteile. Denn Rückepferde sind für den Waldboden schonender als Maschinen. "Der Vorteil von so einem Pferd ist, dass es sehr wendig ist", erklärt Förster Hoffmann. Und man sei unabhängiger von der Witterung. Denn wenn schwere Maschinen beim Holztransport zum Einsatz kommen, müsse der Waldboden trocken oder tief durchgefroren sein - sonst könnten bleibende Schäden entstehen.

Im Ober-Olmer Wald herrschen dank des flachen Bodens und der dünnen Stämme gute Bedingungen für den Einsatz eines Rückepferdes. Wenn das Gespann dann noch so gut harmoniert wie Polly und ihr Besitzer Patrick Thomas, dauert der Holztransport nicht viel länger, als wenn Maschinen eingesetzt werden. Restlos ersetzen könnten Rückepferde die Maschinen aber nicht, sagt Förster Hoffmann.

"Man kann ein Pferd nicht in die Garage stellen und bis zum nächsten Winter warten. Sondern um das Pferd muss man sich immer kümmern. Das heißt, dass der Beruf des Pferderückers ein Stück weit auch eine Berufung ist."

Das Rückepferd Polly wird im Ober-Olmer Wald zum Holztransport eingesetzt. (Foto: SWR, Sarina Fischer)
Polly und ihr Besitzer Patrick Thomas könnten in Zukunft regelmäßig bei der Forstarbeit im Ober-Olmer Wald helfen. Sarina Fischer

Förster interessieren sich wieder für Rückepferde

Immerhin gebe es einen Trend, dass sich Förster wieder mehr für Rückepferde interessieren. Aber ob das für ein Comeback reichen werde, wisse er nicht. Polly jedenfalls wird wohl auch in Zukunft für ein oder zwei Wochen im Jahr damit beauftragt werden, im Ober-Olmer Wald aufzuräumen.

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