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Der Mainzer Schriftsteller Ror Wolf ist am Montagabend im Alter von 87 Jahren gestorben. Wolf wurde in den 70er Jahren mit der Montage von Fußball-Hörstücken bekannt.

Kulturminister Konrad Wolf (SPD) würdigte Ror Wolf am Dienstag als "einen herausragenden und vielseitigen Autor, Lyriker und Essayisten" sowie als "einen der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren nach dem Zweiten Weltkrieg". Wie wenigen anderen sei es ihm gelungen, seinen ganz eigenen Ton zu finden.

Die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) bezeichnete Wolf als "sprachmächtigen Literaten und Lyriker". "Wir verlieren mit Ror Wolf einen Autor, der von sich selbst sagte, zwar kein Mainzer Autor zu sein, aber ein in Mainz lebender Autor, der gern in Mainz lebt." Sein großartiges Werk werde noch lange nachhallen.

Unter dem Namen "Richard Georg Wolf" geboren

Ror Wolf wurde 1932 in Saalfeld in Thüringen unter dem Namen "Richard Georg Wolf" geboren. 1953 floh er in den Westen. Dort arbeitete er auf dem Bau und in anderen Aushilfsjobs, daneben studierte er Literatur, Soziologie und Philosophie.

Als 30-Jähriger begann er bei der Frankfurter Studentenzeitung "Diskus" zu schreiben, später arbeitete er beim Hessischen Rundfunk. 1963 wurde Ror Wolf freier Schriftsteller. Dass er seine Gedichte in Reimform abfasste, machte es ihm unter Kollegen schwer. Viele hielten den Reim damals für altmodisch. Es bescherte ihm jedoch auch lebenslang begeisterte Leser.

"Im Fußball findet sich eine ganze Menge Welt"

In den frühen 70er Jahren begann Ror Wolf mit der Montage von Fußball-Hörstücken. "Die Welt ist zwar kein Fußball, aber im Fußball - das ist kein Geheimnis - findet sich eine ganze Menge Welt", sagte er damals. Seine bekanntesten Hörspiele heißen: "Schwierigkeiten beim Umschalten", "Merkwürdige Entscheidung" oder "Der Ball ist rund". Viele der Werke sind für den damaligen Südwestfunk entstanden. Vom Fußball nahm Ror Wolf in den 90er Jahren seinen Abschied. "Es sei alles gesagt", meinte er.

Dauer

In Büchern wie "Nachrichten aus der bewohnten Welt" und "Raoul Tranchirers Enzyklopädie für unerschrockene Leser" wimmelt es von Balladen, Moritaten, dem Spiel mit Gattungsbegriffen und Genres. Und mit den Wetterverhältnissen - diese kehren in seinen Gedichten immer wieder.

2001, mit fast 70 Jahren, erkrankte Ror Wolf an Krebs. Der Ton seiner Gedichte wurde düsterer. Eins seiner Bücher hieß "Vorzüge der Dunkelheit". Das Buch ist "eine Mischung als Melancholie und Komik, die jeweils von der Stimmung noch unterstützt wird", sagte er.

"Der Virtuose des Verschwindens"

Ror Wolf wurde von "ZEIT"-Kritiker Volker Hage als "Virtuose des Verschwindens" bezeichnet. Seine Helden und der Autor teilten sich das Schicksal, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Der Schöffling-Verlag in Frankfurt nahm sich in den letzten Jahren Wolfs Werken an und gab sogar eine neue, zweite Werkausgabe heraus.

Der Nachlass Wolfs wurde noch zu Lebzeiten dem Marbacher Literaturarchiv übergeben. Es seien einige bedeutende Briefwechsel dabei, heißt es. Bis zum Schluss arbeitete Ror Wolf an seiner Biographie.

Vielfacher Preisträger

Der Georg-K.-Glaser-Preis des Landes Rheinland-Pfalz und des SWR war der letzte, den er selbst annehmen konnte. Es folgten der Günther-Eich-Preis in Leipzig, der Schiller-Gedächtnispreis in Stuttgart und 2018 der Rainer-Malkowski-Preis in München. In der Preisrede dafür las Ror Wolf ein unveröffentlichtes Gedicht über Hans Waldmann sein lyrisches alter Ego.

Die letzten 30 Jahre seines Lebens verbrachte der Dichter, Hörspielautor und Collagenkünstler auf dem Mainzer Kupferberg.

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