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Seit Jahren versuchen Kommunalpolitiker und ein Investorenteam, ein ehemaliges Militärgelände in Nierstein zu entwickeln. Doch eine Einigung darüber, was dort entstehen soll, scheint in weiter Ferne zu sein.

Was ist der Rhein-Selz-Park?

Wem gehört der Rhein-Selz-Park?

Was hat es mit der umstrittenen Offroad-Strecke auf sich?

Wie ist der Stand der Dinge beim Thema Offroad?

Was will Nierstein im Rhein-Selz-Park?

Was wollen die Eigentümer des Rhein-Selz-Parks?

Was hat es mit den kuwaitischen Investoren auf sich?

Was ist der Rhein-Selz-Park?


Der Rhein-Selz-Park ist ein ehemaliges Kasernengelände. Bis 2009 nutzte die US-Armee das rund 75 Hektar große Areal. Danach gingen ehemalige Kaserne, die Familienbehausungen und die ehemaligen Raketenstellungen und Bunker in den Besitz der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten über.  

Die ehemaligen Anderson-Barracks, die nun Rhein-Selz-Park heißen, liegen an der Bundesstraße 420 zwischen der A63 und dem Rhein. Das Gelände gehört zur Stadt Nierstein und liegt unweit des Niersteiner Stadtteils Schwabsburg und der Gemeinde Dexheim.  

Wem gehört der Rhein-Selz-Park? 

Die Mainzer Immobiliengesellschaft des Projektentwicklers Wolfram Richter kaufte das Gelände vom Bund. Zusammen mit der Stadt Nierstein und der übergeordneten Verbandsgemeinde Rhein-Selz gründete Richter die Rhein-Selz-Park GmbH, die das Ziel hat, das ehemalige Kasernengelände zu entwickeln und die Grundstücke darauf zu verkaufen. Richter hat inzwischen seinen Kompagnon Ottmar Knußmann mit den Angelegenheiten des Rhein-Selz-Parks betraut.  

Was hat es mit der umstrittenen Offroad-Strecke auf sich? 

Schon sehr früh nach dem Kauf hatte Richter die Idee, auf dem Gelände eine Offroad-Strecke zu bauen, für Geländewagen und Motocross. Von der damaligen Niersteiner Stadtspitze bekam er dafür Zustimmung. Vor allem Anwohner im Niersteiner Stadtteil Schwabsburg befürchteten jedoch starken Motorenlärm. Der Widerstand aus der Bevölkerung führte bei den Kommunalwahlen 2019 zu deutlichen Verschiebungen im Stadtrat. So hatte die Partei des damaligen CDU-Bürgermeisters Thomas Günter einen Stimmenverlust von mehr als 20 Prozentpunkten. Die Mehrheit im Rat war nun gegen eine Offroad-Strecke. Nach dem ein erster Bebauungsplan wegen formeller Mängel von einem Gericht gekippt wurde, verhängte der Stadtrat eine sogenannte Veränderungssperre für das Gebiet der geplanten Strecke.  

Wie ist der Stand der Dinge beim Thema Offroad? 

Richter und Knußmann halten an der Offroad-Strecke fest. Sie haben gegen die Veränderungssperre geklagt und in erster Instanz Recht bekommen. Die Stadt Nierstein ist in Revision gegangen, das Verfahren liegt nun beim Oberverwaltungsgericht (OVG) in Koblenz. Die Kreisverwaltung Mainz-Bingen hatte außerdem den immissionsrechtlichen Antrag zur Offroad-Strecke nicht genehmigt. Auch dagegen haben die Projektentwickler erfolgreich geklagt, auch dieses Verfahren liegt jetzt bei der nächsten gerichtlichen Instanz. In beiden Fällen geht es um Schadenersatz in Millionenhöhe, den Richter und Knußmann fordern.

Was will Nierstein im Rhein-Selz-Park? 

Offiziell will der Stadtrat in Nierstein die Offroad-Strecke verhindern, das war seit Beginn der Legislaturperiode das Ziel. Dazu passt, dass der Rat in seiner jüngsten Sitzung einen Bebauungsplan für das Areal auf den Weg gebracht hat, der den Bau einer Offroad-Strecke ausschließt. An gleicher Stelle soll stattdessen ein Gewerbegebiet entstehen.  

Dieser Beschluss könnte aber in erster Linie auch gefasst worden sein, um im Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht Koblenz bessere Karten zu haben. Nierstein signalisiert mit diesem Beschluss den Richtern: Wir sind aktiv dabei, das Gelände für eine andere Nutzung zu erschließen. Es geht uns nicht allein darum, die Offroad-Strecke zu verhindern.  

Inoffiziell scheint es aber auch im Stadtrat immer mehr Sympathien für einen neuen Vorschlag der Projektentwickler zu geben. 

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Was wollen die Eigentümer des Rhein-Selz-Parks? 

Eigenen Angabe zufolge hat Ottmar Knußmann inzwischen die Pläne für die Offroad-Strecke abgespeckt, sie soll nur noch fünf Jahre im Freien genutzt werden. Danach will er sie in einer Halle betreiben. Auch ein Verzicht auf laute Fahrzeuge auf der Strecke steht im Raum.  

Seit Ende März gibt es laut Knußmann außerdem drei Interessenten, die ein riesiges Rechenzentrum im Park errichten und dafür Milliarden Euro investieren wollen. Eine erste Machbarkeitsstudie soll es bereits geben.  

In diesem Zusammenhang hat Knußmann außerdem ein Sportschwimmbad in Aussicht gestellt, das neben dem Rechenzentrum gebaut werden soll. Die enorme Wärme, die eine Server-Halle eines Rechenzentrums erzeugen würde, solle unter anderem zum Beheizen des Bades genutzt werden. Das alles aber nur unter der Bedingung, dass auch die Offroad-Strecke gebaut werden kann.

Gibt es weitere Streitpunkte um den Rhein-Selz-Park? 

Ja. Die Stadt Nierstein hatte 2015 die ehemalige Sporthalle der US-Amerikaner auf dem Gelände gekauft. Bis heute, so Richter und Knußmann, habe die Stadt den Kaufpreis nicht bezahlt. Deshalb haben Richter und Knußmann den Kauf für unwirksam erklärt. Da die Stadt aber bereits Sanierungsmaßnahmen an der Halle begonnen hat, fordern die Projektentwickler nun den Rückbau oder einen finanziellen Ausgleich von der Stadt. 

Was hat es mit den Investoren aus Kuwait auf sich?

Die kuwaitischen Investoren hatten dort ein großes Areal gekauft. Dort sollten Ferienvillen entstehen. Die Kuwaitis haben sich inzwischen zurückgezogen, die Ferienvillen werden nicht gebaut. Das Gelände wird jetzt zwangsversteigert.  

Nach den Streitereien um die Offroad-Strecke und die Sporthalle untersagen Richter und Knußmann nun allen Verantwortlichen der Stadt Nierstein und der übergeordneten Verbandsgemeinde Rhein-Selz den Zutritt zum Gelände. Das besondere Problem: Das Planungsbüro, das den Bebauungsplan für das geplante Gewerbegebiet erstellen soll, müsste dafür das Areal besichtigen und untersuchen. Der Plan wird, Stand heute, nicht erstellt werden können.  

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