Schild der "Anderson Barracks" im Rhein-Selz-Park (Foto: SWR)

Nach jahrelangem Streit um Konversionsgelände

Überraschende Wendung: Möglicherweise doch Rechenzentrum im Rhein-Selz-Park in Nierstein

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AUTOR/IN
Jürgen Wolff

Es ist eine kleine Sensation: Nach einem jahrelangen politischen Streit soll im Niersteiner Rhein-Selz-Park, einer ehemaligen amerikanischen Kaserne, nun ein Rechenzentrum entstehen. Der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt hat dem Projekt bereits zugestimmt.

Was Niersteins Bürgermeister Jochen Schmitt (FWG) am Mittwochabend verkündete, daran hatten viele Menschen nicht mehr geglaubt. 2014 hatte der Mainzer Investor Wolfram Richter das Gelände übernommen. Und seither gab es Streit, Uneinigkeit und jede Menge Missverständnisse. Jetzt scheint sich endlich etwas zu bewegen.

Die Rhein-Selz-Park GmbH hat sich darauf geeinigt, im Westteil des Geländes ein Rechenzentrum zu bauen. Ihr gehören Investor Richter, dessen Frau sowie Vertreter der Stadt Nierstein und der Verbandsgemeinde Rhein-Selz an.

Rechenzentrum soll für satte Steuereinnahmen sorgen

Sollte am 7. Juli der Niersteiner Stadtrat dem Projekt zustimmen, wäre das der mögliche Beginn einer Sanierung der städtischen Finanzen. Denn Nierstein hat mehrere Millionen Euro Schulden, und mit einem Rechenzentrum würde reichlich Geld in den Stadtsäckel fließen. Zum einen würde die Stadt pro verkauftem Quadratmeter Land Geld bekommen, was allein bereits einen Millionenbetrag ausmachen würde. Hinzu kämen hohe Gewerbesteuern, die dazu führen könnten, dass Nierstein künftig schuldenfrei ist.

Etwa 500.000 Quadratmeter Land sollen an Investor verkauft werden

Eine etwa 500.000 Quadratmeter große Fläche im Niersteiner Rhein-Selz-Park soll an einen Investor verkauft werden. Nach SWR-Informationen soll er dort das Rechenzentrum bauen, das dann von einem Betreiber genutzt wird. Welche Unternehmen das sind, ist derzeit noch nicht bekannt. Auch nicht, wie viele Arbeitsplätze dort entstehen könnten. Der Investor müsse zusätzlich zum Kaufpreis auch Erschließungskosten übernehmen. Ottmar Knußmann, der mit Wolfram Richter für die Vermarktung des Rhein-Selz-Parks verantwortlich ist, sagte dem SWR, allein dies koste mehrere 100.000 Euro. Neben dem Bau einer Kläranlage müssten unter anderem auch weitere Stromleitungen gelegt werden, um den enormen Energiebedarf eines Rechenzentrum zu decken. Dort sollen zentral Computerdaten gespeichert werden.

Offroad-Strecke bleibt Streitpunkt

Die Offroad-Strecke, die Knußmann und Richter auf dem Areal bauen wollen, steht zwar in keinem Zusammenhang mit dem jetzt geplanten Rechenzentrum, denn dieses soll auf dem Westteil entstehen, mit einem eigenen Flächennutzungs- und Bebauungsplan. Dennoch sind die beiden Investoren davon überzeugt, dass sie im Ostteil die Motocross-Strecke bauen können. Darüber soll das Bundesverwaltungsgericht entscheiden. Am Oberverwaltungsgericht hatten die Investoren ihren Streit gegen die Stadt Nierstein bereits gewonnen. Der Stadtrat will die Offroad-Strecke aber nach wie vor verhindern.

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