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Vor dem Mainzer Landgericht hat der Prozess gegen sechs Männer begonnen. Sie sollen in Worms schwer bewaffnet eine mutmaßlich verfeindete Gruppe angegriffen haben.

Bei der Auseinandersetzung vor dem Wormser "Café Royal" waren im vergangenen Mai acht Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt worden. Die sechs Angeklagten, fünf stammen aus der Türkei und einer aus Bulgarien, sollen einer Gerichtssprecherin zufolge zu einer Gruppe von etwa 15 Personen gehört haben. Die andere Gruppe bestand demnach aus etwa 20 bis 25 Menschen.

Totschlag, Körperverletzung, Sachbeschädigung

Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung - das sind die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen die Angeklagten im Alter von 19, 20, 21, 28, 35 und 37 Jahren. Dem 37-Jährigen werden darüber hinaus versuchter Totschlag und Verstöße gegen das Waffengesetz zur Last gelegt. Der 28-Jährige soll ihm dabei geholfen haben.

Der 37-Jährige und zwei weitere Angeklagte sind vorbestraft, zum Teil auch einschlägig. Alle sechs Männer sitzen derzeit in Untersuchungshaft.

Rache mit Schusswaffe, Macheten und Messern

Zu der blutigen Auseinandersetzung war es nach Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft nach einem Streit zwischen zwei Männern gekommen. Dabei soll ein Neffe des 37-Jährigen verletzt worden sein. Daraufhin taten sich mehrere Männer zusammen, um sich zu rächen. Insgesamt sollen 15 Personen, bewaffnet mit Macheten, Holzlatten, Messern, Baseballschlägern und einer Schusswaffe, zum Café Royal in der Wormser Innenstadt gezogen sein, wo sich die Gruppe des Kontrahenten aufhielt.

Durch Bauchschuss lebensgefährlich verletzt

Die verfeindeten Gruppen trafen nach Angaben der Staatsanwaltschaft vor dem Café aufeinander. Der 37-Jährige soll im Laufe der Auseinandersetzung einem Mann in den Bauch geschossen haben. Der 54-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt, konnte aber durch eine Not-Operation gerettet werden. Ein anderer Schuss traf einen 38-Jährigen, er wurde oberflächlich verletzt. Ein weiterer Mann soll durch ein Messer erhebliche Verletzungen am Arm erlitten haben.

Hauptangeklagter bedauert Schüsse

Bei der Auseinandersetzung ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft erheblicher Sachschaden entstanden. So seien unter anderem die Fensterscheiben des Cafés zu Bruch gegangen. Die Polizei berichtete, dass mehr als 50 Personen an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen seien. Der 37-Jährige, der geschossen haben soll, ließ am ersten Prozesstag über seine Anwältin eine Erklärung verlesen. Darin hieß es unter anderem, dass er mit den Schüssen niemanden verletzen wollte. Er hoffe, dass ihm das Opfer irgendwann verzeihe.

Warum eskalierte der Streit in Worms?

Die Staatsanwaltschaft spricht von Rache für die Verletzung an dem Neffen des 37-Jährigen. Der Angeklagte ließ am ersten Prozesstag durch seine Anwältin eine Erklärung verlesen. Darin schilderte er seine Sicht der Dinge. So sei er vor der Massenschlägerei von Mitgliedern der anderen Gruppe provoziert und verletzt worden. Die Erklärung beinhaltete auch eine Entschuldigung. Eine Polizistin, die ebenfalls am ersten Prozesstag als Zeugin gehört wurde, berichtete über viel Blut vor und in dem Wormser Café. Die Ermittlungen seien teilweise aufwändig gewesen. Ein Beteiligter habe zunächst falsche Personalien angegeben, es mussten europäische Haftbefehle ausgestellt und Funkzellendaten ausgewertet werden.

24 Verhandlungstage angesetzt

Zum Verhandlungsauftakt am Montagmorgen befanden sich etwa 40 Menschen im Gerichtssaal. Neben den sechs Angeklagten auch deren Verteidiger und Verteidigerinnen - dazu Dolmetscher für die Angeklagten und Zeugen. Für den Prozess sind zunächst 24 Verhandlungstage angesetzt. Allein zu den ersten vier Terminen hat das Landgericht 31 Personen geladen. Mit einem Urteil wird im Mai gerechnet.

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