Dem Angeklagten, der ein kurzärmeliges Hemd trägt, werden vor Prozessbeginn die Handschellen abgenommen. (Foto: SWR, C. Spohn)

37-Jähriger vor Gericht

Prozess um Feuer im Mainzer Hochhaus: Angeklagter streitet alles ab

STAND

Im März dieses Jahres war in einer Wohnung im 13. Stock eines Hochhauses auf dem Mainzer Lerchenberg ein Feuer ausgebrochen. Der mutmaßliche Brandstifter steht jetzt vor Gericht.

Der 37-jährige Angeklagte ist der Mieter des Appartements im 13. Stock. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn, selbst in seiner Wohnung das Feuer gelegt zu haben. Er ist der schweren Brandstiftung angeklagt.

Vor dem Mainzer Landgericht ließ der Mann seinen Verteidiger eine Erklärung vorlesen. Darin bestreitet er, das Feuer gelegt zu haben. Er sei in der Brandnacht in der Mainzer Innenstadt unterwegs gewesen. Gegen Mitternacht sei er mit der Straßenbahn auf den Mainzer Lerchenberg zurückgefahren. An einer Straßenkreuzung habe selbst erst gesehen, dass es in dem Hochhaus brenne. Was dann in der Nacht weiter passiert ist, wollte er dem Gericht nicht sagen.

Polizei hatte ihn vor dem Hochhaus festgenommen

Seine Nachbarn hatten die Einsatzkräfte sofort auf den Angeklagten aufmerksam gemacht. Sie äußerten den Verdacht, er habe selbst seine Wohnung angezündet. Die Polizisten entdeckten den Angeklagten vor dem Hochhaus und nahmen ihn noch während der Löscharbeiten fest.

Auf der Polizeidienststelle ist er den Beamten dann durch sein seltsames Verhalten aufgefallen. "Er hat Selbstgespräche geführt", sagte ein Polizeibeamter vor Gericht aus. Daher sei der 37-Jährige in die Psychiatrie gekommen. Wenig später ist er dann in die geschlossene Abteilung der Rheinhessen-Fachklinik in Alzey überwiesen worden, wo er nach wie vor ist.

Angeklagter gilt als schuldunfähig

Es handelt sich um ein sogenanntes Sicherungsverfahren. Die Richter müssen entscheiden, ob der Angeklagte in einem psychiatrischen Krankenhaus dauerhaft untergebracht werden soll. Dem 37-Jährigen werden neben schwerer Brandstiftung weitere Straftaten vorgeworfen, darunter Beleidigung, Bedrohung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Laut Staatsanwaltschaft leidet der Angeklagte unter einer paranoiden Schizophrenie. Schon in jungen Jahren erzählte der 37-Jährige vor Gericht, musste er wegen schwerer Depressionen in eine Klinik. Später sei dann die Schizophrenie festgestellt worden. Immer wieder sei er in der Psychiatrie gewesen und habe Medikamente bekommen. Vor zwei Jahren habe er die dann abgesetzt und sei zunehmend ohne Energie gewesen. Da er nicht mehr zur Arbeit gegangen sei, habe er jeden Tag Filme geschaut. "Waschen und den Haushalt machen, habe ich einfach nicht mehr geschafft," so der 37-Jährige vor Gericht.

Polizisten bedroht

Laut Anklage soll der Mann dann in dem Hochhaus in Mainz-Lerchenberg randaliert und einem herbeigerufenen Polizisten gedroht haben, ihn in den Hals zu stechen. Auch wird ihm vorgeworfen, eine Bankangestellte und einen Tankwart bedroht zu haben. Diese Taten hat er vor Gericht gestanden. Am 2. März dieses Jahres soll er dann den Brand in seinem eigenen Appartement gelegt haben, was er bestreitet.

Feuer brach im 13. Stock aus

Die Wohnung des 37-jährigen Mannes lag in der 13. Etage des Hochhauses. Durch die starke Rauchentwicklung wurden 17 Wohnungen beschädigt. Etwa 40 Einsatzkräfte der Mainzer Feuerwehr brauchten fast zwei Stunden, um den Brand zu löschen. Für den größten Teil der etwa 230 Bewohner des Hochhauses bestand laut Einsatzbericht keine unmittelbare Gefahr. Das Gebäude wurde daher nur zum Teil evakuiert.

Mainz

Mann stirbt nach Angriff Mutmaßlicher Schläger vor dem Mainzer Landgericht

Ein 24-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Mainz wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Er soll für den Tod eines Mannes verantwortlich sein.  mehr...

Mainz

Vorwurf der politischen Beeinflussung Wikipedia prüft Fall eines Mainzer Autors

Viele Deutsche verlassen sich auf die Online-Enzyklopädie Wikipedia: Sie wird täglich mehr als 27 Millionen Mal aufgerufen. Einem Mainzer Wikipedia-Autor wird nun vorgeworfen, Beiträge gegen Bezahlung verändert zu haben.  mehr...

STAND
AUTOR/IN