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Polizisten haben Mitte Mai in einer Mainzer Kneipe gefeiert - ohne Abstand einzuhalten und Masken zu tragen. Jetzt kam heraus: Auch Mitglieder des Innenministeriums und des Landeskriminalamts waren dabei.

Der stellvertretende Polizeipräsident Thomas Brühl hatte das am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags mitgeteilt. Neben den jeweils zwei Mitarbeitern von Ministerium und LKA waren nach Angaben Brühls insgesamt 45 Polizisten in der Kneipe gewesen - über den Tag verteilt.

Immer mehr Polizisten in der Kneipe

Die Polizei hatte nach dem Vorfall bekannt gegeben, dass die Beamten zunächst ordnungsgemäß Plätze reserviert und sich "in geringer Anzahl" in dem Lokal aufgehalten hatten. Im Verlauf des Abends habe die Zahl der Gäste - darunter Polizisten - jedoch zugenommen. Dabei seien weder Abstände eingehalten noch Mund-Nase-Masken getragen worden.

Die Gaststätte soll auch länger geöffnet gewesen sein als bis zur im Mai gültigen Sperrzeit von 22 Uhr. Nachdem eine Streife zur Gaststätte gefahren war, habe sich die Gruppe aufgelöst, sagte ein Sprecher. Eine Uhrzeit nannte er nicht.

Distziplinarverfahren eingeleitet

Gegen 42 Polizisten habe das Mainzer Polizeipräsidium nach Angaben von Thomas Brühl Disziplinarverfahren eingeleitet. Außerdem seien gegen die zwei Mitarbeiter des Innenministeriums Ermittlungen und gegen einen Mitarbeiter des Landeskriminalamts ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Den Beamten drohen dienstrechtlich Rügen und Geldstrafen von bis zu 400 Euro.

Feier gingen Beförderungen voraus

"Es ist für die Führung der Polizei in Mainz nicht akzeptabel, dass offensichtlich eine kleine Gruppe Polizeibeamter das gute Ansehen der Mainzer Polizei mit diesem nicht zu tolerierenden Verhalten schädigt", hieß es in einer Mitteilung der Polizei im Mai. Nach Angaben eines Polizeisprechers war der Feier der Beförderungstag der rheinland-pfälzischen Polizei vorausgegangen. Außerdem hatte am selben Tag die Beerdigung eines unerwartet verstorbenen 40-jährigen Kollegen stattgefunden. Wegen der Corona-Verordnung durften die Polizistinnen und Polizisten nicht an der Trauerfeier teilnehmen.

Ansehen der rheinland-pfälzischen Polizei leidet

Von Seiten des rheinland-pfälzischen Innenministeriums hieß es: "Die Bürger müssen darauf vertrauen können, dass die Polizisten die Maxime des konsequenten Handelns und Einschreitens der Polizei zur Eindämmung der Corona-Pandemie auch jederzeit - dienstlich wie privat - als Maßstab an das eigene Verhalten angelegen."

Es sei bedauerlich und nicht hinnehmbar, wenn das Ansehen der rheinland-pfälzischen Polizei durch den Vorfall in einer Gaststätte in der Mainzer Altstadt leidet, schrieb eine Sprecherin.

Wirt droht Bußgeld

Auch der Wirt müsse sich auf ein Bußgeld in Höhe von einigen tausend Euro einstellen, sagte Ordnungsdezernentin Manuela Matz (CDU) nach dem Vorfall. Derzeit werde untersucht, ob und in wieweit er Hygienemaßnahmen nicht eingehalten sowie gegen Zutritts- und Dokumentationspflichten verstoßen habe.

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