Wer sein Handy am Steuer benutzt, den findet die Polizei künftig mit dem neuen Kamerasystem.  (Foto: dpa Bildfunk, Melissa Erichsen)

Unfälle verhindern

Polizei in Mainz und Trier mit neuer Technik gegen Handy-Sünder am Steuer

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Mal schnell eine Handy-Nachricht beim Autofahren lesen oder nach der richtigen Route schauen - das ist gefährlich. Die rheinland-pfälzische Polizei testet deshalb ab 1. Juni ein neues Überwachungssystem.

Das Überwachungssystem "Monocam" wird zum ersten Mal in Deutschland ausprobiert. Die niederländische Polizei hat es zusammen mit der Universität Utrecht entwickelt.

Die "Monocam" soll ab 1. Juni erst drei Monate im Bereich des Polizeipräsidiums Trier und danach drei Monate im Polizeipräsidium Mainz getestet werden. Die Polizei Rheinland-Pfalz und der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) haben die "Monocam" am Donnerstag vorgeführt.

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Beim ersten Testlauf schon 10 Handy-Sünder erwischt

Dafür hat die Polizei die "Monocam" auf einer Autobahnbrücke über der A60 bei Mainz- Finthen aufgebaut. Sie besteht aus einer Kamera, einem Laptop mit spezieller Software und einem Überwachungswagen.

Das neue Überwachungssystem monocam mit Kamera und Laptop überführt Handy-Sünder am Steuer. (Foto: SWR)
Die Kamera und der Laptop mit der speziellen Software auf der Autobahnbrücke spüren Handy-Sünder am Steuer auf.

Von der Fahrbahn aus war sie kaum zu sehen. Einige hundert Meter vorher waren die Autofahrenden allerdings mit einem großen Schild auf die neue Handyüberwachung aufmerksam gemacht worden. Trotz dieses Hinweises: In der ersten halben Stunde ihres Einsatzes hat die "Monocam" schon zehn Verstöße gegen das Handy-Verbot am Steuer gefunden.  

Intelligente Technik scannt Hand-Haltung

Möglich machen das die Kamera und die Software. Die Kamera beobachtet von schräg oben den Verkehr. Eine intelligente Software scannt dabei, ob die Menschen am Steuer ein Gerät halten und dabei eine bestimmte Hand-Haltung einnehmen. Gibt es einen Verdacht, macht die Kamera ein Foto. Das werten speziell geschulte Polizisten in einem Überwachungswagen aus. Sie entscheiden, ob das Foto eindeutig einen Handy-Verstoß zeigt.

Die Polizisten prüfen zum Beispiel, wo der Fahrer hinschaut, wie gut das Gerät in seiner Hand als Smartphone oder Tablet zu erkennen ist, ob man ein Logo eines Handyherstellers sehen kann. Sie versuchen auch festzustellen, ob der Fahrer oder die Fahrerin auf das Gerät gerade tippt oder in das Mobiltelefon spricht.

Polizisten werten die Fotos aus, die das neue Überwachungssystem von Handy-Nutzern am Steuer macht. (Foto: SWR, Antje Seemann)
Innenminister Roger Lewentz (SPD) schaut Polizisten bei der Auswertung der Fotos des neuen Überwachungssystems gegen Handy-Nutzung am Steuer zu. Antje Seemann

Testphase der "Monocam" in Mainz und Trier 

Polizeirat Matthias Emmerich aus Trier leitet die landesweite Arbeitsgruppe zur Erkennung von sogenannten Ablenkungsverstößen. Bei der Suche nach einer solchen Technik hat er Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Niederlanden aufgenommen. Sie haben der Polizei in Rheinland-Pfalz für die Testphase eine Kamera und auch die Software zur Verfügung gestellt.

"Schwerpunkt der Kontrollen sollen vor allem die Autobahnen sein. Hier besteht wegen der hohen Geschwindigkeit auch ein höheres Risiko für schwere Unfälle“, sagt Emmerich. Grundsätzlich kann sie aber auf allen Straßen eingesetzt werden. 

"Wir wollen Verkehrstote verhindern, keine Bußgelder eintreiben"

Wer beim Nachrichtenschreiben oder Telefonieren mit dem Mobiltelefon am Steuer erwischt wird, muss 100 Euro Bußgeld zahlen und bekommt einen Punkt in Flensburg. Doch der Polizei und dem Innenministerium gehe es nicht um das Bußgeld, sagt Matthias Emmerich, man wolle verhindern, dass Menschen auf den Straßen sterben.

Das Pilotprojekt soll am Ende zeigen, ob in den Bereichen, die die "Monocam" überwacht, tatsächlich weniger Menschen am Steuer während der Fahrt zum Smartphone greifen. 

Auswertung Testlauf Ende des Jahres

Ende des Jahres soll das Projekt ausgewertet werden. Bei Erfolg könnte die Handy-Überwachungskamera dann im ganzen Land eingesetzt werden. Ein Set aus Kamera, Software und speziellem Laptop kostet rund 20.000 Euro in der Anschaffung.  

Die Autofahrer, die am Donnerstag bei der Vorführung der "Monocam" mit einem Handy am Steuer erwischt worden sind, kommen nochmal so davon. Das Bußgeld wird erst ab dem 1. Juni fällig. 

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SWR