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Auf einer öffentlichen Toilette in der Nähe des Mainzer Hauptbahnhofs ist ein 38-jähriger Mann tot aufgefunden worden. Er ist der dritte Wohnungslose, der in diesem Winter in Mainz verstorben ist.

Der Tote wurde laut Polizei bereits am vergangenen Mittwochmittag entdeckt. Die Todesursache sei noch unklar und werde derzeit von der Rechtsmedizin untersucht, so Polizeisprecher Matthias Bockius. Es gebe bisher aber keine Hinweise auf eine Fremdeinwirkung. Das müsse die rechtsmedizinische Untersuchung aber noch abschließend klären. Vielleicht gebe es erste Ergebnisse schon Ende der Woche.

Eine Putzkraft hatte die öffentliche Toilette in Bahnhofsnähe gereinigt. "Dabei war eine Tür abgeschlossen. Nachdem die geöffnet werden konnte, fand man dort eine leblose Person", so Bockius. Der Notarzt hätte nur noch den Tod feststellen können.

Toter hatte zwei Kinder und suchte Arbeit

Für die Polizei eine unbekannte Person - für den Arzt Gerhard Trabert vom Verein "Armut und Gesundheit" ein Mann mit Geschichte: Er habe den wohnungslosen Mann schon mehr als zehn Jahre gekannt, sagte er dem SWR. Der 38-Jährige habe in Mainz zusammen mit seinem Vater auf der Straße gelebt. Er stamme aus Osteuropa und habe dort zwei Kinder.

"Er war ein sehr liebenswerter Mann. In seiner Heimat hat er zwei Kinder und ist nach Deutschland gekommen, um Arbeit zu finden."

Gerhard Trabert, Verein "Armut und Gesundheit"

"Sein Tod war für unser ganzes Team ein Schock", sagte Trabert. Eine Woche vorher hätten sie noch mit ihm gesprochen und ihm geraten, in die Containersiedlung der Stadt für Obdachlose zu gehen. Er habe jedoch klar vermittelt, dass ihm das zu eng sei, mit noch zwei weiteren Personen in einem kleinen Container zu leben.

"Es muss alternative Wohnformen geben"

"Viele werden vielleicht sagen, da ist er selbst Schuld", so Trabert. Der Meinung ist der Arzt aber nicht. "Viele Menschen halten es nicht aus, auf so engem Raum mit anderen zusammen zu leben." Es müssten alternative Wohnformen angeboten werden. In Bad Kreuznach oder Wiesbaden gebe es Container für Einzelpersonen, womit man sehr gute Erfahrungen mache.

Gerhard Trabert (Foto: SWR)
Arzt Gerhard Trabert vom Verein "Armut und Gesundheit" fordert mehr Einzelcontainer für Wohnungslose im Winter.

Stadt soll über Einzelcontainer nachdenken

In Mainz brauche man für so ein Angebot nur einen Stellplatz, so Trabert. Die Kosten für die Container, die Versorgung und die Betreuung würde sein Verein "Armut und Gesundheit" übernehmen. Darüber habe es bereits in der Vergangenheit Gespräche mit verschiedenen Stadtratsfraktionen gegeben - letztlich sei das Angebot abgelehnt worden. Trabert wünscht sich, dass die Stadt nochmal darüber nachdenkt.

In diesem Winter sind bislang schon drei wohnungslose Menschen in Mainz verstorben - in so kurzer Zeit ungewöhnlich viele, so Gerhard Trabert. Im Dezember war eine ältere Frau in ihrem Zelt erfroren. Anfang dieses Monats starb ein obdachloser Mann im Krankenhaus. Nach Traberts Angaben kommen jedes Jahr in Mainz etwa 25 Wohnungslose ums Leben.

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