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Kai Mahler lebt seit 15 Jahren auf der Straße. Normalerweise kann er sich tagsüber in der Mission Leben in Mainz aufhalten. Wegen Corona geht das nicht mehr.

Der 38-Jährige muss wegen der Corona-Pandemie andere Plätze finden, um sich aufzuwärmen. Auch eine Übernachtungsstelle zu finden, sei schwer, erzählt er: "Da mach' ich meistens Platte: Das ist Isomatte, Schlafsack."

Beim Tagesaufenthalt von Mission Leben in Mainz bekommt er zumindest noch ein Frühstück. Wegen Corona darf die Küche allerdings nicht betreten werden. Stattdessen teilen Helfer Essenspakete durchs Fenster aus. Kai ist zufrieden mit der Regelung: "Die Verpflegung hier ist eigentlich recht gut. Man muss halt viele Regeln einhalten." Und dann schiebt er nach: "Auf der Straße ist es nicht leicht mittlerweile."

"Massive Einschränkungen für den Menschen"

In der Mission Leben gibt es für die Wohnungslosen nicht nur Essen, sondern auch eine Kleiderkammer oder die Möglichkeit, Wäsche zu waschen und zu duschen. Doch das Angebot ist durch die Pandemie eingeschränkt.

Tanja Scherer leitet die Einrichtung und berichtet: "Die Leute dürfen seit Corona-Zeiten nicht mehr in den Tagesaufenthalt, sondern müssen sich draußen aufhalten. Sie dürfen nur mit Maske rein zur Beratung, auch nur einzeln." Möglichkeiten sich aufzuwärmen gebe es dieses Jahr kaum, denn auch Kneipen und Restaurants seien dicht.

Sorge vor Corona

Sorgen macht sich Tanja Scherer auch wegen der Erkältungszeit. Man wisse nie, ob jemand eine normale Erkältung habe oder eben Corona. Auch sei gar nicht klar, wer wohnungslose Menschen überhaupt teste.

Arztmobil übernimmt auch Corona-Tests

Tests auf das Corona-Virus bei den Wohnsitzlosen übernimmt häufig der Verein Armut und Gesundheit. Dr. Gerhard Trabert und sein Team sind mit ihrem Arztmobil, einer Art Hausarztpraxis für wohnungslose Menschen, in Mainz unterwegs.

Durch die Pandemie hat das Team noch mehr zu tun, wie Gerhard Traber erzählt: "Ich glaube, dieses Bewusstsein ist nicht so vorhanden, dass neben älteren Menschen und Menschen in Pflegeheimen gerade auch wohnungslose Menschen besondere Risikogruppen darstellen. Viele sind chronisch krank oder haben verschiedene Erkrankungen. Und deshalb sind sie besonders gefährdet."

Dr. Gerhard Trabert im Arztmobil (Foto: SWR, Katharina Feißt)
Der Arzt Gerhard Trabert und sein Team kümmern sich um wohnsitzlose Menschen in Mainz. Katharina Feißt

"Ich bin draußen daheim"

Angst, sich mit dem Corona-Virus anzustecken hat der obdachlose Kai Mahler nicht. Krankheiten habe man sich schon immer holen können, sagt er. Vor allem auf der Straße. Wenn er Forderungen wie "zuhause bleiben" höre, müsse er immer lachen. "Ich bin draußen daheim." Und das werde sich auch in diesem Winter nicht ändern.

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