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Der Erfrierungstod einer obdachlosen Frau in Mainz hat viel Bestürzung und Anteilnahme ausgelöst. Die Stadt Mainz überlegt nach eigenen Angaben, wo Wohnsitzlose noch übernachten können.

Aktuell gebe es Überlegungen, ein Angebot einzurichten, das noch niedrigschwelliger sei, so der Mainzer Sozialdezernent Eckart Lensch (SPD). Dabei sollten Räume geschaffen werden, in denen Menschen ohne große vorherige Anmeldung spontan übernachten und die sie direkt am nächsten Morgen wieder verlassen könnten.

Diese Räume böten den Menschen keine sonstige Infrastruktur, sollten aber ebenfalls bewacht sein. Dieses Modell gebe es bereits in Frankfurt. In Mainz sei man derzeit noch auf der Suche nach einem möglichen Standort.

Stadt: "tragischer Tod"

Der Tod der Frau sei tragisch, sagte Lensch. Es sei aber sehr schwierig, wenn Wohnsitzlose Hilfsangebote, wie etwa für Schlafplätze, nicht annähmen. In den vergangenen Jahren habe man die Zahl der Übernachtungsmöglichkeiten speziell für wohnungslose Frauen erhöht, nachdem sich gezeigt hatte, dass ein größerer Bedarf besteht. Aktuell gebe es sieben solcher Schlafplätze, außerdem 25 weitere für Männer und Frauen in der sogenannten Housing Area in Mainz-Gonsenheim. Von diesen seien derzeit nur fünf belegt.

Natürlich sei es nachvollziehbar, wenn Frauen sich scheuten, in gemeinsamen Unterkünften mit Männern zu übernachten. Bei den Containern am Fort Hauptstein sei aber einer komplett für Frauen reserviert. Dort gebe es mittlerweile auch einen Wachdienst, ebenso in der Housing Area. Dort sei auch genügend Platz, um Frauen auf einem eigenen Stockwerk unterzubringen. Die betreffende Frau habe sich aber bei keiner der zuständigen Stellen gemeldet und nach einer Übernachtungsmöglichkeit gefragt.

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Erfroren in ihrem Zelt

Die 72-jährige Frau war am Freitag von einer Passantin in einer Parkanlage in der Nähe der Mainzer Universitätsklinik tot in ihrem Zelt gefunden worden. Die Obduktion ergab laut Polizei, dass die Frau erfroren ist. Nach Angaben des Mainzer Obdachlosenarztes Gerhard Trabert hat sein Verein "Armut und Gesundheit" bei der Identifizierung der Toten geholfen. Sie hätten die ältere Dame schon seit vielen Jahren gekannt, sagte Trabert dem SWR. Leider habe sie es immer wieder abgelehnt, in eine sichere und warme Behausung zu ziehen.

Auf Facebook erinnerte der Arzt daran, dass bereits vor drei Jahren um diese Zeit eine Wohnungslose in ihrem Zelt in Mainz gestorben ist.

Ich musste die Nachricht auch für mich erst verarbeiten und damit innerlich von einem Menschen Abschied nehmen. Am...Posted by Gerhard Trabert on Sunday, December 6, 2020

"Niemand sollte gerade im Winter im Freien übernachten müssen, insbesondere keine Frau. Frauen sind besonders Gewalt, gerade auch sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Es müssen aber auch über den Winter hinaus mehr Wohnmöglichkeiten für Frauen geschaffen werden", schreibt Trabert auf Facebook.

Corona verschärft die Situation der Wohnungslosen

Nicht nur fehlende Schlafplätze und die Winterkälte machen Wohnungslosen momentan zu schaffen, auch die Corona-Pandemie verschärft die Lage. Da die Betroffenen häufig chronisch krank oder immungeschwächt seien, seien sie in der Coronavirus-Pandemie besonders gefährdet, so Trabert. Auch fehlten oft Hygieneartikel.

Die Stadt Mainz hatte deshalb mitgeteilt, in den bevorstehenden Wintermonaten werde eine zusätzliche Notunterkunft für "besondere Risikofälle" bereitgestellt. Die Belegung erfolge in Abstimmung mit zwei Mainzer Hilfsvereinen. Außerdem werde die Stadt die Kosten von Grippeschutz- und Pneumokokkenimpfungen für wohnungslose Menschen ohne Krankenversicherungsschutz übernehmen.

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