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Am 27. Oktober entscheiden die Mainzerinnen und Mainzer darüber, wer in den nächsten Jahren Oberbürgermeister beziehungsweise Oberbürgermeisterin wird. Wir haben die Kandidatin und die Kandidaten getroffen und stellen sie vor.

Martin Ehrhardt ist 29 Jahre alt. Der angehende Lehrer tritt für die Satire-Partei „Die Partei“ an. Im Europäischen Parlament wird sie durch den Vorsitzenden Martin Sonneborn vertreten. Die Oberbürgermeisterwahl in Mainz geht Martin Ehrhardt ganz anders an als die anderen Kandidaten: mit viel Ironie und wenig Ernst.

Ehrhardt bei "Fridays for Future"

Es ist Donnerstag - Martin Ehrhardt sitzt allein auf dem Podium. Die anderen Oberbürgermeister-Kandidaten sind noch nicht da. Eigentlich sollte die Podiumsdiskussion der Klima-Bewegung „Fridays for Future“ schon seit zehn Minuten laufen. Doch alles verzögert sich, weil die Veranstaltung kurzfristig vom Mainzer Gutenbergplatz nach drinnen in die Waldorfschule in den Stadtteil Finthen verlegt wurde. Es regnet nämlich. Da greift Martin Ehrhardt plötzlich zum Mikrofon. Stellt sich selbst eine Frage. Antwortet darauf. Und lässt sich von den etwa 15 Jugendlichen und Erwachsenen, die schon da sind, beklatschen. Dann erklärt er die Podiumsdiskussion für beendet – und sich selbst zum Sieger. Er hebt die Arme zu einer Siegerpose. Das ist typisch für seinen Wahlkampf, denn sein Motto lautet: "Statt Wahl-Kampf will ich lieber Wahl-Spaß."

„Die Partei“ - Kandidat für OB-Wahl in Mainz Martin Ehrhardt mit Siegerpose (Foto: SWR, R. Amri)
Martin Ehrhardt in Siegerpose R. Amri

Ehrhardt ist Referendar am Maria Ward-Gymnasium

Der 29-Jährige will Lehrer für Mathematik und Erdkunde werden. "Erdkunde, weil es wichtig ist. Mathe, weil ich es kann", sagt er. Zur Podiumsdiskussion im Mainzer Stadtteil Finthen fährt er mit der Straßenbahn. In der Bahn packt er einen Stapel Aufkleber und Flyer aus. Darauf stehen seine zentralen Wahl-Versprechen. Beispielsweise soll das Baugerüst am Mainzer Dom unter Denkmalschutz gestellt werden. Und die Kaiserstraße in der Innenstadt soll eine Picknickmeile werden. Flyer bekommt er in der Bahn keine los. Aber angekommen an der Waldorfschule in Finthen darf er die Jugendlichen von „Fridays for Future“ mit seinem „sanften, aber bestimmten Händedruck“ begrüßen. Mit diesem Händedruck, so sagt Ehrhardt, wolle er die Mainzer von sich überzeugen.

OB-Kandidat Ehrhardt reißt aber nicht nur Witze

Dann geht die Podiumsdiskussion endlich los. Allerdings ohne den amtierenden Oberbürgermeister und SPD-Kandidaten Michael Ebling - er hat einen Todesfall in der Familie. Und ohne den parteilosen Nino Haase - er fehlt unentschuldigt. Auf dem Podium gibt Martin Ehrhardt einige seiner Ideen zum Besten. An der Mainzer Ludwigsstraße soll aus seiner Sicht kein neues Einkaufszentrum gebaut werden, weil Beton schlecht für das Klima sei. Deshalb will er die „Lu“, wie die Mainzer die Straße nennen, in ihrem jetzigen Zustand, genau wie das Domgerüst, unter Denkmalschutz stellen. Ab und zu lachen die jungen Leute über seine Aussagen. Vieles von dem, was er sagt, können die Zuhörer einfach nicht ernst nehmen. Aber dass sich der 29-Jährige durchaus auch mal ernsthafte Gedanken über die Themen in der Stadt macht, das blitzt bei allem Spaß auch mal durch.

„Die Partei“ - Kandidat für OB-Wahl in Mainz Martin Ehrhardt be Podiumsdiskussion in Schule in Mainz-Finthen.  (Foto: SWR, R. Amri)
Martin Ehrhardt und andere OB-Kandidatinnen und Kandidaten bei einer Podiumsdiskussion in einer Schule in Mainz-Finthen. R. Amri

Zum Beispiel erklärt Ehrhardt recht schlüssig, dass man die Mainzer Innenstadt nicht von jetzt auf gleich autofrei machen könne – wie es manchmal gefordert wird. Er selbst schlage Testphasen von einigen Tagen vor, in denen beispielsweise in der Kaiserstraße keine Autos fahren dürfen. So könne man den Menschen erst mal zeigen, wie das ist - und ihnen Lust darauf machen, aus eigenem Antrieb das Auto stehen zu lassen.

Die Partei hat Siegerparty schon geplant

Dass er kompetent genug ist, um Oberbürgermeister zu werden, zweifelt Martin Ehrhardt übrigens selbst an. "Ich könnte eine ganze Liste von Dingen aufschreiben, die ich nicht kann", sagt er. "Aber ich könnte auch eine Liste mit Namen von Menschen erstellen, die ich fragen würde."

So oder so - behauptet Martin Ehrhardt - werde er Oberbürgermeister von Mainz. Genauso wie er ja auch - seiner Meinung nach - die Podiumsdiskussion in der Finther Waldorfschule schon gewonnen hatte, bevor es überhaupt losgegangen war. Dazu passend hat "Die Partei" die Siegerparty schon geplant. Und zwar zwei Wochen bevor die OB-Wahl in Mainz überhaupt stattfindet...

Autorin: SWR-Reporterin Rabea Amri

In der sogenannten Tagcloud wird eine Liste an Schlagwörtern angezeigt, die im Online-Wahlprogramm der Kandidaten vorkommen. (Foto: SWR, A. Zieba)
A. Zieba

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