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Die Mainzer haben gewählt: Amtsinhaber Michael Ebling (SPD, 41 Prozent) und Nino Haase (parteilos, 32,4 Prozent) sind in der Stichwahl. Wir haben die Kandidaten vor der Oberbürgermeisterwahl getroffen und stellen sie vor.

Michael Ebling (SPD) ist Oberbürgermeister in Mainz. Seit sieben Jahren ist er das und die Mainzer kennen ihn. Wenn Ebling durch die Stadt geht, grüßen ihn die Leute, mit dem ein oder anderen wird im Vorbeigehen schnell etwas Nettes ausgetauscht. Er ist "nah bei de Leut'" wie die Mainzer sagen, und durch seine Körpergröße wird der 52-Jährige auch nicht so schnell übersehen.

OB-Wahlkampf beginnt schon morgens

Wahlkampf gehe nur vor der Arbeit oder am Abend, erzählt der amtierende Oberbürgermeister. Schnellen Schrittes geht es am Morgen Richtung Klarastraße in der Mainzer Innenstadt. Dort hat die SPD-Zentrale ihren Sitz, dort steht auch sein Wahlkampfauto. Den ersten Termin heute hat er im Gymnasium Mainz-Oberstadt. Dort soll er mit seinen Herausforderern und seiner Herausforderin auf dem Podium sitzen und Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort stehen.

Als Kandidat fährt Ebling ein Elektroauto

Sein Wahlkampfauto gefalle ihm inzwischen richtig gut, sagt er. Es ist ein kleiner BMW mit Elektroantrieb, weiß, nicht rot, die Aufschrift: Michael Ebling, Oberbürgermeister für Mainz. Nichts deutet darauf hin, dass Ebling von seiner Partei, der SPD, nominiert wurde. Wegen der großen Verluste bei der Kommunalwahl im Mai? "Nein", sagt Ebling, "ich kandidiere aus dem Amt heraus. Ich hätte das als Rückschritt empfunden, wenn ich im Wahlkampf allein als SPD-Mann werbe." Sein Angebot sei breiter, als es von seiner Partei abgedeckt werde.

Oberbürgermeister von Mainz Michael Ebling im Wahlkamp (Foto: SWR, S. Steinbrecher)
Der amtierende Oberbürgermeister Michael Ebling mit seinem Wahlkampf-Auto. S. Steinbrecher

Humor ist bei Ebling Trumpf

Auch bei der Fahrt im Auto wird Ebling erkannt, er winkt Männern von der Müllabfuhr zu, sie winken zurück. Angekommen im Gymnasium Oberstadt erfährt Ebling, dass der parteilose Nino Haase überraschend abgesagt hat. Tabea Rößner von den Grünen sei jedoch schon da, der Herausforderer von der Linken Martin Malcharek ebenfalls. Dann scherzt Ebling, Rößner, Haase und er seien inzwischen schon so etwas wie siamesische Drillinge. Sie würden sich fast jeden Tag bei Wahlkampfveranstaltungen sehen, sagt er und lacht. Die drei Schülerinnen und Schüler, die die Diskussion moderieren, nennt er Anne Will, Maybrit Illner und Markus Lanz.

Reizthema Bibelturm

Bei der Diskussion heute mit den Schülern sind alle anwesenden Kandidaten und die Kandidatin nett zueinander. Das ist nicht immer so. Wenn die Sprache auf das Thema Bibelturm und den Bürgerentscheid kommt, können Ebling auch mal die Gesichtszüge entgleisen und es kann heftiger werden zwischen ihm und dem parteilosen Haase. Der Herausforderer war einer der Initiatoren des Bürgerentscheids. Die langjährigen Planungen der Stadt Mainz für den Erweiterungsbau des Gutenberg-Museums in der Innenstadt wurden schließlich gekippt.

Ebling schlägt neuen Kurs ein

Die jungen Leute haben Fragen vorbereitet zu den Themen Wohnen, Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) oder die "Fridays for Future"-Demos. Ebling hat auf alles eine Antwort. Manchmal ist man verwundert, wenn er einen neuen Mainzer Stadtteil fordert, ein 365 Euro Ticket für den ÖPNV oder mehr Fahrradbeauftragte. Waren das vor Beginn des Wahlkampfes nicht die Forderungen der anderen Parteien? Alles habe seine Zeit, sagt SPD-Mann Ebling und er gibt zu, dass er durch die "Fridays For Future"-Bewegung noch mehr für Umweltthemen sensibilisiert worden sei.

Der amtierende Mainzer Oberbürgermeister hat durch seine starken Herausforderer im Wahlkampf in den letzten Monaten ordentlich nachgelegt. Er liefert Ideen und Konzepte zu beinahe allen Fragen. Zuvor hatte man manchmal den Eindruck, dass er tiefenentspannt in den Wahlkampf geht und seine Wiederwahl als selbstverständlich betrachtet.

"Nicht mal der Hund wartet abends auf mich"

OB-Kandidat Michael Ebling (SPD)

Die Verpflichtungen als Oberbürgermeister und der Wahlkampf seien anstrengend, gibt er zu. Nachts komme er nur auf fünf Stunden Schlaf. "Wenn ich abends zuhause die Tür aufschließe, wartet nicht mal mehr der Hund auf mich - Nelson schläft dann schon lange im Körbchen", erzählt Ebling. Trotzdem habe er Spaß am Wahlkampf, das sei wie im Sport. Wenn man sein Ziel sehe, laufe man immer schneller.

OB-Kandidat Michael Ebling in einer Mainzer Tanzschule. Er ist ganz in seinen Tanz vertieft.  (Foto: SWR, S. Steinbrecher)
Ebling in einer Mainzer Tanzschule - ganz vertieft in seinen Tanz. S. Steinbrecher

Im Wahlkampf nimmt Ebling auch Termine wahr, die ihm im Ergebnis wahrscheinlich kaum zusätzliche Stimmen einbringen. Zum Beispiel ein Termin in der Mainzer Traditionstanzschule Willius-Senzer. "Auf ein Tänzchen mit Michael Ebling", postete er in den sozialen Netzwerken. Man hat den Eindruck, dass hier keiner extra wegen Ebling kommt. Aber die Teilnehmer des Tanzkurses, die ohnehin da sind, haben viel Spaß mit dem schlaksigen großen Mann, der sichtbar ins Schwitzen kommt und mit allen scherzt und lacht. Erst wird geschunkelt zu Fastnachtshits wie "Wir sind Mainzer" und beim Tanzschnellkurse laufen musikalische Varianten von „Meenz bleibt Meenz“.

Ebling - der Polit-Profi

Ebling ist für jeden Spaß zu haben, so nehmen ihn viele Mainzer wahr. Aber ihr Oberbürgermeister sei trotzdem nicht "Everybody's Darling", sagen einige. Er sei ein Profi, weil er seit sieben Jahren im Amt sei. Ebling kenne sich mit jedem Thema aus und habe auch auf alles eine Antwort. Bevor Ebling Oberbürgermeister wurde, arbeitete der Jurist als Staatssekretär in verschiedenen rheinland-pfälzischen Ministerien. Zuletzt war er im Bildungsministerium. Im Mainzer Stadtteil Mombach, aus dem Ebling stammt, war er zudem sieben Jahre lang Ortsvorsteher und Chef der dortigen SPD.

Ebling zeigt Kante: Ja zu Schiffsanlegern

Dass er es als Oberbürgermeister nicht immer jedem Recht machen kann, nimmt Ebling in Kauf. Er zeigt auch mal Kante. Auf den Protest von Anwohnern des neuen Wohnquartiers Zollhafen gegen geplante Schiffsanlegestellen, sagt er: "Dort, wo es Schiffsverkehr gibt, muss es auch Anlegestellen geben. Mir ist jedes Containerschiff auf dem Rhein lieber als die Laster auf den Straßen."  Am 27. Oktober wird in Mainz gewählt - Experten gehen momentan von einer Stichwahl aus. Die könnte auch Ebling erreichen.

"Das erste, was ich nach dem Wahlkampf mache, ist kochen"

OB-Kandidat Michael Ebling (SPD)

Und worauf freut sich Michael Ebling am meisten, wenn er nach dem Wahlkampf wieder etwas mehr Zeit hat? "Richtig Bock habe ich darauf, mal wieder in Ruhe einkaufen zu gehen und dann abends zu kochen. Die Zeit zu haben, zu überlegen, was ich koche und Zeit zu haben, das Essen dann zuzubereiten. Ich finde das wahnsinnig entspannend. Das wird das erste sein, was ich mache - vielleicht was mit Kürbis."   

In der sogenannten Tagcloud wird eine Liste an Schlagwörtern angezeigt, die im Online-Wahlprogramm der Kandidaten vorkommen. (Foto: SWR, A. Zieba)
A. Zieba
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