Die NATO-Rampe in Mainz-Weisenau ist eine Ersatzübergangsstelle für das Militär. (Foto: SWR, C. Lutz)

Militärisch brauchbar?

So werden die NATO-Rampen am Rhein genutzt

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Im Kalten Krieg wurden am Rhein NATO-Rampen gebaut. Im Fall von zerstörten oder fehlenden Brücken sollten dort Panzer queren können. Könnten diese Rampen noch einmal an Bedeutung gewinnen?

Seitdem Russland mit seinen Truppen in der Ukraine einmarschiert ist, haben militärische Fragen wieder an Bedeutung gewonnen. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) reiste kürzlich in die USA. Bei Gesprächen im Pentagon, dem Hauptsitz des US-Verteidigungsministeriums, ging es auch um US-Stützpunkte in Rheinland-Pfalz. Diese sollen als Drehscheibe für die Ostflanke der NATO aufgewertet werden. In den kommenden Jahren seien Investitionen von einer Milliarde Euro in Rheinland-Pfalz geplant, sagte Lewentz.

Wenn die Sonne am Rhein scheint, werden die NATO-Rampen, wie hier in Mainz,  gerne von Wasservöglen genutzt.   (Foto: SWR, C. Lutz)
Wenn die Sonne am Rhein scheint, werden die NATO-Rampen, wie hier in Mainz, gerne von Wasservöglen zum Sonnen genutzt. C. Lutz

Neben US-Stützpunkten gibt es in Rheinland-Pfalz auch die NATO-Rampen - zum Beispiel am Rhein oder an der Mosel. Die Anlagen wurden während des Kalten Krieges an gegenüberliegenden Ufern gebaut. Offiziell heißen sie Ersatzübergangsstellen und gehören dem Bund. Die Rampen sollten dann zum Einsatz kommen, wenn zum Beispiel bestehende Brücken zerstört worden wären. Panzer und sonstige Fahrzeuge hätten in einem solchen Fall die Flüsse an den Rampen gequert. Für den Übersetzverkehr gab es auch sogenannte Notstandsfähren.

Standorte für Behelfsbrücken

Außerdem könnte die Bundeswehr an diesen Stellen am Rhein Behelfsbrücken bauen. Zuständig für die Rampenanlagen sind die Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter. Beim Amt in Bingen heißt es, aktuell deute nichts daraufhin, dass die Anlagen von der Bundeswehr im Rahmen des Krieges in der Ukraine gebraucht würden. Zumal es im Zuständigkeitsbereich inzwischen nur noch eine Ersatzübergangsstelle gebe, die für militärische Zwecke vorgehalten werde.

Im Jahr 1973 wurde in Weißenthurm im Kreis Mayen-Koblenz eine Nato-Rampe gebaut. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite ist links das Schloss Neuwied zu sehen. (Foto: Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bingen)
Im Jahr 1973 wurde in Weißenthurm im Kreis Mayen-Koblenz eine sogenannte Senkrechtrampe gebaut. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite ist links das Schloss Neuwied zu sehen. Das Foto stammt aus dem Archiv des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein. Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bingen

NATO-Rampe in Neuwied in militärischem Bestand

Am Rhein zwischen Mainz und dem nördlichen Rheinland-Pfalz gibt es derzeit 20 solcher Rampenanlagen. Militärisch genutzt werden könnte aber nur noch die Anlage zwischen Urmitz (Kreis Mayen-Koblenz) und Engers, einem Stadtteil von Neuwied. Andere NATO-Rampen, wie die in Budenheim, Bingen, Ingelheim oder St. Goar wurden nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes aus dem militärischen Bestand entlassen. Viele Rampen werden inzwischen von Fährbetrieben genutzt. Feuerwehren und die DLRG lassen an den Rampen ihre Boote bei Einsätzen oder Übungen in den Rhein, Wassersportlerinnen und -sportler nutzen die NATO-Rampen ebenfalls.

Im Januar 2003 stiegen erste Schwimmer beim 27. internationalen Neujahrsstromschwimmen an der NATO-Rampe am in Oppenheim (Kreis Mainz-Bingen) ans Ufer. Die Wassertemperatur betrug vier Grad. Etwa 100 Frauen und Männer waren damals acht Kilometer flussabwärts geschwommen.  (Foto: dpa Bildfunk, Reiner_Voß)
Im Januar 2003 stiegen Schwimmer beim internationalen Neujahrsstromschwimmen an der NATO-Rampe in Oppenheim (Kreis Mainz-Bingen) ans Ufer. Die Wassertemperatur betrug an diesem Tag vier Grad. Polizei, Feuerwehr und die DLRG begleiteten die Schwimmer. Reiner_Voß

Nach über 40 Jahren sind einige Rampen reparaturbedürftig. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter kümmern sich um, wie es heißt, "das erforderliche Mindestmaß an baulicher Instandhaltung". Uferbefestigungen, Pflaster, rostige Spundwände oder Holme werden vorzugsweise bei Niedrigwasser repariert oder erneuert. Die NATO-Rampen sorgen aber auch immer wieder für Schlagzeilen. Zum Beispiel, wenn Autos versehentlich im Rhein landen.

Ein Verkehrsschild warnt am Rheinufer zwischen Mainz-Weisenau und Laubenheim unter anderem vor einer NATO-Rampe. Immer wieder landeten dort Fahrzeuge im Rhein. (Foto: SWR, C. Lutz)
Eine der NATO-Rampen in Rheinland-Pfalz befindet sich am Rheinufer zwischen Mainz-Weisenau und dem Stadtteil Laubenheim. Weil auf den Rampen immer wieder Unfälle passieren, warnt ein Schild am Ufer vor der Gefahr. C. Lutz

Vor etwa einem Jahr war beispielsweise an der NATO-Rampe in Mainz ein Auto in den Rhein gerollt. Verletzt wurde niemand. Die Polizei sagte damals, die drei Insassen hätten rechtzeitig den Wagen verlassen können. Offenbar hatte der Fahrer beim Parken den falschen Gang eingelegt.

Tragische Badeunfälle an den Rampen

Im Sommer werden die NATO-Rampen auch gerne genutzt, um bequem zum Baden in den Rhein zu kommen. Und das, obwohl hinreichend bekannt ist, dass Schwimmen im Rhein gefährlich ist. Zwischen den Jahren 2015 und 2021 sind allein an der Rampe in Worms-Rheindürkheim sieben Menschen im Rhein ertrunken. Darunter waren auch zwei Mädchen im Alter von acht und elf Jahren. Inzwischen gibt es dort Warnschilder, auf denen in mehreren Sprachen vor den Gefahren gewarnt wird.

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