Zwei Männer mittleren Alters in mittelalterlichen Hof-Kostümen auf einer Bühne, der linke Schauspieler (Jürgen Tarrach) ist als Glaubensfürst ausgestattet mit roter Kardinalskleidung und goldenem Schmuck. Der rechte (Jan Thürmer) sagt ihm etwas ins Ohr, mit misstrauischem, manipulativem Gesichtsausdruck. Er hat eine Langhaarperücke auf und ist als Hofadeliger gekleidet. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Nibelungen-Festspiele Worms | David Baltzer)

Kulturveranstaltung in Worms

Verantwortliche der Nibelungen-Festspiele ziehen positive Bilanz

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Zum Schluss der Nibelungen-Festspiele 2021 gab es eine Auszeichnung - und eine positive Bilanz. Die Verantwortlichen zeigten sich erleichtert, dass die Spiele wieder stattfinden konnten.

Die Schauspielerin Barbara Colceriu ist für ihre künstlerische Leistung bei den Nibelungen-Festspielen mit dem Mario-Adorf-Preis ausgezeichnet worden. Das Kuratorium der Nibelungen-Festspiele würdigte die Schauspielerin am Sonntag für ihre Rolle als Kurfürst Friedrich von Sachsen im Stück "Luther" von Lukas Bärfuss.

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Sie lasse das Publikum "mit scheinbarer Beiläufigkeit und großer Virtuosität" in die Abgründe der Figur blicken, sagte der Vorsitzende des Kuratoriums Hans Werner Kilz zum Abschluss der Festspiele am Sonntag. Der Mario-Adorf-Preis wurde nach Angaben der Veranstalter zum dritten Mal verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Nach der Absage der Festspiele im vergangenen Jahr zogen die Veranstalter für 2021 nach zweiwöchiger Spielzeit ein positives Fazit. Der Wormser Oberbürgermeister Adolf Kessel (CDU) sagte, die Festspiele seien neben der Landesausstellung der Höhepunkt des Lutherjahres gewesen. Es habe 16 Vorstellungen von "Luther" gegeben, keine musste aufgrund des Wetters abgesagt werden.

Intendant: Stück hat Kontroversen ausgelöst

Der Intentant Nico Hofmann zog sein ganz persönliches Fazit: "Ich bin sehr glücklich", sagte er bei der Bilanzpressekonferenz. Das Stück habe Kontroversen ausgelöst und zu vielen Diskussionen geführt. Der Austausch - zum Beispiel mit der Kirche - sei aber gut gewesen. Während der Spielzeit habe sich das Stück weiterentwickelt, so Hofmann. "Der Rhythmus hat sich verändert, es ist flotter geworden." Er wisse, dass die Festspiele in diesem Jahr ein Kraftakt für alle bedeuteten, "aber ich weiß auch, dass es richtig war, dass und wie wir sie umgesetzt haben".

Der Geschäftsführer der Nibelungenspiele, Sascha Kaiser, sagte, es sei ein Kraftakt gewesen, den das Ensemble und die Mitwirkenden aber hinbekommen hätten. "Es war ein besonderes Jahr", so Kaiser. Festspiele seien wichtig, um die Kulturwirtschaft zu fördern, ergänzte er.

Festspiele durch Corona-Regeln beeinflusst

​Die Besucher hätten ein sehr großes Verständnis für das ausgearbeitete Hygienekonzept gezeigt, sagte Kaiser. Es habe während der Zeit der Festspiele keinen Corona-Fall gegeben. Pandemiebedingt durften rund 700 der etwa 1.400 Plätze auf der Zuschauertribüne besetzt sein. An 16 Abenden besuchten demnach mehr als 10.500 Besucher die Aufführung von "Luther".

Mario Adorf: Froh, dass die Festspiele stattfinden konnten

Der Ehrengast des Abends, Schauspieler Mario Adorf erzählte, wie er die Corona-Zeit erlebt hat. Für ihn sei die Zeit geflogen, so Adorf. ​Er sei dennoch froh, dass die Festspiele dieses Jahr stattfinden konnten. Sie seien so wichtig für die Kultur. Noch einmal mitspielen, käme für ihn aber nicht infrage.

Schauspieler Mario Adorf sitzt auf einem Stuhl, ihm gegenüber ein Kamerateam (Foto: SWR, Judith Seitz)
Mario Adorf spricht im SWR-Interview darüber, wie er die Corona-Zeit erlebt hat. Judith Seitz

Spiele vom Hochwasser überschattet

Die Spiele finden seit 2002 statt. In diesem Jahr wurden sie von dem Hochwasser in Rheinland-Pfalz überschattet. "Das Sprechen über das, was wir erleben, führt zu Zusammengehörigkeit und Solidarität und mag in diesen schwierigen Tagen auch Trost spenden und helfen," sagte Intendant Nico Hofmann vor der Premiere.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatte wegen der Überschwemmungen ihr Kommen zur Premiere abgesagt. Ebenso nicht dabei waren Klimaschutzministerin Anne Spiegel (Grüne) und Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP), Innenminister Roger Lewentz (SPD) und CDU-Fraktionschef Christian Baldauf. Kulturministerin Katharina Binz (Grüne) vertrat die Landesregierung in Worms beim Auftakt.

Nächste Festspiele dann unter Regie von Vontobel

In diesem Jahr erlebte das Publikum wegen des Jubiläums von Luthers Auftritt in Worms 1521 ausnahmsweise keine Neuinszenierung der berühmten Nibelungen-Sage. Die nächsten Nibelungen-Festspiele finden vom 15. Juli bis 31. Juli 2022 statt. Der österreichische Dramatiker Ferdinand Schmalz will dann nach Angaben der Veranstalter die Frauen des Epos, vor allem Brünhild und Kriemhild, ins Zentrum rücken. Regie soll der Schweizer Roger Vontobel führen. 

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