Der Container, aus dem die Lebensmittel dann verkauft werden sollen (Foto: Kirsten Eberle)

Neues Konzept auf dem Land

Kistenkrämerin aus Gundheim eröffnet Supermarkt in Container

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Immer mehr kleine Lebensmittelgeschäfte auf dem Land schließen. In Gundheim (Landkreis Alzey-Worms) gibt es jetzt ein neues Versorgungs-Konzept.

Gundheim ist ein Dorf mit etwas mehr als 900 Einwohnern. Es gibt dort ein Autohaus, eine Bäckerei, Schreinereien und einige Weingüter - ein Lebensmittelladen ist Fehlanzeige.

Kirsten Eberle (Foto: Kirsten Eberle)
Kistenkrämerin Kirsten Eberle will die Versorgungslücke in Gundheim füllen. Kirsten Eberle

Doch das soll sich Anfang Dezember ändern mit der sogenannten Kistenkrämerin Kirsten Eberle. Die 46-Jährige ist die erste Kistenkrämerin in Deutschland und sie will in ihrer "Kiste" Lebensmittel verkaufen. Bei der Kiste handelt es sich um einen umgebauten Container, in dem mindestens zur Hälfte regionale Produkte angeboten werden.

Idee stammt aus Österreich

Die Idee für eine Kistenkrämerin oder einen Kistenkrämer stammt aus Österreich. Dort haben sich Geschäftsleute überlegt: "Wie kann ich verhindern, dass Menschen auf dem Land, um einen Liter Milch zu kaufen, ins Auto steigen?"

So kam ihnen die Franchise-Idee in kleinen Gemeinden zentral sogenannte Kisten/Verkaufscontainer aufstellen zu lassen, wo es keinen Supermarkt gibt. Den Betrieb übernehmen die sogenannten Kistenkrämer - in Rheinhessen ist das Kirsten Eberle aus Gundheim.

Kiste ist eigentlich Container

Der Container ist sechs Meter lang und zweieinhalb Meter breit und hat eine kleine Rampe, die in den Container führt. Tritt man hinein, ähnelt es einem Mini Supermarkt. Ein Gang führt zum Kühlregal, wo zum Beispiel Milch, Butter und Käse stehen. In den anderen Regalen an der Seite sind Äpfel, Kartoffeln, Lauch aber auch Waschmittel und Zahnpasta griffbereit. An die 450 Produkte werden auf kleinstem Raum angeboten.

Tante Emma Laden des 21. Jahrhunderts

In dem Verkaufscontainer befindet sich kein Personal. Der Kunde sucht sich alles aus und scannt im Kassenbereich die Artikel. Bezahlen kann er entweder bar mit einer Kasse des Vertrauens oder mit der Karte. Das System der Kistenkrämerin basiert auf folgendem: der Kunde ist ehrlich, der Kunde ist verantwortungsvoll und handelt danach, der Kunde schätzt vor allem das regionale Angebot und will es erhalten.

Gefahr vor Diebstahl und Vandalismus

Kistenkrämerin Kirsten Eberle aus Gundheim weiß um das Problem. Sie gehe aber vom Guten im Menschen aus, hoffe auf die Ehrlichkeit ihrer Kunden und auch auf ihre Treue. Sicherheitshalber gebe es natürlich Videoüberwachung und natürlich werde sie in der ersten Zeit immer wieder in der "Kiste" vorbeischauen und nach dem Rechten sehen.

Eröffnung am 11. Dezember

Am 2. Dezember wird die Anlieferung des Containers in Gundheim DAS Dorfgespräch sein. Wenn alles soweit gut läuft, wird ein Lastwagen den Container bringen und nahe dem alten Bahnhof abstellen. Dann ist es an Kirsten Eberle, den Container mit Lebensmitteln zu bestücken. Am 11. Dezember ist die Eröffnung geplant. Nach Eberles Worten werden regionale Lieferanten entweder ihre Produkte selbst nach Gundheim bringen oder sie werde die Artikel abholen. Nachhaltiges Ziel sei, nie den 30 Kilometer-Radius zu überschreiten.

Produkte aus der Region

15 Unternehmen hat die Kistenkrämerin aus Gundheim bislang bereits für ihre Geschäftsidee begeistern können. Unter den Lieferanten sind unter anderem ein Obsthof aus dem rheinhessischen Albisheim, ein Seifenhersteller aus Offstein, eine Ölmanufaktur aus Wachenheim, ein Hersteller von Natursaft aus Westhofen und eine Chocolaterie aus Worms.

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