Janina Steinkrüger (Foto: SWR)

Interview zum Amtsantritt

Janina Steinkrüger beginnt Arbeit als neue Verkehrsdezernentin in Mainz

STAND

Zum 1. September tritt Janina Steinkrüger ihr Amt als neue Umwelt- und Verkehrsdenzernentin in Mainz an. Im Interview mit SWR Aktuell hat die Grünen-Politikerin übers Radfahren, ein dickes Fell in der Politik und Handkäs gesprochen.

SWR Aktuell: Waren Sie schon mit dem Fahrrad in Mainz unterwegs, Frau Steinkrüger?

Janina Steinkrüger: Ja, selbstverständlich war ich schon mit dem Fahrrad unterwegs. Und nicht erst seit ich weiß, dass ich auch für den Verkehr in Mainz zuständig sein werde, sondern auch schon früher. Aber jetzt natürlich noch mal verstärkt und mit einer anderen Perspektive.

Ich komme bekanntlich aus Frankfurt, wo Fahrradfahren nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig ist. Deswegen bin ich einiges gewohnt. Und ich gehöre auch eher zu den unerschrockenen Fahrradfahrerinnen. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass sich viele Radfahrerinnen und Radfahrer in Mainz unsicher fühlen. Ich denke, Mainz hat hier noch viel Potenzial, damit sich in Zukunft viel mehr Menschen aufs Fahrrad setzen und sich dabei wohl und sicher fühlen.

Begrenzter Platz für Verkehr in Mainz

SWR Aktuell: Sie wollen also die Politik Ihrer Vorgängerin Katrin Eder (Grüne) - Autos raus, dafür mehr Fahrradverkehr in der Innenstadt - fortführen?

Steinkrüger: "Autos raus" klingt immer so radikal. Ich bin wie meine Vorgängerin dafür, dass es vor allen Dingen auch weniger ruhenden Verkehr in den Straßen gibt, aber auch weniger rollenden Verkehr natürlich. Aber es müssen halt die Alternativen dafür geschaffen werden.

"Mehr Platz für die Radfahrerinnen und Radfahrer darf nicht zulasten von Fußgängerinnen und Fußgängern gehen, sondern wenn dann zulasten des motorisierten Individualverkehrs."

Wir können aber den Platz nicht unendlich ausweiten, sondern im Gegenteil: Wir müssen uns wenig Platz in einer verdichteten Innenstadt teilen. Mainz hat heute schon einen relativ hohen Fahrradanteil. Aber ich sehe noch Steigerungsbedarf.

SWR Aktuell: Und ein bisschen mehr Grün in der Innenstadt wäre auch noch schön?

Steinkrüger: Das ist das andere Problem. Wir müssen uns den Folgen des Klimawandels anpassen. Das heißt, wir brauchen mehr Retentionsflächen für Regenwasser. Wir brauchen ein besseres Mikroklima und mehr Schatten, mehr Grün.

Fassaden- oder Dachbegrünung statt Bäumepflanzen

SWR Aktuell: Und wie bekommt man das hin, in einer dicht besiedelten Stadt wie Mainz?

Steinkrüger: Mehr Bäume zu pflanzen, das ist die Erfahrung, die ich aus Frankfurt mitbringe, ist oft nicht möglich. Denn oft findet man überraschenderweise Dinge unter der Erde, von denen man vorher nicht wusste. Das kann Kanalisation sein. Es sind Leitungen, oder - wie ich hier in Mainz gelernt habe - auch oft römische, archäologische Funde.

Deswegen müssen wir uns auch Gedanken über Alternativen zu Bäumen machen. Das heißt Fassadenbegrünung, Dachbegrünung und vielleicht auch mobiles Grün. Das sind einfache Sachen. Ich glaube, da sind auch die Städte noch in einer Experimentierphase.

"Klimaschutz bedeutet nicht nur Verzicht"

SWR Aktuell: Sie haben ambitionierte Pläne, doch gerade auf dem Gebiet der Verkehrspolitik gibt es auch viel Gegenwind - von der Opposition, aber auch von Bürgerinnen und Bürgern. Haben Sie ein dickes Fell?

Steinkrüger: Ich weiß, dass es viel Gegenwind gibt, wenn man an den motorisierten Individualverkehr geht. Aber ich glaube, man darf auch nicht vergessen, dass wir in einer Zeit leben, wo wir einfach aufhören müssen, nur über den Klimawandel zu reden, sondern akut etwas dagegen tun müssen.

Wir müssen zugleich die positiven Seiten der Veränderungen zeigen. Also: Was bedeutet denn mehr Grün in der Innenstadt? Was bedeutet es denn, wenn die Fußgängerin oder der Fußgänger im Mittelpunkt von Verkehrsplanung steht? Es bedeutet mehr Lebensqualität!

"Wir sollten den Klimaschutz als etwas Positives verstehen und darstellen, nicht nur als Verzicht."

Und übrigens hat der Mainzer Stadtrat ja mit großer Mehrheit - auch mit den Stimmen der Opposition - 2019 den Klimanotstand ausgerufen. Und sich ganz klar zum klimapolitischen Ziel bekannt, nicht nur klimaneutral bis 2050 zu werden, sondern zu schauen: Welche Möglichkeiten gibt es, bis 2035 klimaneutral zu werden? Es gibt also nicht nur Gegenwind.

Umzug nach Mainz noch nicht geplant

SWR Aktuell: Sie wohnen in Frankfurt und bleiben auch erst einmal dort. Dürfen wir fragen wieso?

Steinkrüger: Es ist nicht so einfach, mal schnell seinen Lebensmittelpunkt zu verlegen - und in Mainz eine Wohnung zu finden ist auch nicht ganz leicht. Aber ich habe schon gesagt, ich schließe nicht aus, nach Mainz zu ziehen. Jetzt möchte ich erst einmal die Stadt kennenlernen und mir ein eigenes Bild machen, wo es für mich in Mainz am schönsten ist.

SWR Aktuell: Sagt Ihnen der Begriff Handkäs-Mafia etwas?

Steinkrüger (lacht): Der sagt mir allerdings sehr viel! Die Schlagzeilen von vor 10, 15 Jahren sind mir bekannt. Aber ich habe ja gesagt, ich stoße von außen dazu, habe sicherlich einen eigenen Blick auf die Dinge und schaue mir erst einmal alles im Detail an. Und zum Handkäs an sich - den mag ich. Als Frankfurterin ist mir das kulinarisch erstmal sympathisch.

Das Interview führten SWR-Reporter Markus Volland und SWR-Reporterin Lucretia Gather.

Bad Kreuznach

Klimabänder im Gepäck "Omas for Future" radeln nach Berlin

Die Klimaschutz-Initiative "Omas for Future" Bad Kreuznach radelt mit rund 1.000 Klimabändern nach Mainz. Sie sind Teil einer Sternfahrt nach Berlin.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
SWR