Menschen stehen vor dem Mobilen Dorfladen und kaufen dort ein.  (Foto: SWR, Alex Schweitzer)

Bürger helfen sich selbst

Einkaufen in kleinen Dörfern: Mobiler Dorfladen in VG Sprendlingen-Gensingen

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Alex Schweitzer

In vielen kleinen Orten gibt es keine Möglichkeit mehr, einzukaufen. Die Lösung in der VG Sprendlingen-Gensingen ist ein mobiler Dorfladen.

Der mobile Dorfladen ist ein Verkaufswagen, der in der Verbandsgemeinde (VG) Sprendlingen-Gensingen (Kreis Mainz-Bingen) von Dorf zu Dorf zieht. Betrieben wird er von Bürgerinnen und Bürgern aus der VG, die ehrenamtlich die Waren verkaufen.

Die Projektgruppe besucht mit dem mobilen Dorfladen jeden Ort der Verbandsgemeinde einmal pro Woche. 45 Minuten lang können Bürgerinnen und Bürger dann vor allem Lebensmittel, aber auch Duschgel, Spülmittel oder Taschentücher kaufen.

Endlich wieder einkaufen im Dorf

In acht der zehn Dörfer in der Verbandsgemeine Sprendlingen-Gensingen gibt es kaum noch Geschäfte. Deshalb ist Vivienne König von der VG Sprendlingen-Gensingen froh, dass es den mobilen Dorfladen gibt: "Er bietet den Bürgern eine regelmäßige Einkaufsmöglichkeit direkt im eigenen Ort." Vivienne König betreut das Projekt.

Bürger hatten Idee zum mobilen Dorfladen

Die Idee für den mobilen Dorfladen wurzelt im Projekt "Wettbewerb Zukunftsstadt 2030+" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Hierfür fragte die Verbandsgemeinde ihre Bürgerinnen und Bürger, wie sie sich das Leben in ihren Orten in Zukunft vorstellen.

"Da war eine große Nachfrage nach der Nahversorgung, auch die Wiederbelebung der Ortskerne war ein Thema."

Es wurde eine Projektgruppe gebildet, die das Verkaufsfahrzeug für 65.000 Euro besorgte. Der Wagen wurde mit Fördergeldern der Europäischen Union und des Bundes finanziert. Die Verbandsgemeinde übernahm 30 Prozent des Kaufpreises.

Organisation erledigen Ehrenamtliche

Hinter der Theke des mobilen Dorfladens stehen immer zwei Ehrenamtliche. Sie planen und organisieren den Verkauf: "Wir haben für den ganzen Monat einen Dienstplan aufgestellt", sagt Richard Schäfer. Die Verbandsgemeinde koordiniert mit den Ortsverwaltungen, wann und wo der mobile Dorfladen öffnen kann.

Die Waren, die im mobilen Dorfladen angeboten werden, kommen aus einem Supermarkt. Was verkauft wird, sprechen die Ehrenamtlichen mit dem Supermarkt-Besitzer ab. Er liefert die Waren und bestimmt auch die Preise. Die Einnahmen, die der Dorfladen erzielt, bekommt der Supermarktbesitzer. Einen Gewinn muss der Dorfladen nicht machen.

Mobiler Dorfladen bringt Menschen zusammen

Das Einkaufen ist nur eine Seite des Projekts. Der Dorfladen soll auch ein Treffpunkt für die Bürgerinnen und Bürger sein.

"Die Menschen sollen wieder etwas mehr zusammenkommen, sich unterhalten, sich treffen."

Das Konzept geht auf: In den Orten, in denen der Verkaufswagen hält, ist viel los auf den Dorfplätzen. Menschen kaufen ein, unterhalten sich und lachen miteinander. "Uns gefällt das gut", meint eine Besucherin. "Wir treffen uns hier endlich mal. Wir sind Nachbarn, wir sehen uns manchmal die ganze Woche nicht", sagt eine andere Kundin.

Mobiler Dorfladen soll noch besser werden

In den nächsten Wochen probieren die Projektverantwortlichen viel aus. Man werde am Sortiment nachbessern müssen, vermutet Vivienne König von der VG Sprendlingen-Gensingen. Da sei der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern wichtig, um deren Wünsche umzusetzen.

Für die Zukunft sollen noch mehr Händlerinnern und Händler aus der Umgebung mitmachen. Sie könnten um den Verkaufswagen ihre Stände aufbauen. Aber auch ehrenamtliche Verkäuferinnen und Verkäufer sind gesucht.

Aus dem mobilen Dorfladen könnte so ein kleiner mobiler Markt werden. Ein Ort, an dem die Bürgerinnen und Bürger zusammenkommen könnten, so VG-Bürgermeister Manfred Scherer.

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