STAND

Die "Lügenpresse"-Vorwürfe sind weiter verbreitet. Zugleich gibt es immer mehr Menschen, die diese zurückweisen. Das zeigt die neue Studie der Uni Mainz zum Vertrauen in die Medien.

Etwa jeder fünfte Deutsche wirft den Medien vor, die Bevölkerung systematisch zu belügen. Zugleich wächst aber auch die Zahl derjenigen, die solche Vorwürfe zurückweisen. Das zeigen neue Zahlen der Langzeitstudie "Medienvertrauen", wie das Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz am Dienstag mitteilte.

Insgesamt stimmen laut Studie 18 Prozent der Bevölkerung der Aussage zu: "Die Bevölkerung in Deutschland wird von den Medien systematisch belogen." 2018 waren es 16 Prozent, 2016 19 Prozent gewesen. In der neuen Umfrage weisen jedoch auch 58 Prozent den "Lügenpresse"-Vorwurf zurück - dies ist der bisher höchste gemessene Wert in der Langzeitstudie. Ein Jahr zuvor waren es 51 Prozent, 2016 nur 44 Prozent gewesen.

Die Zahl der Menschen, die sich nicht auf eine Seite festlegt, ist kontinuierlich gesunken und liegt nun bei 22 Prozent (2016 waren es 36 Prozent).

Zunehmende Polarisierung

Eine ähnliche Polarisierung wie beim "Lügenpresse"-Vorwurf zeige sich auch bei anderen Aussagen, so die Wissenschaftler. So stimmen laut Studie 23 Prozent der Aussage zu: "Die Medien arbeiten mit der Politik Hand in Hand, um die Meinung der Bevölkerung zu manipulieren." Insgesamt weisen jedoch mehr Menschen als in den vergangenen Jahren Aussagen zurück, die den Medien absichtliche Manipulation und systematische Lüge vorwerfen.

Zudem zeigen die Daten, dass 43 Prozent den etablierten Medien in wichtigen Fragen vertrauen. Die Zustimmung bleibt damit seit nunmehr vier Jahren in Folge vergleichsweise konstant. Allerdings äußern 28 Prozent Misstrauen - ein Anstieg gegenüber dem langjährigen Trend.

Die Gruppe derjenigen, die beim Vertrauen eine mittlere Position einnehmen ("teils, teils") ist so klein wie noch nie in den bisher sechs Umfragewellen der Mainzer Forschungsgruppe. Ihr Anteil beträgt nun 29 Prozent. 2018 waren es 34 Prozent, im Jahr 2008 noch 63 Prozent. Die Mainzer Wissenschaftler vermuten deshalb, dass sich immer mehr Menschen angesichts einer sich weiter polarisierenden Debattenkultur dazu veranlasst sehen, auch selbst Position zu beziehen.

Stabiles Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist seit Jahren recht stabil. In der aktuellen Erhebung vertrauen ihm 67 Prozent der Bevölkerung (2018: 65 Prozent, 2016: 69 Prozent). Regionalzeitungen liegen mit 65 Prozent direkt dahinter.

Social Media gewinnt leicht an Vertrauen

Das Vertrauen in Social-Media-Angebote als Quelle von Nachrichten ist gestiegen, nachdem es in den Vorjahren unter den Debatten über Datenskandale und Fake News gelitten hatte. Faktoren könnten laut der Studie Auswirkungen von Imagekampagnen der Digitalkonzerne sowie politische Regulierungen beziehungsweise Debatten über Regulierungen gewesen sein, so die Mainzer Wissenschaftler.

2018 äußerten nur vier Prozent Vertrauen zu den Nachrichten in sozialen Netzwerken, in der neuen Umfrage sind es 10 Prozent. Der Anteil derjenigen, die Nachrichten in sozialen Netzwerken nicht für vertrauenswürdig halten, liegt nun bei 45 Prozent (2018: 51).

STAND
AUTOR/IN