Die graue Fassade des Mainzer Rathauses ist im August 2022 von Baugerüsten umstellt und mit einem Banner verhängt

Tische, Stühle, Lampen - alles muss raus

12.000 Einzelteile werden für Sanierung aus Mainzer Rathaus geräumt

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AUTOR/IN
Sarina Fischer

Das denkmalgeschützte Rathaus in Mainz wird komplett saniert. Nach der Außenfassade ist nun das Interieur dran. Jedes Teil muss einzeln verpackt und eingelagert werden.

Schranktüren, Lampenschirme, Stühle - alles soll im Sinne des Denkmalschutzes einzeln ausgebaut und später restauriert wieder eingebaut werden. Eine sehr aufwendige Arbeit, die in dieser Woche hinter den Kulissen der nun eingerichteten Baustelle begonnen habe, berichtet der städtische Projektleiter der Rathaussanierung, Andreas Grund.

"Jedes Einzelteil wird sorgfältig in Schutzfolie eingepackt und bekommt einen eigenen Barcode"

"Jedes Einzelteil wird sorgfältig in Schutzfolie eingepackt und bekommt einen eigenen Barcode", erklärt Grund. Mit diesem Code werde es dann in einer digitalen Datenbank erfasst. Daran gekoppelt sei eine simulierte 3D-Ansicht der Innenräume des Rathauses. "So können wir die einzelnen Elemente genau verorten und später wieder an ihre ursprüngliche Stelle zurückbringen."

Halle in Bad Kreuznach dient als Zwischenlager

Für die rund 12.000 Einzelteile hat die Stadt Mainz eine Halle in Bad Kreuznach gemietet. Darin ist Platz für etwa 14.000 Paletten, die nun Stück für Stück befüllt werden. Bis spätestens Ende 2023 wolle man damit fertig sein, so der Projektleiter. Auf dem Außengelände der Halle würden bereits die abgebauten Elemente der Außenfassade lagern.

Nach und nach würden die denkmalgeschützten Einzelteile dann aus der Halle in Bad Kreuznach heraus fachgerecht restauriert und renoviert. Der Rückbau der 12.000 Elemente ins sanierte Gebäude sei ab 2026 geplant.

Banner am Rathaus kostet etwa 100.000 Euro

Dort, wo sich die ebenfalls denkmalgeschützte Außenfassade noch zu Jahresbeginn befand, sind nun um das Gebäude herum Baugerüste aufgebaut. Und die sind wiederum seit ein paar Tagen eingehüllt in ein 3.400 Quadratmeter großes und 26 Meter hohes Nylon-Banner. Auf der Vorderseite des Rathauses zum Jockel-Fuchs-Platz hin ist darauf ein Foto der Außenfassade im Originalmaßstab abgedruckt, wie sie nach der Sanierung wieder aussehen soll.

Man habe sich vor allem aus optischen Gründen für dieses Banner entschieden, so der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). Immerhin werde die Baustelle nun mehrere Jahre Bestand haben. Ferner diene das Banner als Riesel-Schutz für die Gerüste. Kostenpunkt für das Banner laut Stadt: knapp 100.000 Euro.

Nach dem Ausbau folgt der Rohbau

Hinter der verhüllten Rathausfassade nehmen die Bauarbeiten nun Fahrt auf. "Parallel zum Abbau der denkmalgeschützten Innenausstattung bauen wir derzeit auch schon die besonders brandgefährdeten Technikelemente im Untergeschoss aus, zum Beispiel die alte Klimaanlage, die Notstromversorgung und das Öllager“, berichtet Projektleiter Andreas Grund. Erst danach könne es mit dem klassischen Rohbau losgehen.

Insgesamt liege man bei der Rathaussanierung gut im Zeit- und Kostenplan, sagt die Stadt Mainz. Bis 2027 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Zuletzt hatte die Stadt angekündigt, dass die veranschlagten 104 Millionen Euro wegen stark gestiegener Baupreise nicht ausreichen könnten. Man müsse mit rund 25 Millionen Euro mehr rechnen. Das Land Rheinland-Pfalz werde die Sanierung weiterhin mit bis zu 60 Prozent bezuschussen.

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Sarina Fischer