Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Mainzer Pflegedienstes machen auf Kosten der Chefin Urlaub. (Foto: Samy Rose, Meenzer Pflege GmbH)

Kostenlos nach Korfu und Mallorca

Mainzer Pflegedienst zahlt Urlaubsreise für Angestellte

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Rabea Amri/Katja Jorwitz

Viele Pflegekräfte kehren ihrem Beruf den Rücken. Zu schwierig sind die Arbeitsbedingungen, zu schlecht die Bezahlung, zu gering die Wertschätzung. Es geht auch anders, zeigt ein Pflegedienst in Mainz.

Das Unternehmen mit den Spendierhosen ist der ambulante Pflegedienst "Meenzer Pflege". Er schickte seine Angestellten tatsächlich in einen gemeinsamen Urlaub und bezahlte ihn auch. Es ging auf die griechische Insel Korfu. 

Für einige Pflegekräfte war es die erste Urlaubsreise überhaupt. Die 36-jährige Milena Battle ist sehr dankbar, dass sie das erleben durfte. "Ich bin noch nie geflogen, war noch nie am Meer. Ich hab im Flugzeug alles gefilmt," erzählt sie. Immer wieder kommen ihr die Tränen, wenn sie von ihrem ersten richtigen Urlaub erzählt.

Milena Battle arbeitet für den ambulanten Pflegdienst und durfte in den Urlaub. (Foto: SWR)
Milena Battle konnte ihr Glück kaum fassen, für sie war es der erste richtige Urlaub.

Wertschätzung fehlte

Milena Battle liebt ihren Beruf. Sie ist alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Bei ihrem früheren Arbeitgeber war sie sehr unglücklich. Wertschätzung und Anerkennung fehlten ihr. Irgendwann fand sie den Mut zu kündigen. Schon das Vorstellungsgespräch beim Pflegedienst Meenzer Pflege war etwas Besonderes, erzählt sie, es hat vier Stunden gedauert.

In den ersten Wochen und Monaten suchte sie nach einem Haken an ihrer neuen Arbeitsstelle. Sie fand keinen. Und dann kam auch noch Patrik Röder, einer der Geschäftsführer der Meenzer Pflege, mit der Idee, dass alle zusammen in den Urlaub fliegen sollen - auf Kosten des Unternehmens.

„Es wird sehr unterschätzt, wie hart diese Arbeit ist und wie schwer der Job ist.“

Anerkennung für die Arbeit 

Der Pflegedienst Meenzer Pflege ist neu in der Branche, es gibt ihn erst seit eineinhalb Jahren. Mittlerweile hat das Unternehmen in Mainz 30 Angestellte, betreut 130 Patienten und Patientinnen. In der Firma gibt es für die Mitarbeiteinnen und Mitarbeiter beispielsweise auch Beratung bei der Steuererklärung, eine Kühlbox im Auto für Getränke – und nun eben: einen Urlaub für alle.  

Kein Geld für Werbung

Doch wie kann sich ein ambulanter Pflegedienst so etwas leisten? "Wir kennen uns mit Zahlen sehr gut aus," sagt Patrik Röder. "Außerdem geben wir kein Geld für Werbung aus, sondern setzen auf Weiterempfehlungen." Und das funktioniert, sowohl bei Kunden als auch bei den Angestellten. Auch Milena Battle hat schon andere Kolleginnen zu Meenzer Pflege gelockt.

Übrigens: Da sich ja immer jemand um die Kundschaft kümmern muss, wurden die Beschäftigten in zwei Urlaubsgruppen eingeteilt. Die erste war mit Milena Battle auf Korfu. Die zweite ist diese Woche nach Mallorca geflogen.

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