STAND

Die Impfaktion am Mainzer Gymnasium Theresianum erregt weiter die Gemüter. Ministerpräsidentin Dreyer nennt die Reaktionen "eindeutig". Der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister kritisiert die Schule.

Solche - offensichtlich allein auf Öffentlichkeitswirkung ausgelegte - Aktionen könnten schlimmstenfalls zur Folge haben, dass das Vertrauen für die Impfkampagne sinke, so Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) gegenüber dem SWR. Für dieses Vorgehen gebe es nur wenig Verständnis aus der Bevölkerung. Impfstoff sei Mangelware. Deswegen sei es weiterhin richtig, dass die Menschen möglichst zuerst eine Impfung bekommen, die einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt seien und die Menschen, die drohen, schwer an Corona zu erkranken.

"Diese Aktionen sind offensichtlich allein auf Öffentlichkeitswirkung ausgelegt."

Minister Clemens Hoch betont, dass die Impfpriorisierung sinnvoll sei, da immer noch weniger Impfstoff verfügbar sei, als Menschen, die eine Impfung bräuchten. Es sei daher gerecht, wenn zuerst diejenigen geimpft würden, die höher priorisiert waren und erst dann diejenigen, die sich nach dem Fall der Impfpriorisierung angemeldet hätten. Diesen Weg gehe das Land in den Impfzentren und darin sei man sich auch mit der Landesärztekammer einig.

Der Minister fordert vom Bund, die Regelung für die Bestellung und Verteilung von Corona-Impfstoffen bei Bedarf nachzubessern.

Dreyer will "Einzelfall nicht hochschreiben"

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ordnet die Impf-Aktion als "Einzelfall" ein. Sie verweist auf die Reaktionen der Öffentlichkeit und ihres Gesundheitsministers, die beide "ziemlich eindeutig" seien. Dreyer erinnert daran, dass niedergelassene Ärztinnen und Ärzte frei in der Entscheidung seien, wen sie zuerst impfen. Die allermeisten Ärzte gingen "konsequent" mit ihrem Impfstoff um. Darüber sei sie sehr glücklich, sagte Dreyer. Das eigentliche Problem sieht die Ministerpräsidentin darin, dass Impfstoff immer noch Mangelware sei.

Impfgutachter sieht keinen medizinischen Grund für Aktion

Kritik an der Impfaktion kam zuvor schon unter anderem vom Impfgutachter Klaus Hartmann. Er bemängelte unter anderem, dass die Impfdosen jungen, gesunden Schülern verabreicht würden, die nur unter einem kleinen Risiko litten, schwer zu erkranken.

Video herunterladen (6,3 MB | MP4)

Bistum Mainz unterstützt Aktion

Das Theresianum befindet sich in kirchlicher Trägerschaft. Von Seiten des Bistums Mainz hieß es am Dienstag, das Impfangebot an dem Gymnasium verstehe sich als Zeichen dafür, dass auch junge Menschen, die von den Lockdown-Maßnahmen besonders getroffen gewesen seien, das Recht hätten, nicht als Letzte geimpft zu werden. Es handele sich um eine Elterninitiative, die ohne Kirchensteuermittel finanziert worden sei. Der Schulleiter Stefan Caspari habe deutlich gemacht, dass das Angebot nach dem Wegfall der Impfpriorisierung als Pilot-Projekt zu verstehen sei, um an weiteren Schulen zu impfen. Solche Angebote werde es etwa auch in Hessen von Seiten der Landesregierung geben.

Mainz

Corona-Impfungen für Schülerinnen und Schüler "Impfaktion am Mainzer Theresianum ist schamlos"

Am Mainzer Gymnasium Theresianum werden zum ersten Mal in Rheinland-Pfalz Schülerinnen und Schüler gegen das Coronavirus geimpft. Der Leiter des SWR-Studios Mainz, Olaf Lemcke, findet: Das schürt Impfneid.  mehr...

Mainz

Eltern besorgen Impfstoff Umstrittene Aktion an Mainzer Gymnasium: Schüler erhalten Impfung gegen Corona

Etwa 150 aktuelle und ehemalige Schülerinnen und Schüler eines Mainzer Gymnasiums sind am Dienstag geimpft worden. Sie sind alle 16 Jahre oder älter und bekamen in der Sporthalle Biontech verabreicht.  mehr...

Am Nachmittag SWR4 Rheinland-Pfalz

Mainz

Kritik an Impfaktion an Mainzer Gymnasium Dr. Klaus Hartmann: "Impfdosen wären besser Älteren verabreicht worden"

Am Mainzer Gymnasium Theresianum werden 150 Jugendliche gegen Corona geimpft. Der Impfgutachter Dr. Klaus Hartmann äußert im SWR-Interview deutliche Kritik.  mehr...

STAND
AUTOR/IN