So soll das geplante Mahnmal am Standort der ehemaligen Deportationsrampe aussehen. (Foto: Andreas Theurer)

Stadt hat jetzt genug Geld

80 Jahre nach Juden-Deportationen - Mainzer Mahnmal soll gebaut werden

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Eigentlich ist es beschämend - in der ganzen Stadt gibt es keinen zentralen Gedenkort für die mehr als 1.000 ermordeten Juden aus Mainz. Das soll sich jetzt ändern.

Genau 80 Jahre ist es her, dass die Deportation der Mainzer Jüdinnen und Juden in NS-Vernichtungslager begann. Von einer Rampe auf dem heutigen Gelände des Bahnunternehmens vlexx aus wurden ab dem 20. März 1942 insgesamt 1.131 jüdische Männer, Frauen und Kinder verschleppt und ermordet.

Genau fünf Jahre ist es her, dass die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) den Sieger eines Wettbewerbs für den "Gedenkort Deportationsrampe" vorstellte. Endlich sollte ein echtes Mahnmal zur Erinnerung an die Greueltaten in Mainz geschaffen werden.

Spenden reichten bei Weitem nicht zur Finanzierung

Grosse sagte damals, der Entwurf solle nun schnellstmöglich realisiert werden. Doch die Hoffnung der Stadt, man könne die benötigten 300.000 Euro über Spenden einsammeln, wurde enttäuscht. Gerade mal ein Zehntel, rund 30.000 Euro, kamen zusammen. Und so fiel das Projekt in einen fünfjährigen Dornröschenschlaf - bis Ende Februar.

Umsetzung dank BioNTech-Gewerbesteuern?

Da nämlich wurden auf dem vlexx-Gelände plötzlich Bäume gefällt und die Stadt teilte mit, die vorbereitenden Arbeiten für den "Gedenkort Deportationsrampe" hätten nun begonnen.

An dieser Stelle wird der Gedenkort entstehen, der an die Deportation der Juden in Mainz vor 80 Jahren erinnern soll (Foto: SWR, Daniel Brusch)
Auf dem Gelände des Bahnunternehmens vlexx soll der Gedenkort entstehen, der an die Deportation der Juden in Mainz vor 80 Jahren erinnern soll. Daniel Brusch

Dass die jetzige Umsetzung den Steuermillionen des Biotechnologiekonzerns BioNTech zu verdanken ist, sagt der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) zwar nicht direkt. Aber man kann wohl davon ausgehen, dass der Dornröschenschlaf ohne BioNTech noch deutlich länger gedauert hätte.

Entwurf "verzichtet auf große Geste"

Der Entwurf, der jetzt verwirklicht werden soll, stammt von dem Dresdner Architekturbüro "Atelier . Schmelzer . Weber" und dem Bildhauer Andreas Theurer. Ganz bewusst haben die Macher nach eigenen Angaben auf eine große Geste verzichtet, sondern versuchen stattdessen, die Bürgerinnen und Bürger in die Gestaltung einzubeziehen.

Auf einer langen Mauer stehen die Namen der deportierten Menschen. Auf dem Boden verlaufen parallel dazu Gleise. Diese enden in einem Durchgang, der mit einem Spiegel verschlossen ist. Wer hineinschaut, wird Teil des Mahnmals - so die Idee.

"Ein überraschender Ort, der mitten im Leben an Vertreibung und Tod erinnert."

In den Bodenbelag vor der Mauer sind zudem menschliche Schatten eingesetzt, die sich an sonnigen Tagen mit den Schatten der Besucherinnen und Besucher kreuzen.

Noch in diesem Jahr sollen nach Angaben des Mainzer Oberbürgermeisters Ebling die Bauarbeiten für das Mahnmal beginnen. Nach jetzigen Planungen könnte es im Herbst 2023 fertiggestellt sein.

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