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Standhafter Mönch: Vor 500 Jahren weigerte sich Martin Luther, seine Schriften zu widerrufen. Am Sonntag schloss die evangelische Kirche in Worms die Feiern mit einem Gottesdienst ab.

Auch heute sei Widerstand überall dort gefragt, wo Menschen verfolgt oder hingerichtet würden, sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung in einem Fernsehgottesdienst in Worms. Widerspruch sei auch gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit nötig. Das gelte ebenfalls für Äußerungen von Luther gegen Juden. Auch auf Fehler und Missstände in den Kirchen müsse man schauen.

Es sei gut, für seine Überzeugungen einzutreten. "Aber Achtung: Widerspruchsgeist ist kein Wert an sich. Es gibt Menschen, die standhaft widersprechen und auch sehr viel Unsinn vertreten", sagte Jung in der Magnuskirche von Worms. "Zu behaupten, dass es keine Pandemie gibt und zu sagen, dass Corona nicht schlimmer ist als eine Grippe, das ist völlig unangemessen." Wer sich mit einem solchen Widerspruch auf Luther berufe, habe den Reformator nicht verstanden. Dieser habe sich auf das Evangelium und die Vernunft gestützt.

Kohlgraf tritt für Stärkung der Ökumene ein

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sprach sich in dem Gottesdienst für eine Stärkung der Ökumene aus. "Es ist ein starkes Zeichen, dass wir diesen Tag gemeinsam feiern, evangelische und katholische Christen. Es ist ein Zeichen für eine starke ökumenische Geschwisterlichkeit, die gewachsen ist." Kohlgraf war aus seinem Arbeitszimmer zugeschaltet. Wegen eines Corona-Falls in seinem Umfeld befinde sich der Bischof in häuslicher Quarantäne, hieß es. Der Gottesdienst wurde wegen der Pandemie nicht öffentlich gehalten.

Inszenierung in Worms paart klassische und moderne Elemente

Die Evangelische Kirche hatte den Reformator am Samstagabend mit einer Multimedia-Show mit dem Titel "Der Luther-Moment" gewürdigt. Die Veranstaltung mischte moderne Computertechnik, klassische Schauspiel-Elemente und Livemusik. Die Evangelische Kirche erklärte, die Inszenierung gehe unter anderem der Frage nach, wo Menschen heutzutage für ihre Sache einstünden und Zivilcourage zeigten.

In 95 Thesen verurteilte Luther 1521 den Ablasshandel der katholischen Kirche, sich von Sünden freikaufen zu können. In Worms sollte der Mönch am 18. April 1521 seine Schriften widerrufen - was er verweigerte. Die Reformation nahm ihren Lauf.

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Am Freitag hatten bereits Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im Rahmen eines Festaktes mit Videobotschaften an die Widerrufsverweigerung von Luther erinnert. Sie würdigten den Mut des Reformators.

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